Alisa oder wenn Unternehmen „Bewerbern eine Chance geben“

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (Kalenderwoche 7/2016/I). Ein aktuelles Stimmungsbarometer aus Handel und Industrie rund um Motorrad, Roller und Quad/ATV – ein Radar, das Branchentrends von morgen auf dem Schirm hat.

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Foto: Ducati/Collage: Elisabeth Haselmann)

Würzburg, den 16. Februar 2016 – Feedback in my mind – ich liebe es, wenn unsere Newsletteraussendungen Reaktionen unter den derzeit rund 8.400 Lesern auslösen. Diesmal schreibt mir ein Mitarbeiter eines Helmanbieters, der lieber ungenannt bleiben möchte: „Immer wieder lese ich in den Stellenmarkttexten die Floskel ,Unternehmen gibt Bewerber eine Chance' und jedes Mal stößt sie mir sauer auf. Das klingt bestenfalls nach Gönnerhaftigkeit und schlimmstenfalls nach Resozialisierung. Wenn so eine Formulierung in einem von der Firma selbst geschriebenen Stellenangebot auftauchen würde, würde ich mich niemals bewerben; signalisiert sie doch, dass Verhandlungen auf Augenhöhe nicht gewünscht/goutiert/erwartet werden. Der kleine Bruder von ,Unternehmen gibt Bewerber eine Chance' ist ,Unternehmen vergibt Ausbildungsplätze'. Nicht ganz so markant, aber die Asymmetrie scheint genauso durch.“

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Hmmh, da muss ich erstmal drüber nachdenken. „Jemandem eine Chance geben“, „Ausbildungsplätze vergeben“ – nur Floskeln, die negativ behaftet sind? »bike und business« jedenfalls gibt regelmäßig jungen, talentierten Praktikanten aus Schule oder Uni eine Chance, ihre Talente und Stärken in der Redaktionspraxis unter Beweis zu stellen. Chance bedeutet für mich eher günstiger Moment, Weg, Hoffnung, Möglichkeit, Perspektive, Zukunft, Opportunität, Okkasion oder Sprungbrett denn Zufall, Glücksfall, Massel, Dusel, Güte des Geschicks, Segen oder Beseligung. All diese Begriffe spuckt das Synonym-Lexikon nämlich bei der Eingabe des Begriffs „Chance“ aus. Insoweit eröffnen sich rein wortglauberisch oder haarspalterisch betrachtet Räume für Interpretationen. Oder wie sehen Sie das? Fühlen Sie sich als Gönner oder Resozialisierer, wenn Sie jemandem eine Job-Chance in Ihrem Betrieb geben? Das Thema liegt mir am Herzen und es sollte auch Sie berühren; denn der demografische Wandel macht die Suche nach geeigneten Bewerbern für freie Stellen und die richtige Jobbesetzung immer schwieriger. Deshalb sollten wir bereits mögliche (Wort-)Missverständnisse aus dem Weg räumen, die bereits in der Stellenausschreibung passieren könnten. Also sollten Sie bei Stellenanzeigen auf die richtige Wortwahl achten; dabei aber nicht gleich jede Formulierung - Stichwort „Chance geben“ - auf die Goldwaage legen...

Ich für meinen Teil jedenfalls „gebe jemandem eine Job- oder Praktikanten-Chance“ immer auf Augenhöhe und gönne sie dem Bewerber von ganzem Herzen. Und in meiner bisherigen „Journalistenkarriere“ habe ich bei interessanten Job-„Chancen“, die mir Verlage offerierten, selbige beim Schopf gepackt und bin durchgestartet. Die Verhandlungen liefen immer symmetrisch ab; schließlich will ja jeder was vom anderen. Das Wort Chance ist und bleibt für mich positiv durchströmt!

Exakt in diesem positivem Wortsinne gebe ich seit vergangenem Mittwoch (und noch bis Ende März) Alisa Götz eine Chance. Sie ist die „Neue“ (Praktikantin) bei »bike und business«. Alisa ist 21 Jahre alt und studiert seit 2013 Medienkommunikation an der Uni Würzburg. In ihrer Freizeit spielt sie Handball, gibt gern Geld für Klamotten aus und faulenzt natürlich auch. „Aber damit sei jetzt Schluss“, schreibt sie in einem Begrüßungs-Post auf Facebook »bike und business«, denn ihr Studium neige sich leider schon bald dem Ende zu, weswegen sie die nächsten zwei Monate nutzen wolle, um sich danach besser orientieren zu können und auch hoffentlich viel aus dem Bereich Journalismus zu lernen. „Statt ständig in die Bücher zu schauen, freue ich mich jetzt auf diese praktische Zeit mit all ihren Erfahrungen. Um ehrlich zu sein hatte ich vor dieser Woche so gut wie nichts mit Motorrädern am Hut. Und trotzdem bin ich überzeugt, dass ich mich schnell einarbeiten kann und Freude an diesem Thema finden werde. Deswegen: Join the Spirit!“

Welcome, liebe Alisa! Zeig' uns was du kannst. Wir werden alles daran setzen, dass du am Ende deines Redaktionspraktikums das Zweirad tatsächlich mit anderen Augen betrachten wirst.

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