Motorrad-Oldtimer: „Ner-a-Car“

Das „Beinahe-Auto“

| Autor / Redakteur: Gregor Mausolf / Joram Schweizerhof

(Bild: Gregor Mausolf)

Lesestoff für Oldtimer-Fans: Die Geschichte von „Ner-a-Car“, einem fast ausgestorbenen Bike.

Vorkriegs-Oldtimer haben etwas Magisches. Wer ihnen einmal verfallen ist, kann sich nur schwer von dem Zauber lösen, den sie ausstrahlen. Es hat sich daher eine große Sammelleidenschaft entwickelt und viele restaurieren die alten Schätzchen selbst, denn die alte Technik ist im wahrsten Sinne des Wortes noch begreifbar und damit verständlich. Um die meisten Oldies ranken sich spannende Geschichten: Angefangen von immer seltener werdenden Scheunenfunden, über Unikate, bis hin zu Absonderlichkeiten, die sich aus dem Steuerrecht früherer Tage ergeben. Hier ist eine davon.

Ner-a-car?!

Wie in anderen Bereichen auch, gibt es bei historischen Motorrädern die unterschiedlichsten Arten von Markennamen. Meist wurden sie nach Firmengründern benannt, oft nach dem Ort oder der Region ihrer Herstellung, gerne wurden auch Buchstabenkombinationen als Abkürzungen genutzt. Um eine solche Buchstabenkombination handelt es sich bei dem Namen „Ner-a-car“ – ein sonderbarer Name für ein Motorrad. Es ist wohl ein Wortspiel um seinen Konstrukteur Carl A. Neracher. Carl Neracher und Alan Smith hatten ein gemeinsames Ziel. Sie wollten ein dem Automobil möglichst ähnliches Motorrad entwerfen, das alle Bedürfnisse eines Motorradfahrers, der gerne sauber und trocken bleibt, mit einer sehr guten Straßenlage vereinen sollte. Im Jahre 1921 war es so weit und „Ner-a-car“ kam auf den Markt. Mit etwas gutem Willen kann man den Namen aus dem Englischen auch mit „einem Auto ähnlich“ übersetzen. Entsprechend warb Neracher mit dem Slogan „Fahr wie Du (angezogen) bist“. In Anzeigen wurden gerne Frauen mit normalen weißen Kleidern auf dem Motorrad abgebildet.

Design und Technik

Design und Technik des typischen Motorrads der damaligen Zeit beschäftigte Neracher bereits seit 1917. Schnell wurde ihm klar, dass bei motorisierten Zweirädern einiges im Argen lag. Die Straßenlage der Maschinen war unausgereift und am Ende einer Tour war der Fahrer oft nass und schmutzig. Dadurch kamen Motorräder für Menschen, die beruflich auf ein Fahrzeug angewiesen waren (Ärzte oder Vikare zum Beispiel), sowie für Frauen nicht in Frage.

Die „Ner-a-car“ hat hingegen einen sehr niedrigen Schwerpunkt, einen tiefen Einstieg und eine komplett geschlossene Karosserie. Als erstes Motorrad überhaupt verfügt sie über eine Radnabenlenkung. Auffälligstes Merkmal aber war der riesige vordere Kotflügel, der den Fahrer vor dem Schmutz und Wasser, welchem der Fahrer eines bisherigen Motorrads hilflos ausgesetzt war. Zu diesem sehr revolutionären Design kam ein Reibantrieb, wodurch ein Getriebe überflüssig wurde. „Die zentrale Lenkung macht „Ner-a-car“ so ruhig auf der Straße, dass es möglich ist, dass der Fahrer die Arme verschränkt und das Fahrzeug ausschließlich über die Verlagerung des Schwerpunktes lenkt“, erklärt Mike Hele aus Waterlooville im Süden Englands, der ein solches Gefährt besitzt.

Inhalt des Artikels:

  • Seite 1: Motorrad-Oldtimer: „Ner-a-Car“
  • Seite 2: Geschichte

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