Acem: Europas Motorradmarkt schrumpft und schrumpft

Ex-Branchenprimus Italien fällt erstmals hinter Frankreich zurück

10.02.2012 | Redakteur: Stephan Maderner

Die Acem mit Sitz in Brüssel repräsentiert die europäische Motorradindustrie.
Die Acem mit Sitz in Brüssel repräsentiert die europäische Motorradindustrie.

Die Association des Constructeurs Européens de Motocycles (Acem) beziffert den Rückgang im Durchschnitt über alle Länder auf minus 9,5 Prozent. 2011 stehen eine Million weniger Bikes in der Statistik als vor fünf Jahren.

Die seit 2008 andauernde Krise hat den motorisierten Zweiradmarkt Europas fest im Griff. Die Saison 2011 markiert den bisherigen Tiefpunkt der Branche in den vergangenen zehn Jahren: Insgesamt wurden nur 1,7 Millionen Fahrzeuge (Mopeds und Motorräder) verkauft, das sind 170.000 Einheiten oder 9,5 Prozent weniger als im Geschäftsjahr 2010. Dies hat Acem (Association des Constructeurs Européens de Motocycles), der europäische Dachverband der Motorradindustrie, auf seinem turnusmäßigen Industrie-Meeting in Brüssel mitgeteilt. An der Spitze des Verbandes steht derzeit der Deutsche BMW-Motorradchef Hendrik von Kuenheim.

Im letzten Quartal 2008 sind die Märkte in Spanien, Frankreich und Griechenland massiv unter Druck geraten. Italien schien zunächst immun gegen die Krise zu sein. Der Grund: die italienische Regierung hatte in den Jahren 2008 und 2009 den Markt massiv finanziell gestützt bzw. für die Bürger steuerliche Anreize geschaffen, die dem Roller- und Motorradabsatz beflügelten. Doch als der Staat seine schützende Hand über dem größten europäischen Markt wegzog, brach der Markt regelrecht ein. Der Absturz war so heftig, dass die italienische Zweiradbranche 2011 ihre einstige Spitzenposition an Frankreich verlor, obwohl sich auch dieser Markt immer noch auf dem absteigenden Ast befindet.

Vergleicht man die 2,726 Millionen verkauften Zweiräder aus dem Jahr 2007 mit dem Ergebnis im vergangenen Jahr, so wird schnell deutlich, dass fast 37 Prozent des einstigen Marktvolumens weggebrochen ist. Acem benutzt hier die Vokabeln „wiped out“ (ausgewischt). Im Jahr 2007 erzielte das Business mit insgesamt 2,757 Millionen Einheiten seine bislang bestes Ergebnis. Heute, vier Jahre später, sind es über eine Miilion Fahrzeuge weniger. Von den 27 Ländern (für Mazedonien, Bulgarien und Kroatien liegen noch keine Zahlen vor) haben im Bereich der wichtigen Absatzmärkte nur die Türkei (plus 73,8 Prozent) zugelegt, bei den kleineren Bikenationen schafften es Lettland (plus 28,9 Prozent), Litauen (plus 7,0 Prozent) und Malta (plus 7,5 Prozent) zu wachsen.

Der europäische Markt 2011 (vorläufige Zahlen) nach Ländern in der Einzelkritik:

1. Frankreich 331.260 Einheiten, minus 11,9 Prozent

2. Italien 329.260 Einheiten, minus 19,5 Prozent

3. Deutschland 181.865 Einheiten, minus 2,9 Prozent

4. Türkei 179.746 Einheiten, plus 73,8 Prozent

5. Spanien 141.136 Einheiten, minus 16,7 Prozent

6. Großbritannien 93.833 Einheiten, minus 2,0 Prozent

7. Niederlande 93.520 Einheiten, minus 14,1 Prozent

8. Polen 75.256 Einheiten, minus 6,9 Prozent

9. Österreich 45.633 Einheiten, minus 1,5 Prozent

10. Griechenland 44.711 Einheiten, minus 27,4 Prozent

11. Schweiz 40.516 Einheiten, minus 3,6 Prozent

12. Belgien 38.512 Einheiten, minus 5,3 Prozent

13. Finnland 22.969 Einheiten, minus 16,2 Prozent

14. Portugal 22.761 Einheiten, miuns 3,3 Prozent

15. Dänemark 12.264 Einheiten, minus 36,6 Prozent

16. Schweden 8.247 Einheiten, minus 68,7 Prozent

17. Tschechien 6.468 Einheiten, minus 44,9 Prozent

18. Slowenien 5.270 Einheiten, minus 14,0 Prozent

19. Zypern 2.858 Einheiten, minus 18,7 Prozent

20. Luxemburg 2.186 Einheiten, minus 3,3 Prozent

21. Ungarn 1.924 Einheiten, minus 40,0 Prozent

22. Lettland 1.815 Einheiten, plus 28,9 Prozent

23. Litauen 1.583 Einheiten, plus 7,0 Prozent

24. Irland 1.072 Einheiten, minus 18,7 Prozent

25. Rumänien 929 Einheiten, minus 83,7 Prozent

26. Malta 582 Einheiten, plus 7,5 Prozent

27. Estland 302 Einheiten, minus 37,0 Prozent

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