Moderner Zweitakter hat Zukunft versus Auslaufmodell

Sauberer Außenbordmotor von Evinrude, Viertaktgeschlampe und andere (Un)-Wahrheiten über die Zweitakttechnologie

| Autor: Stephan Maderner

(Bild: ©evan_ers/Fotolia.com [M] – Haselmann)

Sämtliche Technikfreaks der Zweiradwelt sind auf den Plan getreten, als wir über die neuen Zweitakt-Enduros von KTM mit Kraftstoffeinspritzung berichteten. Der Zündfunke befasst sich mit der Frage ob diese Erfindung von KTM eine Motorenrevolution darstellt oder ein alter Hut ist.

Der Artikel KTM: Zweitakt-Enduros mit Kraftstoffeinspritzung hat folgende Leserbriefreaktionen ausgelöst.

Olle Kamelle

User „Gut getunt“ : „Wie kann man sich alle 30 bis 40 Jahre wieder mit so einem alten Hut schmücken?! Ob das ein Kurvenfahrlicht ist oder eine banale Zündkerzentechnik. So jede zweite Generation kann man die alten Kamellen Scheiß wieder ausgraben und dem blöden Bürger als Neuheit verkaufen. Ich sage schon lange, dass man an dem Zweitaktsystem weiter arbeiten sollte. Die Motoren sind leichter und holen aus weniger Hubraum und bei gleicher Drehzahl die selbe Leistung wie bei einem Viertakter. Vor dreißig Jahren hatte eine RG 500 knapp 95 PS, eine Rennmaschine der Moto GP um 1993 so um die 230 bis 250 PS aus 500 cm³. An der Literleistung kratzt ein heutiges Viertaktgeschlampe mit den losen Teilen im Ventildeckel noch nicht mal annähernd!“

Honda hat's schon ausprobiert

Hubert: „Hat Honda ja bei der Paris-Dakar probiert!“

Keine Neuerfindung, aber bahnbrechend

User „Wer lesen kann ist klar im Vorteil“ : „Mit keinem Wort bezeichnet sich KTM in der Pressemitteilung als ,Erfinder der Direkteinspritzung bei Zweitaktern'. Das und wie bahnbrechend die neuen KTM Zweitakt-Enduros mit Kraftstoffeinspritzung sind, muss und wird KTM in der Zukunft unter Beweis stellen.“

Moderner Zweitakter hat Zukunft

User „Scooter“: „Der sauberste Außenbordmotor der Welt ist – ein Zweitakter von Evinrude. Dies hat die amerikanische Umweltbehörde bereits vor Jahren festgestellt und mit einer Auszeichnung dokumentiert. Wie das? Ein Zweitakter hat aufgrund seiner inneren Abgasrückführung einen viel geringeren NOX-Ausstoß als Viertakter (und Diesel sowieso). Aus der Abgasuntersuchung im Rahmen des obligatorischen TÜVs ist bekannt, dass selbst Uralt-Zweitakter besser abschneiden als modernere Südost-Asien-Produkte mit Viertaktmotoren.

Das Problem des Zweitakters sind die Kohlenwasserstoffe. Wie das? Solange wir eine Kurbelkastenspülung verwenden und uns den Luxus leisten, mit komplett brennfähigem Luft-Kraftstoff-Gemisch zu spülen, haben wir mit den Spülungsverlusten automatisch unverbrannten Sprit im Auspuff. Dies versaut die Abgaswerte und treibt den Verbrauch in die Höhe,denn reichlich Leisung bedeutet gleichzeitig reichlich Spül- und damit Kraftstoffverluste.

Die Lösung? Wir spülen mit Luft und geben den Kraftstoff erst dann dazu, wenn der Auslasskanal verschlossen ist, wie es ansatzweise Stihl bei seinen Motorsägen mit Hilfe der Spülvorlage oder Evinrude bei den Außenbordern (bis 3,4 Litern Hubraum und 300 PS) mit Hilfe einer Direkteinspritzung schafft. Ganz nebenbei lässt bei einer Direkteinspritzung auch der Ölverbrauch um ca. 50 Prozent reduzieren, da in den Kurbelkasten kein Benzin mehr kommt, welches den Ölfilm zumindest teilweise wieder abwäscht oder verdünnt. Ein moderner Zweitakter hat eine Zukunft!“

Auslaufmodell „stinkiger Zweitakter“

Jochen Schneider: „Hallo Stephan, als ich vor langer, langer Zeit für Bike & Business Artikel schrieb, damals noch in der Hand des Gründers Karl-Joachim Kummer, war ich auf einer Italien-Reise u.a. bei Aprilia zu Besuch. Die hatten uns einen 50er-Roller mit Einspritzung als Prototyp zum Fahren übergeben. War nett und lustig. Ich weiß nicht, ob es zur Serienproduktion kam, aber von Revolution zu sprechen, wenn KTM diesen stinkigen Zweitakter mit allen Mitteln am Leben erhalten will, halte ich für sehr unkritisch. Weißt Du, wie lange es her ist, dass Honda dieser Dinosaurier-Technik Adieu gesagt hat? Im Zeitalter des aufkommenden Elektromobils sollte man den Zweitakter nun mal langsam wirklich einmotten, Viele Grüße, Joachim Schneider.“

Lobbyismus für Elektrofahrzeuge?

Werner: „Ich kann Ihre Ausführung (Anm. d. Red.: Joachim Schneider) in keinster Weise nachvollziehen – allerdings kann ich nachvollziehen, dass Sie nicht mehr als Motor-Journalist tätig sind! Ich erinnere an Ihr Zitat ,...die stinkigen Zweitakter...am Leben halten will...'

Reicht Ihr technisches Verständnis aus, um die Arbeitsprinzipien sowie konstruktiven Merkmale von Zwei- und Viertaktmotoren zu unterscheiden? Ganz offensichtlich nicht, denn sonst würden Sie keine derartigen Aussagen tätigen. Stichwort ,Spülverlust'. Und gerade Honda hatte einen äußerst interessanten Ansatz in seinen Zweitakt-AR- Modellen.

Die Tatsache, dass Sie ausgerechnet mit Elektrofahrzeugen argumentieren, macht mich ja beinahe sprachlos, recherchieren Sie doch bitte mal zur Akkuherstellung und Akkuentsorgung. Sich derart abweisend gegenüber sinnvollen technischen Innovationen zu zeigen ist doch schlichtweg Ignoranz – oder etwa Lobbyismus für die Elektrobranche?“

Diesel stinkt, Zweitakter duftet

Jens V.: „Lieber Herr Schneider: ein Diesel stinkt, ein Zweitakter duftet; nur um dies mal klar zu stellen! Wenn Sie sich einmal die Mühe machen würden und die Effektivität ihrer elektrisch betriebenen Sondermüllkarren auszurechnen, würden Sie schnell selber feststellen, dass die Energie von einem Kilogramm Kraftstoff in keinster Weise in einen Kilogramm Akku zu packen ist, heutiger Stand der Technik.Zudem sollten Sie sich auch noch mit der Herstellung bzw. dem Raubbau der Materialien zum Herstellen von Akkus beschäftigen und zu guter Letzt deren Entsorgung. Was Sie auch nicht außer acht lassen sollten: Kommt der Strom aus einem Öl- oder Kohlekraftwerk ist der Umwelt sicher nicht geholfen! So long und räääängdängdääng.“

Technologie von Evirude

User „Erasmo“: „Die Technologie von Evinrude kommt aus Deutschland. Ficht hat am Chiemsee aufbauend auf DDR-Forschungsarbeiten die FFI Technologie entwickelt und auch an einem Prototyp-Roller (Peugeot) probiert siehe hier.“

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