Mr. Hayabusa: Temporausch im Schwimmanzug

Mit dem „naked bike“ LKM Suzuki B-King den Rekord geknackt

| Redakteur: Lena Hofbauer

Mr. Hayabusa, alias Elmar Geulen, mit dem „naked bike“ LKM Suzuki B-King.
Mr. Hayabusa, alias Elmar Geulen, mit dem „naked bike“ LKM Suzuki B-King. (Foto: Elmar Geulen)

Trotz seines dreifachen Genickbruches im Jahr 2013 konnte Mr. Hayabusa nun am vergangenen Wochenende seinen eigenen Geschwindigkeitsweltrekord von 283,4 km/h auf eine neue Bestmarke von 295,5 km/h hochschrauben.

Mr. Hayabusa alias Elmar Geulen ist bekannt durch seine Anwesenheit auf den gefährlichsten Straßenrennstrecken der Welt. Der Wißkirchener Motorradfahrer, der schon einige spektakuläre Stunts und „halsbrecherische“ Rekordfahrten mit dem Bike absolviert hat, erzählt nun vom neuesten Rekord, den er auf der Autobahn A31 Richtung Emden vollbrachte. Im Bereich straßenzugelassene Motorräder ohne Verkleidung knackte er seinen eigenen Geschwindigkeitsweltrekord. Wir blicken zurück und werfen einen Blick in sein Rekord-Tagebuch.

Samstag, der 5.September

„Mittags habe ich aus aerodynamischen Gründen mit Gummianzug und 15 Kilogramm weniger Körpergewicht als vor zwei Jahren einem nochmals vom LKM-Tuning Center abgestimmten B-King-Hayabusa-Motor und mit zwei unabhängig voneinander wirkenden Messsystemen von Memotec die A1 bei Euskirchen zu letzten Testfahrten genutzt. Natürlich war der Verkehr selbst samstags um die Mittagszeit nicht ideal für einen neuen Speedweltrekord. Bei 279 km/h war dann auch berghoch Richtung Nettersheim Schluss. Das Team war aber angesichts der oben genannten Vorbedingungen mit dem Ergebnis recht zufrieden. Jetzt wurde die Suzuki LKM-B-King in den Anhänger geschoben und der Wochenendtrip zur A31 konnte beginnen.

Wir waren stabsfeldmäßig ausgerüstet. Mein Neoplan Skyliner Nightliner mit 5kw-Diesel-Generator sorgte für ein Rolling-Home mit Stromversorgung auf dem A31-Parkplatz Kalter Bach. Der war nun unsere Basislocation für den anstehenden Speed-Weltrekordversuch. Um 19 Uhr streifte ich mir einen Schwimmanzug über, die B-King wurde proppevoll getankt und der S20 Evo von Bridgestone waren bei noch abtrocknender Straße die beste Reifenoption. So konnte es losgehen, die Jagd auf einen neuen Speedweltrekord.

Im Gegensatz zu dem letzten Speedweltrekord für straßenzugelassene Motorräder ging ich jetzt einen anderen Weg. Weg von der Landebahn mit allen fünf Metern Dehnungstreifen mit Bitumenfüllung, die selbst einem Öhlins-Fahrwerk wirklich alles abverlangte. Hin zur BAB, der bundesdeutschen Autobahn. Die A31 ist auf Grund Ihrer Streckenführung und vergleichsweise wenig Verkehr im Prinzip gerade dazu prädestiniert, einen Highspeedtest durchzuführen. Es gibt dort keine Geschwindigkeitsbeschränkung. Also „full gas“, aber immer mit dem Bewusstsein, keinen anderen zu gefährden, denn es herrscht die STVO.

Auch bei der Messung des Weltrekordversuches ging ich einen neuen Weg. Dabei ließ ich mich von Ulli Mesch von der Firma Memotec beraten. Doppelt gemoppelte Messtechnik hält besser. Ich sollte ihm dann nach dem Weltrekordversuch die zwei AIM-Solos direkt zusenden und dann werden die zwei Geräte ausgelesen und der Maximumspeed dann auch dokumentenhaft schriftlich bestätigt.

Jetzt war ich auf der A31 und machte mit meinem aqua-shere-wetsuit-Modell „Racer“ (der Name passte ja perfekt) von Aqua Lung eine möglichst windschlüpfrige Figur. Ich möchte nicht wissen, was sich Autofahrer dachten, als ich als Rubber Duck diese recht zügig überholte. Ich kam auf wiederum 279 km/h, dann war die LKM-B-King bei einer Sekundärübersetzung von 18:45 im Drehzahlbegrenzer.

Doch so schnell wie der Speed hoch ging, so schnell war auch der Tank leer. Ich bekam ein Riesenproblem auf dem Weg zurück zu meiner Motorhome-Basis. In meiner Not um Sprit zu sparen, hängte ich mich in den Windschatten eines Pferdetransportanhängers und fuhr 40 Kilometer in dessen Windschatten. Total durchfroren und bei einbrechender Dunkelheit erreichte ich meine Basisstation. Mein Genick schmerzte extrem. Ich musste für die Nacht schmerzstillende Tabletten einwerfen, denn am nächsten Morgen in der Früh um acht Uhr stand der finale Weltrekordversuch an: mit einem möglichst „kleingefaltetem Elmar“.

Mein Hauptproblem seit meinem dreifachen Genickbruck 2013 ist die Tatsache, dass ich, wenn ich mich auf dem Bike kleinmache, den Kopf nicht mehr so wie früher in den Nacken legen kann. Resultat: ich sehe nicht mehr viel von der Straße, primär blicke ich in Richtung Tank. Aber auch für diese Dilemma gab es Support von Spezialisten: Ich bekam einen speziellen Shark-Helm mit einem nach oben hin erweiterten Sichtfeld. Jetzt war auch die Straße wieder halbwegs in Sicht. Meine beiden Freunde und Mechanikermeister Lars und Daniel rechneten dann kurz und die finale Übersetzung wurde abends noch auf 18:42 verlängert.“

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