Rechtliche Besonderheiten bei Motorradnavis

Viele Wege führen zum Ziel

| Autor / Redakteur: Wolf-Henning Hammer / Stephan Maderner

Wenn ein Motorradnavi geklaut wird, ist manchmal guter Rat teuer.
Wenn ein Motorradnavi geklaut wird, ist manchmal guter Rat teuer. (Bild: TomTom)

In Zusammenarbeit mit der Kanzlei Voigt veröffentlichen wir regelmäßig aktuelle Urteile und andere branchenrelevante Verkehrsrechtsthemen. In dieser Folge geht es u.a. darum, was zu tun ist, wenn das Navigationsgerät am Motorrad Opfer von Langfingern wird – in welchen Fällen zahlt die Versicherung, in welchen nicht?

Der Vergleich der für den Branchenaward Industrie 2016 nominierten Navi-Hersteller in »bike und business« 03-04.2017 brachte es auf den Punkt: Auch im Motorradsegment sind die Navis inzwischen den Kinderschuhen entwachsen und die Unterschiede bestehen in erster Linie hinsichtlich Software und Bedienungsfreundlichkeit. In der Praxis lassen sich Fehlleitungen zwar auch heute noch nicht gänzlich ausschließen; die Folgen sind aber in der Regel weniger spektakulär als bei Lkws, die sich auf Waldwegen oder in Sackgassen festfahren.

Was ist, wenn das Navi gestohlen wird?

Ein Problem anderer Art stellt sich, wenn das Navi selbst auf Abwege gerät, d.h. gestohlen wird. Die Grundvoraussetzung für den Ersatz ist, neben dem Diebstahl als solchem, das Vorhandensein einer Teilkaskoversicherung. Wenn sich das Navi z.B. aus seiner Halterung löst und deshalb „eigene Wege geht“, dürfte es schwierig sein, Ersatz zu erlangen.

Aber auch wenn das Navi gestohlen wurde, entscheiden die Details. So kann es z.B. einen Unterschied machen, ob das Gerät zum Zeitpunkt des Diebstahls „frei zugänglich“, d.h. unbeaufsichtigt und ungesichert in einer nachgerüsteten Halterung steckte oder in einer Tasche bzw. einem verschlossenen Fach aufbewahrt wurde. Weitgehend problemlos gestaltet sich die Abwicklung hingegen, wenn das Navi fest eingebaut oder - wie z.B. der BMW Navigator– mit einer speziellen Nachrüstlösung in die Verkleidung integriert ist.

Die Versicherungsbedingungen sind entscheidend

Dafür ob, in welcher Höhe und wofür es Ersatz gibt, hängt allerdings maßgeblich von den Versicherungsbedingungen ab. Und hier bestehen erhebliche Leistungsunterschiede. Wo ein Versicherer den Zeitwert des Navis bis zu einem bestimmten Betrag übernimmt, erstattet ein anderer nicht nur den Neuwert in voller Höhe, sondern auch diebstahlbezogene Schäden, z.B. am Kabelbaum.

Es lohnt sich daher, nicht nur die Prämie, sondern auch die abgedeckten Risiken im Detail miteinander zu vergleichen. Motorisierte Zweiräder haben zwar eigene Wagniskennziffern. Ansonsten gelten für sie aber dieselben Versicherungsbedingungen wie für Pkw und Lkw auch. Und wo bei einem Pkw ein lose eingebautes Navigationssystem gegen Diebstahl mitversichert ist, muss dies bei einem Motorrad noch lange nicht der Fall sein. Ein Blick in den Anhang der Bedingungen ist daher fast schon unverzichtbar.

Sorgfalt zahlt sich aus

Aber selbst wenn das Navi gegen Diebstahl versichert sein sollte, bedeutet dies – auch bei einem nachgewiesenen Diebstahl – noch nicht zwangsläufig, dass es dafür auch Ersatz gibt, z.B. weil der Diebstahl durch die Verletzung einfachster Sorgfaltspflichten ermöglicht wurde. Dies dürfte z.B. dann der Fall sein, wenn das Navi einfach abzuziehen ist und quasi „im Vorbeigehen“ mitgenommen werden kann. Aber selbst bei abschließbarer Halterung sollte das Navi beim Abstellen des Bikes immer mitgenommen werden. Keinesfalls sollte es locker im Tankrucksack zurückgelassen werden.

Diebstahlunabhängig sind aber mindestens zwei weitere Punkte wichtig. Das Navi muss so montiert sein, dass es wichtige Instrumente nicht verdeckt. Insbesondere der Blick auf den Tacho muss nach wie vor möglich sein. Zudem sollte das Navi möglichst nur bedient werden, wenn dies sicher und ohne Beeinträchtigung des Fahrverhaltens möglich ist. Dies ist am ehesten im Stand der Fall. Wer sein Navi während der Fahrt bedient und dadurch einen Unfall verursacht, riskiert nicht nur Ärger mit der Polizei sondern auch den Ersatzanspruch aus der Vollkaskoversicherung.

Im Fall des Falles – die Bikerhotline hilft!

Wer all diese Punkte beachtet und umsichtig fährt, sollte sorgenfrei durch die Saison kommen. Für den Fall aber, dass es dennoch und unerwartet zu Problemen kommen sollte, steht die Biker Hotline der ETL Kanzlei Voigt unter der kostenfreien Rufnummer 0800-1885 767 zur Verfügung. Die Anwälte, die zu einen großen Teil selber Motorrad fahren, stehen unterstützend zur Seite, wenn der Versicherer ungerechtfertigter Weise nicht bezahlen will oder möglicherwiese ein Bußgeld wegen angeblicher Geschwindigkeitsüberschreitung oder anderer Vorwürfe droht.

Der Autor Dr. Wolf-Henning Hammer ist Rechtsanwalt bei der Kanzlei Voigt Rechtsanwalts GmbH, Dortmund.

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