Zweiradmechaniker-Europacup 2015: Schweiz gewinnt vor Deutschland Länderwertung

Starke deutsche und schweizerische Delegation

| Redakteur: Stephan Maderner

Die deutsche Delegation auf dem Europacup der Zweiradtechniker 2015 in Wien, zweiter in der Landeswertung, gratuliert dem Schweizer Team zum Ländersieg.
Die deutsche Delegation auf dem Europacup der Zweiradtechniker 2015 in Wien, zweiter in der Landeswertung, gratuliert dem Schweizer Team zum Ländersieg. (Foto: Maderner)

15 Motorrad- und Fahrradspezialisten aus Deutschland, Österreich, Tschechien und der Schweiz kämpften in Wien um die Medaillen. Das deutsche Team holt sich zwei davon.

Der renommierte Wettbewerb der besten Zweiradmechaniker Europas (Motorrad/Fahrrad) fand auf historischem Boden statt. Dort, wo einst der Österreicher Siegfried Marcus den ersten Fahrzeug-Benzinmotor der Welt (stehend, atmosphärisch) mit Kurbelbetrieb entwickelte, kämpften 15 Kandidaten aus vier Ländern um den Europacup der Zweiradtechniker. Der Siegfried Marcus-Wagen ist das Symbol der Berufsschule in Wien-Strebersdorf, Scheydgasse 40. Selbstverständlich ist die Berufsschule für Kraftfahrzeugtechnik auch nach dem großen Erfinder Siegfried Marcus benannt, dem Propheten fürs Auto, auch wenn die wirkliche Initialzündung von Daimler und Benz kam. Außerdem wurde ganz in der Nähe in den Lohner-Werken vor 115 Jahren das erste Auto mit Elektroantrieb produziert, der legendäre Lohner-Porsche.

So viel Historie spornte die Kandidaten und ihre Delegationen durchaus an: Bereits zum siebten Mal trafen sich die besten Schrauber aus Deutschland, Österreich, Tschechien und der Schweiz, um ihren Europameister zu küren. Begonnen hat alles 2009 an der Bundesfachschule für das deutsche Zweiradmechaniker-Handwerk in Frankfurt/Main. Die Idee dazu hatte ein Jahr zuvor das Schweizer Berufsbildungszentrum in Goldau und der Schweizer Fahrrad- und Motorrad-Gewerbe-Verband Aarau.

Seither treffen sich zu Beginn jeden Jahres je vier Kandidaten aus den vier Ländern. Der Berufswettbewerb lieferte wieder einmal ganz besondere Einblicke in die Techniken des Zweiradhandwerks, die einer ungeheuren Dynamik unterliegen. Die Verantwortlichen der Siegfried Marcus Berufsschule, allen voran Lorenz Schertler, Schulleiter Markus Fuchs und dessen Stellvertreter Jürgen Kugler hatten zusammen mit der Kommission des Europacups wieder 14 spannende Aufgaben erarbeitet. Je sieben Stationen mussten die Spezialisten der Fahrradtechnik bewältigen: Einspeichung, Schaltanlage, Lenkkopflagertausch/hydraulische Bremsleitungen entlüften, E-Bike, Kartuschentausch, Liegerad und Tretlagersitz). Auf die Motorradtechniker warten die Stationen Startvorrichtung, Messübung, Einspritzanlage, Kupplung, Schaltgetriebe, Bluetooth-Verbindung und Generator.

Als Zeitfenster zum Lösen einer Aufgabe waren 40 Minuten vorgesehen. Die Teilnehmer bewältigen mit viel Konzentration und Drive den Wettbwerbsparcours. Fürs leibliche Wohl in den Pausen war gut gesorgt. In puncto Ablauf und Durchführung gab es keinerlei Beanstandungen. Alles lief reibungslos, die Stimmung war gut.

Die Motorradsieger

Den Europacup Motorradtechnik geht dieses Jahr an die Schweiz. Ganz oben auf dem Siegertreppchen (mit 570 von 700 möglichen Punkten) stand Marco Koepfli (Moto-Center Schwyz Seewen). Den zweiten Platz belegte der Deutsche Max Kollenda von Rohwedder in Hamburg mit 544 Punkten und Benjamin Rutishauser von Saegesser Honda-Center Oberbüren aus der Schweiz (497 Punkte). Auf den Plätzen vier bis acht folgen (in der Reihenfolge): Fabian Kraft (Deutschland), Ondrej Kroutil (Tschechien), Jan Slof (Tschechien), Markus Wagner (Österreich) und Nikola Srdic (Österreich).

Die Fahrradsieger

Die Krone des besten europäischen Zweiradtechnikers in der Sparte Fahrrad setzt sich 2015 Phillipp Mair aus Deutschland auf. Er arbeitet bei der Fa. Axel Schäfer in Lichtenstein. Er erzielte überragende 670 Punkte. Nur knapp dahinter (mit 660 Punkten) erobert sich Anina Bundi aus der Schweiz die Silbermedaille. Bundi zeigt werktags ihr Können beim Bike Shop Studer in Aadorf. Stolzer Bronzemedaillengewinner ist Justin Baumann (BiFU Luhacovice) mit sehr guten 620 Punkten. Dahinter platzieren sich Christian Dummermuth (Schweiz), Jannik Schlickel (Deutschland), Jakub Durt (Tschechien) und Paul Mallesitz (Österreich).

Auf der Preisverleihungszeremonie kamen einige Branchen-VIPs zu Grußworten. Darunter u.a. Peter Bäuerl (Berufsschulinspektor der Stadt Wien) oder Hans Zimmermann (Country Manager Yamaha Motor Mitteleuropa und Vorstand Arge2Rad).

Die Delegationen im Überblick: Österreich

Die gastgebende östereichische Delegation bestand aus folgenden Mitgliedern:

Europacup-Kommission: Markus Fuchs (Leiter Berufsschule Kfz-Technik Wien), Lorenz Schertler (Berufsschule Kfz-Technik);

Europacup-Jury Motorrad: Robert Czeschka (Berufsschule Kfz-Technik), Markus Hafenscher (Yamaha Hebart Wien), Jeremy Jones (American Iron Vienna Perchtoldsdorf), Ulrich Lorbeer (Berufsschule Kfz-Technik), Norbert Gaugusch (Fa. Faber Wien);

Europacup-Jury Fahrrad: Josef Bauer, Erich Wenko, Manfred Thaler, Michael Binder, Fabio Hofer (alle Berufsschule Kfz-Technik Wien).

Die Delegation komplettierten Jürgen Kugler (Stv. Leiter Berufsschule Kfz-Technik Wien), Hans Niesner und Wolfgang Brunner (WKO, Landesinnung der Mechatroniker, Wien, Fahrradexperten).

Team Deutschland

Europacup-Kommission: Peter Goltzsche (Landesinnungsmeister Hessen, Stv. Bundesinnungsmeister) und Ernst Brehm;

Europacup-Jury: Alexander Fischer (Bundesfachschule Zweiradtechnik Frankfurt/Main) – Motorrad – und Andreas Tym (Innung Freiburg Denzlingen) Fahrrad.

Delegationsmitglieder: Peter Flügel (Geschäftsführer Zweiradmechaniker-Landesinnung Hessen, Groß Gerau), Claudia Dillenburger (Bundesfachschule Zweiradtechnik Frankfurt/Main), Franz Schmitt (Wirtschaftsförderung Stadt Frankfurt/Main).

Team Schweiz

Europacup-Kommission: Daniel Schärer und Roland Fischer (2 Rad Schweiz (Fahrrad- und Motorradgewerbeverband Aarau);

Europacup-Jury: Ernst Hofer (Motorrad) und Felix Opprecht (Fahrrad) (beide 2 Rad Schweiz Aarau);

Delegationsmitglied: Peter Sommer (Präsident 2 Rad Schweiz).

Team Tschechien

Europacup-Kommission: Libor Machat (Integrovna stredni skola automobil Brünn);

Europacup-Jury: Miroslav Rollinger (Integrovna stredni skola automobil Brünn) – Motorrad – und

Stanislav Duhan (Bifu, Luhacovice) – Fahrrad;

Delegationsmitglieder: Milan Chylik (Leiter der Integrovna stredni skola automobil Brünn) und Pavla Rysava (Integrovna stredni skola automobil Brünn).

Das Rahmenprogramm

Der hochkarätig besetzten Technikwettbewerb rundete wie immer ein interessantes Rahmenprogramm ab. Ein echter Höhepunkt war der Besuch der Skyterrasse im 58. Stock des des Donau City Towers 1 mit überwältigendem Panoramablick über die Donauebene und die österreichische Metropole. Am ersten Abend servierten Gastronomie-Lehrlinge in der Berufsschule für Kraftfahrzeugtechnik leckere selbst zubereitete Gerichte wie Schweinebraten mit Knödeln; Meerretich und Sauerkraut sowie Spinatstrudel. Am zweiten Abend lud die Stadt Wien zum Empfang und gemeinsamen Abendessen ins Restaurant Kolariks Luftburg im Wiener Prater.

Nach dem Europacup ist vor dem Europacup

Fazit: Der Europacup der Zweiradtechniker hat auf seiner siebten Veranstaltung die Weichen auf Expansion gestellt. Die Kommission beabsichtigt Sondierungsgespräche zu führen mit den Benelux-Staaten, Ungarn, der Slowakei, Polen und Südtirol. Das nächste Arbeitstreffen der EC-Kommission findet am 28. und 29. Juni 2015 bei Vogel Business Media in Würzburg statt, der Heimat von »bike und business«. Der nächste Europacup geht Anfang März 2016 in Brünn (Tschechien) über die Bühne.

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