Gesetzeshüter machen Jagd auf wilde Tuner

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Bildergalerie: 1 Bild
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Business Media)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 18/2017/II), Folge 501: Wer nach der Jubiläumsedition vom Dienstag meint, dass ich mit der Performance meiner Motorradmemoiren...

...mangels Themen jetzt einen Gang zurückschalten muss – den belehre ich eines Besseren. So lange mein Netzwerk Tag für Tag so wächst und gedeiht, floriert auch mein Newsstream. So erhielt ich jüngst einen Anruf eines bekannten Mehrmarkenhändlers. Jener echauffierte sich über das Kraftfahrt-Bundesamt, das ein Bußgeldverfahren gegen ihn angestrengt habe – wegen angeblich gewerbsmäßigen Feilbietens von nicht genehmigten Fahrzeugteilen! In diesem Fall wurden über einen Ebay-Shop diverse Auspuffanlagen für Harley-Davidson-Motorräder zum Verkauf angeboten. Die Offerten waren mit dem Hinweis versehen, dass die Bauteile nicht über das erforderliche Prüfzeichen verfügen, um somit die Zulassung zum Straßenverkehr fehle. Das KBA sieht darin einen Verstoß gegen § 37 Abs. 2 EG-FGCV, § 23 Abs. 2 StVG – und damit eine Ordnungswidrigkeit (das Schreiben liegt der Redaktion von »bike und business« vor). Die KBA-Sachbearbeiterin jedenfalls führte schweres Geschütz auf und begründete ihr Vorgehen auf sechs juristisch voll bepackten DIN-A4-Seiten.

KBA gibt sich juristisch knallhart

„Dieses Vorgehen des KBA ist nach unserer Kenntnis bisher einmalig“, sagt ein Sprecher der professionellen Tunerszene. „Ob es erfolgreich sein kann, wird sehr spannend werden.“ Denn das Anbieten solcher Produkte war und ist bislang gängige Praxis von Händlern, Filialisten, Zubehörlieferanten und Internetshop-Betreibern. Schließlich werden solche Produkte auch für den Rennstreckeneinsatz oder im Oldtimer- oder Showbike-Sektor benötigt – und seit vielen Jahren ohne Beanstandung angeboten und vermarktet. IVM-Technikexperte Christoph Gatzweiler zeigte bei der Prüfung der Unterlagen ob der feilgebotenen Auspufftöpfe allerdings Verständnis für die KBA-Argumente. Bei den beanstandeten Anlagen handelt es sich seiner Ansicht nach um ältere Modelle teilweise zurückgehend bis ins Baujahr 2001, die er hinsichtlich der Geräuschemission kritisch beurteile. Zudem greife das Argument, dass diese Tüten, verbaut an Harley-Bikes, wohl kaum je für den Einsatzzweck „Rennstrecke“ in Frage kämen.

Jedoch sehen viele andere Experten in der neuen, strengeren KBA-Politik eine politische Kampagne. Wegen des Kontrollversagens beim Dieselgate stehe das Bundesamt derzeit unter Druck und müsse Ergebnisse abliefern. Hinzu kommt, das Politik und Regierung in Zeiten von Wahlkämpfen der Öffentlichkeit ihre Ordnungsliebe und Regulierungswut taktisch unter Beweis stellen - das lehrt zumindest die Erfahrung in der Vergangenheit.

Mich würde jetzt interessieren, ob andere Branchenplayer auch schon Post aus Flensburg erhalten haben und welche Erfahrungen sie mit dem Thema gemacht haben. Schreiben Sie mir bitte von Ihren Erfahrungen und was Sie von einem im Raum stehenden Verkaufsverbot für Fahrzeugteile ohne amtliches Prüfzeichen halten würden. Passend dazu gibt's die neue Online-Umfrage. Machen Sie mit und stimmen ab!

UMFRAGE
Motorradfahrer in Bedrängnis
Foto: Vogel Business Media

Fair geht vor: Alles paletti im deutschen Straßenverkehr!

2 %

Auto- und Motorradfahrer gehen im Großen und Ganzen harmonisch miteinander um

17 %

Nein, immer mehr aggressive Autofahrer bedrängen mich als Biker und schränken mich in meiner Fahrweise ein

12 %

Ich bin der Meinung, dass der motorisierte Zweiradfahrer auf Deutschlands Straßen zunehmend diskriminiert wird

40 %

Ich spüre den wachsenden Zweiradhass in Staat und Gesellschaft und habe bereits eigene negative Erfahrungen machen müssen

3 %

Die Motorradfahrer sind durch ihr rücksichtsloses Verhalten selbst schuld an der negativen Einstellung der anderen Verkehrsteilnehmer

26 %

Spamschutz:

Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein:

Kampf dem Motorradlärm

Unabhängig vom vorliegenden KBA-Abmahnungsfall steht derzeit das Tehma Motorradlärm besonders im Fokus. Die Deutsche Gesellschaft für Akustik veranstaltete am 26. April 2017 zum 20. Mal den Tag gegen Lärm. In Niedersachsen, NRW und Baden-Württemberg veranstaltete die Polizei jüngst großangelegte Motorradrazzien gegen illegale Tuningmaßnahmen. Wir empfehlen den folgenden Razzia-Film, für einige Zeit erhältlich in der Mediathek des MDR.

Am vergangenen Sonntag warnte mich ein Busfahrer in Möckmühl (bei Heilbronn), den ich in zufällig nach dem Weg fragte, dass die Polizei im benachbarten Jagsttal-Bikerrevier bei Kloster Schöntal mit einer Abordnung von 20 Beamten jeden einzelnen Motorradfahrer von der Piste herunter winke, um dessen Maschine einer ausgiebigen „Leibesvisitation“ zu unterziehen. Dabei ging es nicht nur darum, illegalen Tüten auf die Spur zu kommen, sondern auch um diverse Kupplungs- und Bremshebel, Veränderungen an der Lichtanlage, Lenkerumbauten, Leitungen oder Kennzeichenhalter ohne amtlichen Genehmigungsstempel und und und. Ich nahm den Tipp dankend an und wich aufs Neckartal aus.

Dezibel-Killer im Schwarzwald

Im Schwarzwald und andernorts im Südwesten läuft seit ein paar Jahren schon ein Pilotprojekt gegen Motorradlärm. Zählstellen in den Leitpfosten erfassen per Radarsensor Anzahl, Länge und Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Fahrzeuge. Das Mikrofon kann zusätzlich die Motoren- und Abrollgeräusche ermitteln. Das perfekte Monitoring gegen unerlaubtes Überschreiten der gesetzlichen Dezibel-Grenzen. Zusätzlich erziehen Motorradlärm-Displayanzeigen auf ausgewählten Motorradstrecken zu moderater Fahrweise. Erkennt das solarstrombetriebene Leitpfostenzählgerät ein Motorrad, das mit überhöhter Lautstärke auf das Dialog-Display zufährt, erscheint die Aufforderung „Leiser!“ Folgt der Biker der Empfehlung folgt ein freundliches „Danke“. Schöne neue Verkehrswelt. Da wird's Zeit, dass das autonome Fahren kommt. Nie mehr Regelverstöße auf der Piste!

Fazit: Es muss allen Bikern und der gesamten Motorradbranche klar sein, dass sich die Jagd der Gesetzeshüter auf illegale und nicht EU-konforme Motorradteile in Zukunft verschärfen wird, zumindest wenn sie dem Regime der öffentlichen Straßenverkehrsordnung unterliegen. Wir werden alle für die schwarzen Schafe, die absichtlich gerne die Bike-Schallmauer durchbrechen, büßen müssen, gleich ob sie einen legalen oder illegalen Auspuff verbaut haben. Ein wenig Rücksichtnahme auf die gesellschaftliche Inakzeptanz täte uns allen gut...

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44668069 / Speedlog)