Mehr Kohle und Wertschätzung braucht der Zweiradmechaniker

Wie profitabel können/dürfen Lehrlinge sein?

| Autor: Stephan Maderner

(Bild: ©evan_ers/Fotolia.com [M] – Haselmann)

Zwei Speedlogs lösten in der Community heftige Diskussionen aus: Im Fokus der Leserdebatten standen die Aussage eines Job-Centers, wonach das Zweiradhandwerk keine Zukunft mehr habe und warum Azubis bei Aldi Süd mehr verdienen als Zweiradmechatroniker-Lehrlinge.

Agentur für Arbeit: Zweiradhandwerk ohne goldenen Boden?

Agentur für Arbeit: Zweiradhandwerk ohne goldenen Boden?

28.03.17 - Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 13/2017/I), Folge 491: Als ich diesen Leserkommentar auf den Schreibtisch bekam, hat es mich fast aus meinem Redakteurssessel gehauen. Harry sandte uns am 21. März... lesen

Handwerk hat goldenen Boden

Franz Schmitt: „Das ist falsch. Das Zweiradhandwerk hat noch lange einen goldenen Boden.“

Ohne Passion kaum Substanz

Heiner Gangfuss: „Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich würde meinen Kindern nicht raten, diesen Beruf zu ergreifen. Wenn man die Passion weglässt, bleibt erstaunlich wenig Substanz. Ich weiß offen gestanden nicht, wie z.B. ein Altgeselle mit branchenüblicher Bezahlung Frau und Kind ernähren will. Wenn der Fachkräftemangel so groß ist, dass der Servicebedarf nicht mehr befriedigt werden kann (und das ist absehbar) wird sich das vielleicht ändern. Aber zurzeit muss die Branche sich bis auf wenige Imageträger damit abfinden, dass ihre Serviceleistungen deutlich unterbewertet sind.“

Wo soll der Vertragshändler relevant Geld verdienen?

Otto Pfeiffer: „Ich kann ebenso manche Banken gut verstehen und frage mich auch bei manchen (nicht allen!!) Händlerkollegen, speziell denen die als Vertragshändler fungieren, wo sie da relevant Geld verdienen? Die Importeure/Hersteller verlangen Glaspaläste, die ja im Endeffekt der Händler bzw. dessen Kunden bezahlen sollen. Das ergibt enorm steigende Preise, für Ersatzteile und Arbeit und vergrault bis auf einige wenige die Kunden. Diese Politik wird immer stärker gefahren, als freier Händler profitiere ich davon, denn diese vergraulten Kunden landen unter anderem hier. Nun frage ich mich nur, wer denn da nachhaltig denkt, denn dem Importeur/Hersteller gehen die Händler entweder insolvent, oder aber sie sind clever genug und kündigen vorher. Meist aber sind diese Händler bereits dermaßen im Kreditknebel, daß dieser Befreiungsschlag gar nicht mehr möglich ist. Als Endeffekt muß der Kunde immer neue Ansprechpartner aufsuchen, von denen dann womöglich einige nach ein paar Jahren auch wieder verschwunden sind. Früher haben mich viele Kollegen belächelt, wenn ich aber heute sage, dass ich nicht einen Kredit zurückzahlen muss, wird es still und ich sehe bei manchen die Panik in den Augen beim Gedanken,was da so alles für Summen aufzubringen sind. Fragen wir uns also selber- ist es der Größenwahn, der unsere Branche zerstört?“

Bittere Branchenrealität

Hans Jürgen Weinrich: „Leider stimmt der Artikel von ,bike und business' mit der Realität der Branche überein. Für die Auszubildenden wird, verglichen mit den meisten anderen Branchen, zu wenig bezahlt! Das gleiche gilt für gut ausgebildete Zweiradmechatroniker (Zweiradmechaniker) in der Motorradbranche. Darüber hinaus steht je nach Bundesgebiet und witterungsbedingt auch die zeitweise Arbeitslosigkeit im ,Raum'. Das Problem könnte durch die früher genutzte Kurzarbeit gelöst werden. Der Motorradmarkt hat nach wie vor gute Chancen zu überleben, wenngleich auch die Stundenverrechnungssätze (je nach Betriebsgröße und Ortslage) betriebswirtschaftlich korrekt errechnet werden müssen. Bei zu geringen Stundenverrechnungssätzen können letztendlich sicher keine vernünftigen Löhne gezahlt werden“

Wo sind die Antworten auf die Krise?

N.N.: „Beschwert ist wohl genug. Wo sind die Lösungen?“

Energischer um die Zukunft des Berufsbilds kämpfen!

Stephan Maderner: „Endlich eine konstruktive Meinung! Meckern und schimpfen hilft uns nicht weiter, die Probleme müssen analysiert, der Stier bei den Hörnern gepackt und Gegenstrategien eingeleitet werden. Zum Beispiel mit der Initiative ,bike und business'-Benchmark-Club. Hier unterhalten wir uns seit vier Jahren in einer Art Händler-Erfahrungsaustausch (80 Betriebe machen mit) zusammen mit Martin Berning von der BBE über Maßnahmen, die Rentabilität von Werkstätten und Handelsbetrieben zu erhöhen, damit bessere Gehälter gezahlt werden können! Etwa in dem mehr der kostbaren Zeit der Werkstattmitarbeiter verkauft und verrechnet werden als bisher. Die Stundenverrechnungssätze müssen rauf. Den Kunden muss erklärt werden, dass der Service an Hightech-Motorrädern oder die technischen Herausforderungen bei der Reparatur von Oldtimerbikes einfach ihr Geld wert sind. Andere Gewerke wie Sanitär, Metall/Stahl oder Bau schaffen es doch auch, ihre Handwerksleistungen zu vergolden. Führen wir außerdem den in vielen Betrieben leider nicht vorhandenen Geschäftsführungs-Assistenten flächendeckend ein (auch in kleineren Firmen), damit sich der Chef um die wirklich wichtigen strategischen Dinge kümmern kann und nicht in der Hatz des operativen Geschäftes ausbrennt. Hersteller und Importeure sollten ihre Partner im Handel ab sofort mehr fördern statt immer nur zu fordern. Und die Handwerksspitzen müssen endlich beginnen, energischer um die Zukunft des Berufsbildes zu kämpfen und es nicht nur zu verwalten.“

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