New Hein Gericke vor dem Aus?

Investmentbank konnte besicherte Anleihe nicht platzieren

17.12.13 | Autor: Stephan Maderner

Hein Gericke steckt wieder in der Klemme.
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Hein Gericke steckt wieder in der Klemme. (Foto: Hein Gericke)

Die Hein Gericke Deutschland GmbH stellte am 16. Dezember 2013 beim Amtsgericht Düsseldorf den Antrag auf Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens.

Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass wir an dieser Stelle meldeten: „Schweizer Geld rettet New Hein Gericke“. Jetzt erreicht uns folgende Meldung: Die Hein Gericke Group GmbH, Holding-Gesellschaft des Motorradbekleidungsanbieters, eine von sieben Gesellschaften der Gruppe, erklärt, dass die Hein Gericke Deutschland GmbH, Düsseldorf, am 16. Dezember beim Amtsgericht Düsseldorf den Antrag auf Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens gestellt hat (Aktenzeichen 500 IN 247/13). Das Amtsgericht Düsseldorf hat Rechtsanwalt Georg Kreplin, Adlerstraße 74, 40211 Düsseldorf zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Hein Gericke Deutschland GmbH bestellt. CEO Dr. Christian Korte ist am 25. November aus der Geschäftsleitung der Hein Gericke Group GmbH ausgeschieden.

Von dem Vorgang betroffen seien zunächst bis zu 130 Mitarbeiter. Für die Gesellschaft bestehe aus heutiger Sicht das realistische Ziel einer Fortführung. Hierzu sollen weitere Investoren an Hein Gericke beteiligt werden. Mit entsprechenden Interessenten würden unvermindert Gespräche geführt. Soweit die Pressemeldung.

Rückblende: Der Bekleidungsfilialist war im Sommer 2012 in schweres Fahrwasser geraten und musste am 31. Juli ein Schutzschirmverfahren eröffnen, das in einen Sanierungsplan zur Restrukturierung beim Amtsgericht Düsseldorf mündete. Weil Lieferanten auf ihre Forderungen verzichteten, bekam der angeschlagene Filialist die Chance für einen Neuanfang. Ein institutioneller Investor aus der Schweiz, die General Equity Group, trat auf den Plan und stieg bei Hein Gericke ein. Das Management-Team um Ralf Baches, Christoph Hansen und Achim Wirths blieb am Unternehmen beteiligt und arbeitete fortan zusammen mit den Mitarbeitern und Experten des Investors an der Zukunft der Firma: Das Restrukturierungs- und Expansionsprogramm lief unter der Bezeichnung „New Hein Gericke“. Ende Oktober 2013 wurde eine Unternehmensanleihe mit einem Volumen bis zu 16 Millionen Euro aufgelegt. Für eine Laufzeit von fünf Jahren bot das Unternehmen einen Zins von 8,25 Prozent. Nachdem die Hein Gericke Group für 2012 einen Umsatz von 51,75 Millionen bilanzierte, halbierte sich der Umsatz in der ersten Hälfte des Jahres 2013 von 33 auf 16,3 Millionen Euro.

Laut aktueller Pressemitteilung habe die Geschäftsführung der Hein Gericke Deutschland gehandelt, weil ein angelsächsischer Fondsinvestor den Restbetrag von rund 1,2 Millionen Euro eines Kredits ohne wirtschaftliche Notwendigkeit und trotz vereinbarungsgemäßer Rückzahlung gekündigt und sofort fällig gestellt habe. Die Unternehmensgruppe sei frei von Bankverbindlichkeiten und verfügt über einen positiven, siebenstelligen Zahlungsmittelbestand. Die konsolidierte Bilanz weise aktuell eine Eigenkapitalquote von etwa 45 Prozent auf. Die überwiegende Eigenkapitalfinanzierung reiche jedoch allein nicht aus, um genügend Liquidität für das operative Geschäft des Markenherstellers bereitzustellen. Im zweiten Halbjahr konnte ein ehrgeiziges Effizienzsteigerungs-Programm unter der neuen Führungsspitze umgesetzt werden, das eine Ergebnisverbesserung um jährlich 2,5 Millionen Euro und damit die nachhaltige Profitabilität der Unternehmensgruppe bewirkt habe. Als für die aktuelle Entwicklung schwerwiegend habe sich das Wirken einer Investmentbank herausgestellt. Eine komfortabel besicherte Unternehmensanleihe konnte nicht rechtzeitig platziert werden. Gegen die betroffenen Frankfurter Investment-Banker werde derzeit die durchsetzbare Höhe der Schadenersatzansprüche geprüft.

Hein Gericke vertreibt seine Produkte über insgesamt 78 eigene Geschäfte in acht europäischen Ländern. Mit seinen Online-Shops beliefert Hein Gericke Kunden aus 39 Ländern auf vier Kontinenten.

Die Branche stellt sich nun die Frage, wie es mit Hein Gericke weitergeht und ob ein neuer Investor gefunden werden kann, der frische Mittel ins Unternehmen pumpt. Wer schreibt nach Eurobike, Fairchild und General Equity Group das nächste Kapitel in der Story des 1970 gegründeten Unternehmens Hein Gericke?


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