Kymco X-Town 300i: Preiswertes Mobil-Sofa

Erfahrungsbericht nach 1.000 Testkilometern

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Stephan Maderner

Kymco X-Town 300i – ein Erfahrungsbericht nach 1.000 Testkilometern.
Kymco X-Town 300i – ein Erfahrungsbericht nach 1.000 Testkilometern. (Bild: Kymco)

Der Kymco X-Town 300i bietet zum bescheidenen Preis alles, was ein Maxi-Scooter haben muss.

Kymcos Mittelklasseroller genießen einen guten Ruf: Sie sind technologisch auf der Höhe, bieten guten Fahr- und Triebwerkskomfort, sind ausreichend sparsam und seit einiger Zeit auch chic geformt. Aber sowohl der New Downtown 350i wie der Xciting 400i sind mit Preisen von 5.300 beziehungsweise 6.000 Euro alles, nur nicht fernöstlich billig. So hat sich die taiwanesische Firma entschlossen, einen preisgünstigeren Scooter des Typus Maxi-Roller ins deutsche Programm zu nehmen: Der X-Town 300i stapelt zwar, wie alle Kymcos, ein wenig hoch mit seiner Modellbezeichnung – der exakte Hubraum beträgt 276 Kubikzentimeter –, doch das ist die einzige Übertreibung, derer er sich schuldig macht. Für 4.300 Euro bietet er keine High-Tech-Finessen, sondern gute Hausmannskost, die aber ist ansprechend verpackt.

Guter Sitzkomfort

Schon das Gewicht von 200 Kilogramm verrät, dass Leichtbau nicht im Vordergrund der Entwicklung stand: So wiegt der fünf PS stärkere New Downtown immerhin acht Kilogramm weniger, der deutlich größere und besser ausgestattete Xciting 400i lediglich neun Kilogramm mehr. Sein Platzangebot entspricht ungefähr dem der Halbgeschwister, der Sitzkomfort selbst ist gut, die Erreichbarkeit des Bodens sollte auch Fahrern unter 1,70 Meter Größe gut möglich sein.

Rollertypisch einfache Bedienung

Die Bedienung des X-Town ist rollertypisch einfach: Anlassen, Gas geben, losfahren. Pfiffige, bei Kymco übliche Details machen die Handhabung zugleich sicher wie logisch: So lässt sich das Zündschloss auf Tastendruck gegen Vandalen sichern (und ebenso leicht entsichern), der Tankverschluss „klebt“ am Schlüssel, und wie alle anderen Kymcos hüpft auch der X-Town fast von alleine auf den gut zugänglichen Hauptständer.

Angenehm vibrationsarmer Motor

Der Zweiventil-Einzylindermotor läuft angenehm vibrationsarm, erst bei Höchstdrehzahl – bei Tacho 130 liegen fast 8.000 Touren an – wirkt er etwas rau. Weil die gebotenen 24,5 PS nicht gerade die Welt sind, neigen zügige Fahrer zu kräftigem Gasgeben, was Auswirkungen auf den Treibstoffverbrauch hat: Die im EU-4-Messzyklus ermittelten vier Liter auf 100 Kilometer können dann auf gut 5 Liter steigen. Wer aber beispielsweise Tempo 100 auf Landstraßen respektiert und sich mit dem dafür nötigen Dreiviertelgas begnügt, kann mit 3,5 l/100 km auskommen und ist trotzdem nicht langsam. Dann reicht der 13-Liter-Tank für mehr als 300 Kilometer ohne Tankstopp.

Fahwerk für entspanntes Fahren

Das Fahrwerk des X-Town macht zügiges, entspanntes Fahren gut möglich; die Grundabstimmung ist straff genug, um Stabilität bei jedem Tempo zu garantieren. Den Preis dafür zahlt man auf sehr unebenem Untergrund wie beispielsweise Kopfsteinpflaster: Die nur mäßig gefilterten Stöße finden trotz des guten Sitzpolsters den Weg zu den Bandscheiben. Die fünffache Verstellmöglichkeit der Federvorspannung der beiden hinteren Federbeine hilft beim Zweipersonenbetrieb. Die Agilität des Kymco entspricht seinem Bauvolumen: Extrem wendig ist er wegen seiner Länge nicht, doch lenkt er willig in Kurven ein und lässt sich deshalb auch auf gewundenen Bergstrecken zügig bewegen; hilfreich dabei ist auch die mit 37 Grad hohe Schräglagenfreiheit. Die Bremsanlage mit je einer Scheibe vorne und hinten kann dank nicht zu hoher Handkräfte, einstellbarer Handhebel und ordentlicher Verzögerungswerte insgesamt überzeugen.

Stauraum für Jet- und Integralhelm

Eines der wesentlichsten Kriterien für Rollerfahrer ist der fahrzeugtypische Stauraum unter dem Sitz. Im Falle des X-Town ist er ausreichend groß, so dass neben einem Integralhelm bei Bedarf auch noch ein Jethelm Platz in dem beleuchteten Abteil findet. Die Entriegelung des Sitzbankschlosses erfolgt, wie üblich, am Zünd-/Lenkschloss. Auch beim zweiten besonders wichtigen Aspekt, dem Wind- und Wetterschutz, kann der X-Town punkten: Das Windschild ist ausreichend groß, ohne deshalb gröbere Turbulenzen am Fahrerhelm auszulösen. Auch die Schutzfunktion der Beinverkleidung genügt den klassenüblichen Ansprüchen. In der Frontverkleidung finden sich – auch dies ist Klassenstandard – zwei Ablagefächer; in einem wohnt eine USD-Steckdose zur Ladung des Handys oder Versorgung eines Navigationsgeräts.

Üppige Instrumentierung

In Relation zur Preisklasse eher üppig ausgefallen ist die Instrumentierung des Kymco X-Town: Zwischen Drehzahlmesser und Tachometer, beide dank ihrer runder Skalen und analoger Anzeigen gut ablesbar, befindet sich ein kleines LC-Display, in dem Uhrzeit und Umgebungstemperatur sowie der Kilometerstand bzw. die Tageskilometer und die Bordspannung zu sehen sind. Zudem werden Motortemperatur und Benzinvorrat mittels Balkendiagrammen angezeigt. Sollte man das Fahren mit Navi bevorzugen, muss das Gerät am Lenker fixiert werden, wo es freilich nicht im Blickfeld liegt.

Verkaufsimpuls für Kymcos deutschen Markt

Als recht schick empfunden haben wir die mattblaue Lackierung des Testrollers; auch die Heckansicht – die große Rückleuchte wird von in X-Form angeordneten Leuchtdioden dominiert – gefällt. So bleibt nach mehr als 1.000 Testkilometern unterm Strich nicht viel Grund zur Unzufriedenheit: Einzig ein schlechte Straßenabschnitte geschmeidiger bewältigendes Fahrwerk steht auf der Wunschliste. Das ist angesichts des im Verhältnis zum Wettbewerb recht günstigen Preises von 4.300 Euro nicht besonders viel. Man darf also gespannt sein, ob Kymco auf dem deutschen Markt heuer seine 2016 erlittene Delle wieder wettmachen kann. Der alles in allem gut gelungene X-Town könnte dazu einen ordentlichen Beitrag leisten.

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44674457 / Bikes)

Aus unserer Mediathek