Gefahren: Ducati Scrambler Café Racer

Mehr Café als Racer

| Autor / Redakteur: Thilo Kozik/SP-X / Joram Schweizerhof

Der Preis liegt bei 10.990 Euro.
Der Preis liegt bei 10.990 Euro. (Bild: Kozik / Milagro)

Ducatis gelbe Untermarke Scrambler schickt einen stilechten Café Racer für modebewusste Motorradfahrer ins Rennen.

Bei Scrambler und Café Racer handelt es sich normalerweise um zwei voneinander unabhängige Motorradwelten, doch der italienische Kulthersteller Ducati schafft es, diese beiden zu kombinieren: Unter dem Lifestyle-Label Scrambler bedienen die Bolognesen mit dem neuen Modell Café Racer für 10.990 Euro den sportlichen Retrotrend.

Design

Für ein authentisches Styling analog zu den legendären Motorrädern aus den 60er-Jahren – die von ihren Besitzern umgebaut wurden, um kurze Sprintrennen von einem Cafe zum nächsten zu gewinnen – sorgen eine kleine Lampenmaske, eine edle Sportsitzbank mit Höcker, Startnummerntafeln auf der Seite und Stummellenker aus Aluminium, die an ihrem Ende die Rückspiegel tragen. Knackig-kurze Radabdeckungen im typischen „Race Look“ und sportliche Zehnspeichen-Gussfelgen verleihen der Café Racer den letzten Schliff.

Doch anders als bei den Ahnen, die so manchen Rücken in Mitleidenschaft zogen, sitzt es sich durchaus bequem auf der Ducati, mit leichter Vorlage zu den moderat gekröpften Lenkerstummeln hin. Die nach vorn abfallende, durchaus geräumige Sitzbank lässt den Fahrer immer ein wenig zum Tank hin rutschen, doch das Ambiente passt für eine breite Palette Fahrerstaturen.

Motor

Kernstück aller Scrambler ist mit Ausnahme der Führerschein-A2-geeigneten Sixty2, der 803 cm³ große 90 Grad-Desmo-V-Motor, um den Ducati maßgeschneiderte Modelle kreiert. In der Café Racer liefert der luft-ölgekühlte Zweiventiler nicht nur massenkompatible 55 kW/75 PS bei einem durchzugsfreudigen Drehmoment von 68 Nm bei 5.750 U/min ab, er klingt auch erfreulich satt und sonor aus dem doppelläufigen Termignoni-Stummelauspuff auf der rechten Fahrzeugseite.

Äußerst sanft setzt sich der Desmo-Twin in Szene und erfreut mit einer hohen Laufkultur. Ab 2.000 Touren prägt eine gleichmäßige Leistungsentfaltung den Motorcharakter; im Gegenzug geht ihm ein wenig das Feuer ab, mit dem die klassischen Vorbilder noch faszinieren konnten. Vor allem im ersten Drittel der Gasgrifföffnung könnte der Triebling kräftiger antreten, doch diese zurückhaltende Art ist bewusst gewählt, um das Ansprechverhalten handzahm und gut kontrollierbar zu machen. Weniger Feinschliff zeigt dagegen das Sechsganggetriebe, das von einem energischen Schaltfuß bedient werden will.

Performance

Geschwungene Landstraßen macht die Ducati zum leicht konsumierbaren Kurvenvergnügen. Fast mühelos lässt sie sich in Schräglage bringen und durcheilt auch knifflige Passagen in Windeseile. Zeigt der Straßenbelag jedoch Ausfallerscheinungen und Frostbrüche, ist es auch wegen der soften Fahrwerksabstimmung schnell um die Souveränität geschehen. Dann mag die Ducati nicht mehr hart angefasst werden, engagierte Kurvenmanöver quittiert sie mit einer deutlichen Aufstelltendenz. Mit der dadurch gemäßigten Fahrweise haben die Stopper keine Probleme. Obwohl die Einscheibenbremse im Vorderrad mit einer spektakulären Vierkolben-Radialzange sportive Ambitionen nahelegt, geht sie fast etwas zu verhalten ans Werk. Ohne rechten Druckpunkt geht ihr die exakte Dosierbarkeit ab, doch das ABS ist so gut abgestimmt, dass es nur höchst selten einzugreifen braucht.

In der City macht sich der markenuntypisch kleine Wendekreis angenehm bemerkbar – die Café Racer passt durch jede Lücke. Allerdings strahlt hier der Desmo-V im Stand auch kräftig Wärme ab. Weil auch die Ausstattung eher spärlich ausfällt – beispielsweise bietet das kleine Rundinstrument nur das Nötigste, eine Ganganzeige fehlt – erscheinen die 10.990 Euro vergleichsweise hoch gegriffen. Trotz der attraktiv-authentischen Aufmachung.

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