After-Work-Ride: Valerias erstes Mal hinten drauf

Power, Kurven und Respekt

| Autor / Redakteur: Valeria Schulte-Niermann / Stephan Maderner

Startschuss zum 4. Vogel After-Work-Ride am 6. Juli.
Startschuss zum 4. Vogel After-Work-Ride am 6. Juli. (Bild: bike und business)

Motorrad-Ausfahrt als Feierabend-Betriebsausflug. »bike und business«-Redaktionspraktikantin Valeria schildert ihre aufregende Premiere als Motorrad-Sozia.

Der 4. Vogel-After-Work-Ride am 6. Juli ließ mich das erste mal erfahren, was es heißt Motorrad zu fahren. Aber als recht erfahrene Geländewagenfahrerin konnte ich damit recht gut umgehen – glaube ich zumindest. Zweimal im Jahr veranstaltet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner eine kleine Feierabendausfahrt durch die heimatlichen Bikereviere rund um Würzburg. Als Praktikantin durfte ich dieses Mal auch mit dabei sein und schwang mich auf dem Vogel-Parkplatz aufs Stephans Triumph Tiger 1050. Mein erstes Mal auf einem „richtigen“ Motorrad.

Aber komplett unerfahren bin ich auch nicht. Nachdem ich 2013 meinen Pkw-Führerschein gemacht hatte, beschlossen meine Eltern und ich, uns einen Roller anzuschaffen. Denn sie waren der Meinung, dass jeder Erfahrung mit einem Bike haben sollte. Was passt da besser, als mit 17 mit dem Roller zur Schule zu fahren? Auto darf man noch nicht alleine fahren, den Bus bekommt man nicht mehr bezahlt und für das Fahrrad ist die Schule zu weit weg. Die erste große Freiheit, allein auf dem Roller.

Alte Leidenschaften flammen wieder auf

An unserer Aprilia SR 50 Replica fanden meine Eltern auch immer mehr Freude. Die alte Leidenschaft von vor 30 Jahren flammte wieder auf. Damals fuhren sie eine Yamaha DT 250. Doch ein Unfall, bei denen ihnen die Vorfahrt genommen wurde und sie geradewegs über den Lenker flogen, trübte den Zweiradspaß für lange Zeit. Ihnen war zum Glück nichts Schlimmeres als Schürfwunden, Prellungen und Totalschaden des Motorrads passiert, aber der Respekt vor dem doch ziemlich ungeschützten Fahren war so groß, dass das Hobby erst Mal ruhte.

Meine Eltern beließen es am Ende mit dem Motorradfahren und kamen durch Zufall zum Offroaden mit Geländewagen. Durch die vielen Offroad-Ausflüge in diverse Parks wuchs mein Interesse am technischem Verständnis dieser Autogruppe. Und durch diese Freude, die das Fahren im Gelände mit sich bringt, kann ich jedes Motorsporthobby absolut verstehen. Egal um welche Fahrzeugart es sich handelt: Geländewagen, Rennwagen, Quad, Atv, Side-by-Side, Motocross oder eben Motorrad. Überall geht es um die Lust an der Leistung, die Laune am Steuer eines motorbetriebenen Fahrzeugs zu sitzen und das Können, die Maschine zu beherrschen.

Adrenalin-Junkie

Motorradfahren stand auch auf der Liste der Dinge, die ich in meinem Leben auf jeden Fall gemacht haben möchte. Allerdings kannte ich keinen Biker, außer meinem Vater, der aber eben schon lange nicht mehr gefahren ist und dem die 60 km/h mit dem Roller bergabwärts ausreichen. Mit dem Alter verliert man eben etwas den Mut. Doch auch ich als Adrenalin-Junkie musste die Zähne zusammenbeißen, als wir auf den Geraden durch das Taubertal beschleunigten und mein Bikepilot den Gashahn durchzog. Auch als es abends nach Hause ging, hatte ich mich noch nicht so ganz an die Geschwindigkeit gewöhnt. Im Gegensatz zu den Kurven, die mir immer mehr Spaß machten.

Doch erst nochmal zurück auf Anfang. Unsere Fahrt begann am Hauptgebäude des Vogel Business Media-Verlags in Würzburg.Motorengrummeln mischt sich mit herzlichen Hallos. Die Kollegen haben ihre Feuerstühle auf Hochglanz poliert. Noch ein letztes Fotoshooting mit Bikern, die ihre Helme in die Luft recken – und los geht's. Zu neunt fuhren wir vom Parkplatz. Bevor es Richtung Landstraße ging, holten wir noch drei Biker von Vogel-Druck ab. Den letzten Ring der Großstadtampeln passiert, die Lichter springen auf grün und die Zehner-Motorradkolonne nimmt Fahrt auf. Die wilde Mischung aus Bikes der Marken Suzuki, Triumph, BMW, Buell, Yamaha, Honda und einem Kymco-Roller setzt sich in Bewegung. Letztere hielt mit maximal 140 km/h aber auch gut mit – auf den kurvigen Landstraßen ist eine kurzzeitige Maximalgeschwindigkeit von 150 Km/h auch das höchste der Gefühle. Mehr hätte ich wahrscheinlich nicht ausgehalten… Ich hatte schon Bammel wegzufliegen.

An der Lederjacke festgekrallt

Besonders wenn Autos entgegenkamen, verkrampfte ich mich nochmal mehr. Man kennt ja die Horrorgeschichten von Motorradfahrern, die sich zu sehr in die Linkskurve legen und … batsch. Aber was konnte ich schon anderes tun, als mich – so gut es geht – an Stephans Jacke festzukrallen. Augen zu und durch ist auch keine Option. Man muss ja sehen, wann die nächste Kurve kommt – ich jedenfalls. Also befolgte ich, so gut es ging, den Rat meiner Eltern, mich immer schön mit in die Kurven zu legen. Anscheinend machte ich das auch ganz gut für das erste Mal. Nach Stephans Aussage spürte er kaum, dass ich hintendrauf saß. Nur an der Verkrampfung… Die ließ aber Kilometer für Kilometer immer mehr nach. Ganz verschwand sie aber nicht. Dafür bräuchte ich noch weitere „Fahrstunden“, um mehr Vertrauen ins Motorradfahren zu fassen.

Rausch der Geschwindigkeit

Das Fahrgefühl im Auto ist natürlich etwas ganz anderes. Eigentlich nicht zu vergleichen. Klar lässt auch hier die Konzentration nach, doch beim Motorradfahren kann viel schneller ein Unfall passieren. Und dann gleich richtig. Beim Auto hat man eben noch die berühmte Knautschzone. Beim Motorrad geht es gleich auf Asphalt oder, wenn man Glück hat, auf Feld und Wiese – und nicht gequetscht unter die Leitplanke. Das Risiko ist da, aber das macht das Fahren mit dem Bike für viele gerade aus. Der Rausch der Geschwindigkeit ist wie eine Droge. Irgendwann reicht 140 km/h nicht mehr und es wird auf 160 km/h erhöht. Immer schneller durch die Kurven, am Rande der physikalischen Grenzen. Bis diese überschritten sind und man weiß, wie weit man gehen kann. Wenn es dann nicht schon zu spät ist… Beim Rollerfahren besteht dieses Risiko natürlich auch, jedoch ist man eben nicht so flott unterwegs. Dafür oft in unzureichender Bekleidung. Mit kurzer Hose und T-Shirt kann man froh sein, wenn man sich bei einem Sturz nur ein paar Schrammen einfängt. Aber hier muss ich mich auch an meiner eigenen Nase fassen. Durch die relativ langsame Geschwindigkeit ist man mit dem Roller auch ein wandelndes Hindernis. Deswegen sagen meine Eltern auch immer wieder, ich solle mich schön breit machen, um beim Überholt werden noch genügend Platz zum Ausweichen zu haben. Mit dem Motorrad sieht das ganze umgedreht aus. Hier sind oftmals die Autos die fahrenden Hindernisse der Straße. Mit dem Motorrad fährt man eben doch andere Geschwindigkeiten und nutzt die enormen Vorteile der Fahrdynamik und -physik, um in Sekundenbruchteilen am vierrädrigen Hindernis vorbeizuziehen.

Ich bin eher eine gemütliche Fahrerin. Gerne beschleunige ich mit meinem Suzuki Grand Vitara auch mal im zweiten Gang durch, doch das hält sich alles noch in Grenzen. Schnell fahren kann ja jeder, fragt sich nur wie lange. Besonders mit dem Auto spürt man das Tempo nicht mehr wirklich. Die Blechbüchsen werden immer mehr zu abgeschotteten Heimen, in denen man 200 Sachen oder mehr gar nicht mehr merkt. Beim Motorradfahren erlebt man die Geschwindigkeit noch hautnah. Der Wind pfeift um den Körper und jeder Geruch steigt einem sofort in die Nase. Mal mehr, mal weniger frische Landluft. Man spürt die unterschiedlichen warmen und kalten Luftschichten und ist den Launen des Wetters fast schutzlos ausgesetzt. Das ist authentisch. Das mag ich sehr.

Der Wettergott ist ein Biker

Wir hatten Glück mit dem Wetter. Bei rund 23 Grad Celsius ließ es sich gut aushalten. Nachdem wir in Höchberg die Vogel-Druck-Biker eingesammelt hatten, die das erste Mal bei diesem Minievent dabei waren, ließen wir zu zwölft Würzburg hinter uns und fuhren Richtung Kist, Reichenberg und Kirchheim. Entlang der typischen fränkischen Verbindungsstraßen, an Feldern und Wäldern vorbei. Hoch und runter, rechts und links bis nach Wittighausen. Auf dem Weikersheim Marktplatz vor dem Schloss legten wir eine kurze Pause ein, quatschten und verewigten die Tour auf Bildern. Nachdem jeder ordentlich in Szene gesetzt und fotografiert wurde, setzten wir die Helme auf, machten die Jacken zu und schwangen uns wieder auf die Bikes.

Weiter ging es durch das nördliche Baden-Württemberg. Hohenlohe und Tauberfanken nennt man die Region hier wohl. Über Verbindungsstraßen der kleinen Bauerndörfer, die eigentlich eher bessere Feldwege sind. Gesäß und Rücken mussten beim ein oder anderen Biker etwas leiden. Unsere reisetaugliche Tiger schluckte die Bodenwellen locker weg. Die nächste größere Stadt ist hier ein paar Kilometer weit entfernt. Das kleine historische Rothenburg ob der Tauber tauchte auf den Straßenschildern auf, das auch immer wieder eine Reise wert ist, um die 30 Kilometer entfernt und Würzburg auf direktem Weg um die 40 Kilometer. Aber das geht bestimmt auch noch schlimmer. Doch irgendwie ist in dieser Gegend die Zeit um die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts herum stehen geblieben.

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