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10. Europacup der Zweiradberufe: Bodenständiger Nachwuchs hebt ab

Der Europameister der Zweiradmechaniker 2018 Fachrichtung Motorrad heißt Simon Vallant und kommt aus der Schweiz. Die Nummer eins bei den Fahrradschraubern ist Paul Meißner aus Deutschland. Bericht vom Jubiläumswettbewerb aus Frankfurt am Main.

Das spektakuläre Rahmenprogramm des Europacups der Zweiradberufe 2018 beinhaltete den Besuch der A380-Wartungshalle der Lufthansa am Frankfurter Flughafen.
Das spektakuläre Rahmenprogramm des Europacups der Zweiradberufe 2018 beinhaltete den Besuch der A380-Wartungshalle der Lufthansa am Frankfurter Flughafen.
(Bild: Vogel Business Media)

Champagnerlaune herrschte im sechsten Stock des Haus des Handwerks in Frankfurt am Main, unweit der lichtüberfluteten Hochhäuser des deutschen Mainhattans, der Bankencity im Herzen Europas. Feiern ließ sich dort am vergangenen Freitag Abend der Nachwuchs von Europas Zweiradmechaniker-Elite. Applaus, Applaus für alle 18 Teilnehmer aus sechs Nationen des 10. Jubiläums-Europacups des Zweiradmechaniker-Handwerks. Die wichtigsten Geschehnisse rund um den Jubiläums-Europacup können Sie in der folgenden Bildergalerie nochmals lebendig werden lassen.

Europacup 2018
Bildergalerie mit 98 Bildern

Urkunden, Siegerpokale und kleine Geschenke für Europas junge Schrauber der Fachrichtungen Motorrad und Fahrrad wurden gereicht. Handwerkskammerpräsident Bernd Ehinger, der stellvertretende hessische Landesinnungsmeister Ernst Brehm und Claudia Dillenburger, Leiterin der Bundesfachschule, hatten alle Hände voll zu tun, die Preise an die Nachwuchshoffnungen der Branche aus Österreich, Tschechien, Polen, der Niederlande, der Schweiz und Deutschland auszuhändigen.

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Die Motorradsieger

In der Fachrichtung Motorrad holte sich Simon Vallant aus der Schweiz den 1. Platz, gefolgt von den beiden starken Tschechen Ladislav Klátil (2. Platz) und Pavel Spružina (3. Platz). Die beiden deutschen Europacup-Teilnehmer, zum einen der Bundessieger Marco Schmidt aus Werl (Nordrhein-Westfalen, Motorradhaus Schomaker, Werl) und zum anderen Alexandra Fechler aus Fürth (Rheinland-Pfalz, Zweirad Mittenbühler, Neustadt a.d. Weinstr.) mussten sich in diesem hochkarätigen Wettbewerbsfeld nur knapp geschlagen geben.

Weitere Motorradkandidaten, die um den Sieg kämpften, waren Levin Martens und Roy van Hoorn (beide aus den Niederlanden), Hubert Kuśnierek und Jakub Zastrbziny (beide aus Polen), Sebastian Hadju (Österreich) und Lukas Cramer (Schweiz).

Die Fahrradsieger

Im Fahrradbereich holte sich Paul Meißner aus Deutschland den Sieg. Die Silbermedaille holte sich Willem van den Booguart aus den Niederlanden, die bronzene Micha Urech aus der Schweiz.

Paul Meißner war 2017 der beste Zweiradmechanikergeselle, Fachrichtung Fahrradtechnik, in Rheinland-Pfalz und auf Bundesebene. Der 23-Jährige aus Rohrbach im Hunsrück wurde im Betrieb von Manfred Schuhmacher in Bad Kreuznach ausgebildet und arbeitet gegenwärtig bei Fahrrad Rieth in Stromberg.

Neben den drei Medaillengewinnern schraubten außerdem Jesse van den Bushen (Niederlande), Daniel Haslinger (Österreich) und Stefan Lucas Christeler (Schweiz) um die Euro-Krone der Zweiradmechaniker. Der zweite gemeldete deutsche Wettbewerbsteilnehmer, Maurice Hoffmann aus Münster, konnte leider nicht antreten. Ihm machte das Sturmtief Friederike einen Strich durch die Rechnung; die Deutsche Bahn stand komplett still, er strandete im nordrhein-westfälischen Nirgendwo. Da hätte er besser ein Zweirad genommen...

Kleine Geschichte des Europacups

Der renommierte Wettbewerbsvergleich wird hierzulande federführend vom Landesinnungsverband Zweirad Hessen betreut. Organisiert wird er von der Bundesfachschule für Zweiradtechnik der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Mit an Bord als fördernde Kraft ist außerdem die Wirtschaftsförderung der Stadt Frankfurt am Main. Bereits zum dritten Mal in der Geschichte fand dieser einzigartige Leistungsvergleich auf europäischer Ebene in der Mainmetropole statt.

Die weiteren Austragungsorte in der zehnjährigen Europacup-Geschichte waren u.a. Wien, Zürich, Sursee und Brünn. Der Europacup geht ursprünglich auf eine Initiative des damaligen Leiters der Frankfurter Bundesfachschule, Jürgen Hunkeler, zurück, im Schulterschluss mit dem Landesinnungsverband Zweirad Hessen (in personam Ernst Brehm) sowie des Verbandes 2rad Schweiz (Peter Sommer und Roland Fischer).

Später kam die Siegfried-Marcus-Berufsschule in Wien (Markus Fuchs, Lorentz Schertler) und die Integrierte Fachschule für Kraftfahrzeuge in Brünn (ISSA Brno mit Milan Chylik, Pavla Ryšavá und Jakub Piwowarczyk) hinzu. Kooptiert sind die Zweiradnationen Polen (Schule Zespół Szkół Budowlanych mit Arkadiusz Dratwas, Maciej Jozwiak, Zbigniew Kopras und Henryk Sobkowoiak) und die Niederlande (Kennis Koning Willem I College, Ruud Glorius und Tessa van Zeeland).

Den europaweiten Vergleich gibt es bereits seit 2009 und er wird getragen von der Initiative Bike Experts Europe, bei der »bike und business« als Medienpartner und Matthies als Förderer des europäischen Zweiradhandwerks fungiert. Der Hamburger Motorradgroßhändler stellt den Ausrichtern für die Kandidaten großzügig modernes Werkstattequipment – von der Hebebühne bis zum Spezialwerkzeug – zur Verfügung. Dieses Jahr stand der Wettbewerb unter der Schirmherrschaft des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier.

Der Wettbewerb

Geprüft wurden die Teilnehmer in ihrer jeweiligen Fachrichtung Fahrrad oder Motorrad. So lösten sie während des Wettbewerbs praktische Aufgabenstellungen zum Aufbau und zur Technik in ihrer Fachrichtung, etwa zu Antriebs- oder Motortechnik. Im Vorjahr fand der Europacup in Zürich statt. Im kommenden Jahr geht der Wettbewerb in Wien über die Bühne, danach laufen die Planungen für den Austragungsort Posen in Polen.

Die Sieger 2018 wurden bei einer Feierstunde im Haus des Handwerks im Beisein von Markus Frank, Wirtschaftsdezernent der Stadt Frankfurt, und Handwerkskammerpräsident Bernd Ehinger ausgezeichnet. Ehinger, selbst begeisterter Motorradfahrer, sagte: „Nur durch Austausch- und Weiterbildungsprojekte für handwerkliche Nachwuchstalente wie dem Europacup kann Europas Bildungslandschaft sich gegenseitig befruchten.“ Im Hinblick auf die Debatte zum dualen Ausbildungssystem sagte er: „Der Europacup ist gleichzeitig auch eine Möglichkeit unseren politischen Partnern in Brüssel zu zeigen, was duale Ausbildung im Handwerk für die Wirtschaft und die Regionen leisten kann.“

Stadtrat Markus Frank betonte ebenfalls seine Motorradaffinität, schwärmte von seiner Zündapp K 80 aus seiner Jugendzeit, und freute sich darüber, dass der Jubiläums-Europacup der Zweiradberufe 2018 wieder an seinen Ursprungsort zurückgekehrt sei. „Es ist sehr schön zu sehen, dass aus den Anfängen im Jahr 2009 nunmehr eine feste Größe in der Welt der Zweiradberufe erwachsen ist. Die Stadt Frankfurt am Main ist dem Handwerk traditionell eng verbunden und weiß das hohe Engagement der Organisatoren und aller Beteiligten wertzuschätzen. Die außergewöhnlichen Leistungen unseres Handwerkernachwuchses werden in einem solchen internationalen Wettbewerb erfolgreich eingerahmt.“

Der Bundesfachschule in Frankfurt kommt große Bedeutung für das bundesweite Zweirad-Handwerk zu. Im Jahr legen im Schnitt 50 Meister ihre Prüfung im Zweiradmechaniker-Handwerk am Berufsbildungs- und Technologiezentrum in der Schönstraße in Frankfurt ab. Rund 200 Azubis lernen im Bereich der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung im Rahmen ihrer dualen Ausbildung die neuesten Trends und Innovationen im Bereich des Zweiradhandwerks kennen.

Das Date mit dem Riesenvogel

Traditionell in sich hatte es wie immer das Rahmenprogramm des Europacups. Zweifellos das Highlight für die Teilnehmer war die Führung durch die Lufthansa-Wartungshalle des weltgrößten Passagierfliegers Airbus A380. Ermöglicht hatte diesen Deal Franz Schmitt, einst in Amt und Würden bei der Wirtschaftsförderung der Stadt Frankfurt und leidenschaftlicher ehrenamtlicher Unterstützer der Euro-Zweiradinitiative.

Unvergessen ins Gedächtnis der Teilnehmer einbrennen wird sich das Probesitzen im Lufthansaflieger „Johannesburg – gleich ob im Cockpit oder in den mit Alcantaraleder überzogenen Komfortsitzen der First Class. Genauso gut zum Abspeichern auf der menschlichen Festplatte der Lebenserinnerungen eignete sich das Gruppenfoto vor dem 25.000-PS-Rolls-Royce-Triebwerk. Die Geschichten rund um den Riesenvogel und der Ausstellung im Lufthansa Aviation Center wurden anschließend im gemütlichen hessischen Spezialitätengasthaus „Seppche“ im Frankfurter Stadtteil Alt-Schwanheim bei Spanferkel und „Frankfotter Grie Soß“ (Original Frankfurter Grüne Sauce) vertieft.

Die Experten

Zurück zum Wettbewerb, der am darauf folgenden Tag in den Räumlichkeiten der Bundesfachschule über die Bühne ging. Die deutschen Europacup-Experten Lars Vellmer, Ben Gabler, Christoph Markwart, Oliver Claus, Andreas Tym hatten spannende Wettbewerbsstaionen aufbereitet. Ihnen zur Seite standen Peter Bohren, Hans Vogler, Selina Giacomini und Rolf Signer (alle Schweiz), Leon Brans und Edwin Hemper (Niederlande), Robert Czeschka (Österreich) und Miroslav Rollinger (Tschechien).

Fazit: Der 10. Europacup der Zweiradmechaniker in Frankfurt am Main war ein dem Jubiläumsereignis angemessener und würdiger Wettbewerb. Anders zwar als in den beiden vorangegangenen beiden Jahren, als der Wettbewerb während einer Messe (Swissmoto Zürich 2017 und Motosalon Brünn 2016) vor größerem Publikum – Zweiradprofis und Endverbraucher – stattfand.

Doch fand auch der Wettkampfstandort Frankfurt eine hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. So besuchte die Frankfurter Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl 2018, Dr. Bernadette Weylmann (CDU), die Wettkampfstätte und nutzte sie für ihre politische Bühne. Der aktiven Harleyfahrerin liegt das Thema Zweiradmobilität und -ausbildung seit jeher am Herzen. Der hessische Rundfunk und das SWR-Regionalfernsehen berichtete. Und das Team von »bike und business«-TV produziert gerade einen Impressionenfilm zum Cup. Gut so, dass der Zweiradnachwuchs so im Fokus der Medien steht. Claudia Dillenburger und ihr Team von der Bundesfachschule Frankfurt jedenfalls dürfen stolz auf ihre Leistung sein. Guten Job gemacht! Wer jetzt noch neugierig darauf ist, welche Nüsse die Zweiradprofis zu knacken hatten – einfach weiterklicken!

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