Hallo aus Genf: Live von der Autofront

Neuheiten werden durch Ausstattung aufgewertet

| Autor / Redakteur: sp-x/dpa / Andreas Grimm

(Bild: Wehner / »kfz-betrieb«)

Nochmal ein Bericht unter dem Motto „Lernen von den Kollegen Auto“: Nach der E-Auto-Euphorie auf der Pariser Autoschau regiert in Genf der konventionelle Auto-Chic. Viele SUV-Modelle stehen zwischen Luxusfahrzeugen und hochwertig aufgerüsteten Alltagsautos.

Den Blick auf die Genfer Neuheiten dominieren viele SUVs, dazu nutzen die Vertreter der Luxusauto-Hersteller einmal mehr die Welt am Genfer See. Komplettiert wird das „Höher, Größer, Teurer“ durch Alltagsfahrzeuge mit Oberklasse-Ausstattung. Letztlich konzentriert sich die Branche auf ihr Kerngeschäft im gesättigten Pkw-Markt Europa: Autos für Leute, die eigentlich schon ein Auto haben. Zum Neukauf verführen sollen modischer SUV-Stil, neue Karosserievarianten und eine allgemein schickere Anmutung. Echte Innovationen, die auch neue Kundengruppen locken könnten, fehlen auf der wichtigsten Frühjahrsmesse des Kontinents jedoch.

Feierten die Autohersteller ein halbes Jahr zuvor auf der Herbstmesse in Paris noch die Elektroauto-Revolution, gibt es diesmal zwar eine Reihe von Studien und Prototypen zu diesem Thema, serienreife Modelle für einen breiten Markt fehlen allerdings. Die vor einigen Monaten an der Seine vorgestellten Fahrzeuge kommen zum Großteil erst 2018 oder 2020. Bis dahin wird Geld mit dem altbekannten Geschäftsmodell verdient.

Für den Deckmantel der Ökologie sorgen allenfalls die Hybridfahrzeuge. Und die fahren tatsächlich immer weiter aus der Nische: Lag ihr Anteil an den Neuzulassungen 2015 in Deutschland nur bei 0,9 Prozent, so sind es inzwischen immerhin schon 1,9 Prozent. Für Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen sind die Hybride in Genf ein wichtiges Thema – und derzeit die Gewinner des Dieselskandals.

„Ohne Dieselgate würde der Hybrid vor sich hin schlummern“, sagte Dudenhöffer im Gespräch mit der „DPA“. Die Logik dahinter: Die Nachfrage nach Dieselautos werde sinken – und so dürften auch Autobauer verstärkt Hybride als Alternativen anbieten. Auch Autoexperte Peter Fuß von der Beratung EY ist überzeugt, dass die Dieseldiskussion den Hybridverkauf sicherlich ankurbeln wird.

So richtig mag sich der ausgerufene Trend in Genf allerdings nicht niederschlagen. Klar, Lexus zeigt wieder Neues, aber die Toyota-Tochter hat den Hybrid sowie zur Leittechnik erklärt. Alfa Romeo verzichtet dagegen vollständig auf diese Technologie. Chef Reid Bigland verweist darauf, dass in Europa nur ein bis zwei Prozent des Marktes auf Hybride und Stromer entfallen. „Derzeit fokussieren wir uns auf die verbliebenen 98 Prozent des Marktes.“ Man brauche eine etwas höhere Nachfrage, um in die Technologie einzusteigen.

SUV-Neuheiten noch in der letzten Nische

Bleiben auf der Suche nach Neuheiten also doch in erster Linie die SUVs, mit denen nun auch die letzten Hersteller ihre Portfolios auffüllen. Wobei die Hersteller gerade in diesem Fahrzeugsegment gerne auch Hybridaggregate anbieten. So präsentiert Alfa Romeo mit dem Stelvio erstmals einen hochbeinigen Allradantrieb und einen bis zu 375 kW/510 PS starken Motor. VW hingegen baut beim Kompaktmodell Tiguan an und lanciert die vor allem für den US-Markt entwickelte Langversion Allspace in Europa. Jeep bringt im Gegenzug mit dem Compass endlich ein klassisches Kompakt-SUV nach europäischem Geschmack auf den Markt.

Eine Klasse höher überträgt Volvo das Erfolgsrezept des XC90 auf das Mittelklasse-SUV XC60, das mit hohem Sicherheitsniveau und edlem skandinavischen Design aufwartet. Und Land Rover schließt mit dem Range Rover Velar die kleine, bisher kaum aufgefallene Lücke zwischen dem luxuriösen Sport und dem Boulevard-Geländewagen Evoque. All diese Modelle versprechen gutes Geld: In Europa ist das SUV eines der letzten Wachstumsversprechen. Bis 2020 werden laut einer IHS-Prognose 27 Prozent aller Neuzulassungen in dieses Segment fallen. 2005 waren es gerade einmal 5 Prozent.

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