Traktal und ZIV kämpfen für standardisierte Pedelec-Reichweitentests

Die Parameter heißen Prüfstand, Sensorik, Fahrerleistung und Strecke

18.12.13 | Redakteur: Stephan Maderner

So weit der Akku trägt – Traktal und der ZIV arbeiten an speziellen Reichweitentests für Pedelecs. Im Bild ein Pedelec der Mark EH-Line.
So weit der Akku trägt – Traktal und der ZIV arbeiten an speziellen Reichweitentests für Pedelecs. Im Bild ein Pedelec der Mark EH-Line. (Foto: Marcel Gollin)

Der Kaufbeurer Rollenprüfstandsspezialist Traktal und der Zweirad-Industrie-Verband erarbeiten einen standardisierten Test, der die echte Reichweite von Elektrofahrrädern ermitteln soll.

Das leidige Thema der schwammigen Reichweitenangaben bei Pedelecs könnte bald der Vergangenheit angehören. Das Problem, im Vergleich zu allen anderen Fahrzeugen, liegt darin begründet, dass der Fahrer mit beliebiger, ungleichmäßiger Leistung den Fahrzeugantrieb mit unterstützt, was sich in extrem unterschiedlichen Fahrleistungen äußert. Die Firma Dyno Tester Traktal in Kaufbeuren erarbeitet in Zusammenarbeit mit dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) einen standardisierten Test, der hier Abhilfe schaffen soll.

Den Machern des Projektes ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass dieser Test nicht dazu dient, dem Fahrer seine wahrscheinliche, persönliche Reichweite vorherzusagen. „Dieser Test dient den Herstellern dazu, einen, für ALLE Fahrzeugklassen (Einkaufsshopper, MTB, Rennrad, etc.), genormten Prüfablauf zur Hand zu geben. Dieser erlaubt eine verbindliche und jederzeit, weltweit reproduzierbare Reichweitenvorhersage“, sagt Traktal-Inhaber Peter R. Marx.

Die Vorüberlegungen

Auf die Ausführung von realen Reichweitentests mit realen Fahrern soll verzichtet werden, da die Wiederholbarkeit nicht gegeben ist. Die Streckenbedingungen sind, ebenso wie die Fahrer und die Umwelteinflüsse, selten konstant und schon gar nicht für Ortsfremde reproduzierbar. Davon abgesehen müssten alle Pedelecs der Welt auf exakt dieser Strecke getestet werden. Schon die weltweite Einigung auf eine bestimmte Strecke wird mit Sicherheit sehr lange dauern.

Der Prüfstand

Die Reichweitentests werden also auf einem geeigneten Rollenprüfstand durchgeführt. Dieser Prüfstand muss mit einem Doppelrollensystem ausgestattet sein, da einige Fahrzeuge Frontantrieb; andere wiederum Hinterradantrieb besitzen. Die Mittelmotoren, die an der Kette angreifen treiben ebenfalls über das Hinterrad an. Wichtig ist es, dass beide Räder mit exakt der gleichen Geschwindigkeit rotieren. Sollten Differenzen auftreten, so detektieren die Antriebssteuerungen einiger Fahrzeuge eine Abweichung, also ein rutschendes Rad, und unterbrechen schlagartig die Leistungsabgabe, ähnlich wie beim ABS. Diese beiden Rollen müssen also schlupffrei arbeiten und zudem noch längenverstellbar sein, um unterschiedlichen Fahrzeuggrößen aufnehmen zu können.

Die Unsicherheit eines menschlichen Fahrers wird ausgeschaltet, in dem ein geeigneter, präziser Pedeliermotors in die Pedale tritt. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Die Antriebssteuerung des Fahrzeugs erwartet die Leistungsabgabe als eine Art Sinuswelle. Das einfache, gleichmäßige Antreiben durch einen Elektromotor genügt nicht und würde zum Auftreten einer Störung und damit zum Abschalten führen.

Der Prüfstand muss zusätzlich noch in der Lage sein realistische Bedingungen wie Rollreibung, Luftwiderstand, Fahrzeuggewicht, Steigungen und Gefälle realitätsgetreu nach zu bilden.

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