Gefahren: Suzuki GSX-R 125

„Baby-Gixxer“

| Autor / Redakteur: Thilo Kozik/SP-X / Vivian Wetschera

Die "Baby-Gixxer" im Stand.
Die "Baby-Gixxer" im Stand. (Bild: Suzuki)

Ein wenig Rennsport-Flair kombiniert mit Alltagstauglichkeit und günstigem Preis: Die kleine Suzuki ist nicht nur etwas für Schüler und Lehrlinge.

Nicht nur im Suzuki-Kosmos hat das Kürzel GSX-R eine tiefgehende Bedeutung, denn mit der ersten GSX-R 750 von 1988 läutete Suzuki die Ära der Supersportler erst ein. Auch wenn der Mythos des von ihren Fans „Gixxer“ genannten Superbikes im Laufe der Jahre ein wenig verblasste, hat diese Buchstabenkombination immer noch einen besonderen Klang und soll für Musik in den Ohren Jugendlicher und Heranwachsender sorgen: Die neue Suzuki GSX-R 125 transferiert für 4.690 Euro jede Menge Racing-Flair in die Einstiegsklasse.

Für groß und klein

Beim Anblick des Leichtkraftrads schlagen die Herzen sportlich Orientierter höher: Die supersportliche Vollverkleidung, filigrane Leichtmetallfelgen und der hochgezogene Höcker verströmen echte Rennatmosphäre. Die beim Aufsitzen aber einen erfreulichen Dämpfer bekommt: Das knappe Polster in niedrigen 78,5 Zentimetern Höhe bietet auch größeren Fahrerstaturen angenehm viel Bewegungsfreiheit und eine Ergonomie, die zum Ducken hinter die flache Racing-Scheibe genau so taugt wie zur relaxten Showtime auf der Partymeile.

Für die kleine GSX-R hat Suzuki extra einen flüssigkeitsgekühlten 125er-Einzylinder entwickelt, mit Vierventiltechnik, zwei obenliegenden Nockenwellen und Einspritzung modern konstruiert. Bei 15 PS Leistung schöpft er den gesetzlichen Rahmen voll aus, 11,5 Newtonmeter Drehmoment sind auch nicht von schlechten Eltern, aber erst der angegebene sparsame Verbrauch von 2,3 Litern führt zu anerkennendem Kopfnicken. Zusammen mit dem großzügigen 11-Liter-Tank sollten pro Füllung knapp 400 Kilometer drin sein. Das langt für die meisten Wege zu Schule und Ausbildung eine ganze Woche lang.

Nur das Nötigste

Etwas hemdsärmelig kommt dagegen das Fahrwerk mit dem herkömmlichen Stahlrahmen – eine Kunststoffblende soll einen Alu-Brückenrahmen simulieren – und nicht einstellbaren Federelementen daher. Allerdings bleibt der Zeiger der Waage durch den Verzicht auf alles Überflüssige bei leichtfüßigen 134 Kilogramm stehen, und das merkt man beim Fahren sofort. Völlig mühelos biegt das Leichtgewicht in die Ecke, meistert knifflige Schräglagenwechsel mit spielerischer Leichtigkeit und schafft auf Anhieb eine Menge Vertrauen – selbst Neulinge finden diese GSX-R wunderbar leicht kontrollierbar.

Sportlicher Look, Meister des Alltags

Das liegt auch an ihrer harmonischen Leistungsentfaltung, die über das gesamte Drehzahlband verlässlich bleibt, und den guten Laufmanieren – eine Ausgleichswelle killt unangenehme Vibrationen bis in höchste Drehzahlen. Und das ist auch vonnöten, wie sich auf der kleinen Rennstrecke im Infield des großen Silverstone Circuit zeigt: Wer flott aus den Ecken kommen möchte, sollte das kurzhubige Triebwerk stets zwischen 8.000 und 11.000 Touren halten. Ansonsten ist gleich starke Konkurrenz nicht so schnell einzuholen, denn trotz der supersportlichen Aufmachung dominieren bei der Suzuki Alltagstugenden.

So verzögert die Einscheibenbremse im Vorderrad doch extrem zurückhaltend, was für Anfänger vielleicht gar nicht so verkehrt sein mag. Nur wer sehr stark am Bremshebel zieht, bekommt eine kräftige Verzögerung. Dabei würde die Absicherung durch das relativ spät eingreifende Bosch-ABS ein vehementeres Eingreifen durchaus ermöglichen. Zudem reagiert das einfache Fahrwerk in moderater Schräglage nicht allzu souverän auf Wellen und Absätze.

Einfach gehalten, modern ausgestattet

Die kostengünstige Fertigung in Indonesien macht sich auch bei manch wenig filigran verarbeitetem Detail wie der Klemmung der Lenkerhälften oder den sehr einfachen Bedienelementen bemerkbar. Nicht jedoch bei der erfreulich modernen Ausstattung: Die GSX-R verfügt über ein schlüsselloses Transpondersystem, bei dem das Zünd-Lenkschloss über einen Drehknopf bedient wird. Dieser lässt sich herausnehmen und zeigt dann einen herkömmlichen Schlüsselbart, mit dem der Tank und das Soziussitzfach geöffnet werden können. Auch das Voll-LCD-Instrument zeigt eine tolle Funktionalität mit einstellbarem Schaltblitz, Ganganzeige und Durchschnittsverbrauch, nur die Balkenanzeige der Drehzahl ist etwas klein geraten.

Suzuki schließt mit der Mini-Gixxer endlich eine Lücke, denn 125er hatten die Japaner aktuell nicht im Programm. Die angepeilte jugendliche Klientel bekommt mit der GSX-R 125 für 4.690 Euro ein erfrischend agiles Einstiegsfahrzeug mit ordentlichen Rundumtugenden – vom rassigem Anblick darf man sich nicht blenden lassen.

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