Suchen

Acem: Motorräder in Zeiten des automatisierten Fahrens

| Redakteur: Melissa Mager

Der europäische Motorradherstellerverband Acem fordert im Rahmen des automatisierten Fahrens bessere Sensoren bei der gegenseitigen Kommunikation zwischen Auto und Motorrad.

Firma zum Thema

Motorräder befinden sich nicht unbedingt in der Mitte ihrer Spur. Eine weitere Herausforderung für Fahrzeugsensoren.
Motorräder befinden sich nicht unbedingt in der Mitte ihrer Spur. Eine weitere Herausforderung für Fahrzeugsensoren.
(Bild: acem)

Der europäische Motorradherstellerverband Acem sieht Advanced Driver Assistance Systems (adas) als Schlüsselfaktor und Wegbereiter für automatisiertes Fahren. Die neuen Technologien eröffneten Chancen brächten auch viele Risiken mit sich. Der Vorteil der elektronischen Helferlein sei die kontinuierliche, genaue Überwachung der Umgebung und die sofortige Reaktion von automatisierten Fahrzeugen. Die Risiken lägen vor allem in komplexen und verwirrenden Verkehrssituationen und dem Ausmaß, in dem das Fahrverhalten eines automatisierten Fahrzeugs in jeder Situation vorhergesagt werden kann.

Bildergalerie

Aktuelle technische Situation

Mit adas ausgestattete Fahrzeuge erfassen ihre Umgebung mit einer Vielzahl von Sensoren wie Radar, Kamera und Lidar (= Light detection and ranging, Gerät zur Rückstrahlortung) und werden in Zukunft mit V2X-Kommunikation ausgestattet. Diese so genannte Sensorfusion soll ein „vollständiges Bild" von der Richtung des Fahrzeugs, von Hindernissen und anderen Fahrzeugen in der Umgebung vermitteln, um Eingriffe oder Fahrmanöver zu berechnen.

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Automobilindustrie mit Hilfe neuer Technologien für die Sicherheit große Erfolge erzielt. Gleichzeitig ist die Sicherheitsleistung ungeschützter Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, Radfahrer, Motorradfahrer und Personen mit Behinderungen oder eingeschränkter Mobilität und Orientierung) in Europa nicht im gleichen Tempo vorangekommen wie die der Autoinsassen.

Denn die realen Verkehrsszenarien sind komplex und die derzeit verfügbaren Systeme sind ohne ein erhebliches Maß an Fahrerbeteiligung nicht in der Lage, sie zu bewältigen. Sie funktionieren in manchen Situationen gut, wie z.B. beim Erkennen größerer Objekte wie Pkw, Lkw oder Verkehrszeichen. In einigen Fällen verfügen moderne Autos jedoch nicht über die entsprechende Ausrüstung, um Motorräder einwandfrei zu erkennen. In einigen Fahrerhandbüchern finde man Aussagen wie „das System kann eventuell kleine Fahrzeuge wie Motorräder nicht erkennen“. Das sei aus Sicherheitsgründen inakzeptabel. Daher sollten automatisierte Systeme die Erkennungsrate von Motorrädern deutlich verbessern.

Stadt- versus Landverkehr

Auch sollten Unterschiede im Verhalten bei der Entwicklung von automatisierten Autos berücksichtigt werden. Das Verhalten von Fahrern verschiedener Fahrzeugklassen, insbesondere von Motorradfahrern, kann stark variieren. Diese Varianz hängt auch von der Verkehrsdichte (Stadt oder Land) und vom Land (unterschiedliche Regeln, Verkehrsmix, kulturelle Einflüsse) ab. Das bedeutet, dass das gleiche System in Skandinavien auf einer ruhigen Straße genauso gut funktionieren muss wie in komplexeren Fahrsituationen z.B. in Paris oder Rom.

In der Gruppe der Vulnerable Road Users (VRU = ungeschützte Verkehrsteilnehmer) seien Motorradfahrer die einzigen Verkehrsteilnehmer, die alle Arten von Straßen- und Verkehrsumgebungsbedingungen mit Autos teilen. Dies stellt laut Verband eine große Sicherheitsherausforderung dar. Diese Tatsache müsse in Zukunft in Forschung und Entwicklung besser berücksichtigt werden. Die Belange des Motorradfahrers sollten dabei stärker in den Fokus rücken. Die Motorradindustrie appelliert an die Automobilindustrie und den Gesetzgeber, dieses Thema ernster zu nehmen und sicherzustellen, dass zukünftige Autos sicher auf Motorräder reagieren.

(ID:46138498)