Eurobike 2017 – Pedelecs und mehr

„E-“ ist in

| Autor / Redakteur: Mario Hommen/SP-X / Vivian Wetschera

Auch bei KTM macht man sich Gedanken, in die Klappradszene einzusteigen.
Auch bei KTM macht man sich Gedanken, in die Klappradszene einzusteigen. (Bild: SP-X/Mario Hommen)

Der Pedelec-Boom wird immer gewaltiger. Das zeigt sich eindrucksvoll auf der größten Leitmesse der Branche, die mit neuen Modellen und Innovationen aus dem E-Bike-Sektor regelrecht überflutet wird.

Die Trends der Eurobike sind offensichtlich: Auf der Messe wimmelt es nur so von Pedelecs. Vor allem bei elektrisch unterstützten Mountain-Bikes, Lasten- sowie Klapprädern ist die Neuheiten-Flut gewaltig. Doch auch bei den klassischen E-Bikes, den Stadt- und Tourenrädern, ist das Angebot so vielfältig und unübersichtlich wie nie zuvor. 2018 wird das große Jahr für Modelle mit vollintegrierten Akkus. Dabei wandert die Batterie in den meisten Fällen in das entsprechend deutlich vergrößerte Rahmen-Unterrohr. Noch präsentieren sich viele Pedelecs auf der Eurobike mit gut sichtbaren Batterien am Rahmen oder Gepäckträger, doch wirken diese bereits wie E-Bikes einer vergangenen Epoche. In der Preisregion unter 2.000 Euro muss man wohl auch künftig mit ihnen leben, denn E-Bikes mit vollintegrierter Batterie sind vergleichsweise teuer.

Besonders beeindruckend sind der Variantenreichtum und die Innovationskraft bei Pedelec-Antriebssystemen. Bosch zum Beispiel zeigt neben den neuen Active-Line-Motoren seinen vollintegrierbaren Powertube-Akku, der bereits in vielen Pedelec-Neuheiten der Eurobike zum Einsatz kommt. Nur wenige Hersteller setzen bislang auf den völlig neuen 48-Volt-Revolution-Antrieb von Continental, der ebenfalls mit Akku-Vollintegration und außerdem mit einem im Motor integrierten Automatikgetriebe großes Interesse weckt. Wer genau hinschaut, findet auf der Eurobike auch einige unsichtbare Antriebe, wie etwa den im Sattelrohr versteckten Minimotor der österreichischen Firma Vivax. Unaufdringlich im Unterrohr integriert ist etwa das Evation-Antriebssystem der deutschen Firma Fazua. Der Clou: Motor und Akku lassen sich einfach entfernen, so dass dann ein normales Fahrrad bleibt. Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die dänische Firma Bike2 mit ihrem gleichnamigen kettenlosen E-Antrieb, bei dem das Tretlager zugleich Generator ist. Dieser kann Strom erzeugen, der wiederum einen Nabenmotor im Hinterrad antreibt. Eine mechanische Verbindung zwischen Hinterrad und den Pedalen erübrigt sich.

Darüber hinaus gibt es einige besonders starke Mittelmotoren zu bewundern, wie der etwas exotische Antrieb von Fendt E-Motoren, der derzeit ausschließlich in den Mountain-Bike-Modellen der Marke Torridor zum Einsatz kommt und sie mit stolzen 84 Newtonmeter besonders kraftvoll den Berg hinaufschiebt. Immerhin 80 Newtonmeter liefert der neue Mittelmotor der Firma Amprio, einer Tochter der Rheinmetallgruppe. Den leistungstechnischen Höhepunkt auf der Eurobike setzt indes die neue M-Serie des chinesischen Herstellers Bafang, die mit den Versionen M500 (250 Watt) und M600 (350 bis 500 Watt) sogar zwischen 95 bis 120 Newtonmeter zur Verfügung stellt.

Nachrüstsysteme

Ebenfalls recht zahlreich präsentieren sich auf der Eurobike mehrere Pedelec-Nachrüstsysteme. Eine spannende Lösung bietet die deutsche Firma Pendix, die auf einen Scheibenläufer-Mittelmotor mit 250 Watt und 50 Newtonmeter Drehmoment setzt, der direkt am Tretlager montiert wird. Der Strom kommt aus einem zylindrisch geformten Akku mit integrierter Steuerelektronik. Ebenfalls auf der Messe vertreten ist das Copenhagen Wheel des US-Start-ups Superpedestrian. Hier stecken alle Komponenten in einer großen Hinterradnabe. Die dort ebenfalls integrierte Batterie soll 50 Kilometer Reichweite erlauben. Ähnlich weit geht es mit dem Add-e-Nachrüstsatz der österreichischen Firma GP Motion. Hierbei handelt es sich um eine kleine Reibrollen-Variante, bei der ein Motor unterm Tretlager direkt auf den Reifen des Hinterrads drückt. Die Batterie für den mindestens 890 Euro teuren Satz, den es in einer 25- und einer 45-km/h-Version gibt, passt in einen Getränkehalter.

Elektrizität kommt aus der Tasche

Ebenfalls auf E-Antrieb setzt künftig der Klassiker der Klapprad-Szene: das Brompton. Während der Frontnabenmotor des Electric genannten Modells eher unauffällig wirkt, befindet sich die Batterie in einer Textiltasche, die an eine Halterung am Lenkrohr eingehängt wird. Auf 16 Kilogramm bringt es das unvermindert superkompakt faltende Rad. Noch als Prototypen zeigt das Start-up South Point ein beeindruckend futuristisch anmutendes Falt-Pedelec namens Mk 1. Neben dem eleganten Design bietet es einen cleveren Klappmechanismus, ein enges Packmaß und mit weniger als 15 Kilogramm außerdem noch geringes Gewicht. Eine Besonderheit sind die Räder, bei denen statt der sonst üblichen Speichen eine transparente Plexiglasscheibe zum Einsatz kommt. Mitte 2018 könnte das Mk 1 in den Markt kommen. Mit rund 40 Kilometer Reichweite ist es optimal fürs multimodale Reisen gewappnet. Der Preis dürfte wohl deutlich unter 3.000 Euro liegen. Selbst KTM hat sich dem Thema angenommen und zeigt mit dem Macina Fold, wie ein elektrisch unterstütztes Klapprad mit Mittelmotor und vollintegriertem Akku in vielleicht schon naher Zukunft in den Markt kommen könnte.

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