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Als Lena zum ersten Mal auf's Motorrad stieg

Redakteur: Lena Hofbauer

Wer noch nie auf einem Motorrad saß, kann mit Beschreibungen von Bikern nicht viel anfangen. Ich war neugierig und ergriff meine Chance, als »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner mir einen Platz auf seiner Maschine anbot.

Als Lena zum ersten Mal auf's Motorrad stieg: Stephan Maderner bot mir seinen Sozia-Sitz an.
Als Lena zum ersten Mal auf's Motorrad stieg: Stephan Maderner bot mir seinen Sozia-Sitz an.
(Foto: Martina Eicher)

Wie der Blitz sausen wir durch unterfränkische Dörfer, nutzen Landstraßenkurven voll aus und rasen auf geraden Strecken mit 190 kmh dem Sonnenuntergang entgegen. Die Motorradtour von Vogel Business Media, besser bekannt unter dem Namen „After-Work-Ride“, war wieder ein voller Erfolg. Sagen alle, die schon einmal mitgefahren sind. Tja und ich sage: Wow. Meine erste Motorradtour war ein voller Erfolg.

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Seit knapp vier Wochen bin ich nun Redaktionspraktikantin unter der Obhut von Stephan Maderner und lerne die «bike und business» und ihr ganzes Drum-Herum so richtig kennen. Dass ich mehr zu der Sorte Mädchen gehöre, die sich eher mit Klamotten, statt mit Motorrädern auskennt, ist auch Stephan klar. Doch mein Interesse an diesem ganz neuen, noch für mich unerforschten Bereich kommt an, und nach knapp drei Wochen seit Beginn meines Orientierungspraktikums sitze ich als Sozia auf der MV Agusta Turismo Veloce, die nun mein erstes Motorrad-Mal-Testfahrzeug sein darf. Oder sein muss. Denn wie ich mich auf diesem Gefährt verhalten soll, ist mir völlig unklar.

Für das Fotoshooting durfte ich schon am Donnerstagmorgen den Soziasessel einsitzen. Ja, sitzt sich nicht schlecht. Doch als ich das zweite Mal aufsteige und die italienische Lady diesmal mit Motorengeräusch kennenlerne, denke ich mir nur: Ich bin ja gar nicht angeschnallt! Denn wie soll ich ohne Gurt auf dem Sitz sitzenbleiben? Das macht für mich wenig Sinn.

Um kurz nach fünf rollt unsere Truppe vom Vogel-Parkplatz; Stephan und ich ganz vorne mit dabei. Es hört sich wahrscheinlich total komisch an, aber als wir so losfuhren, musste ich einfach nur anfangen zu grinsen. Ich grinste, als wir beschleunigten, ich grinste, als wir an der Ampel standen, an der die Menschenmenge die Straße zur Alten Mainbrücke überquerte. Ich hatte ein dauerhaftes Grinsen aufgesetzt, und meine Mundwinkel hörten nicht auf zu zucken. Das Problem Anschnallen war vergessen.

Warum ich gegrinst habe? Weil ich einfach so erstaunt von diesem Gefühl war. Frei zu sitzen, auf einem Motorrad, Motorradklamotten anzuhaben, den Fahrtwind zu spüren. Doch so richtig genießen konnte man den Ritt auf dem Motorrad erst, als wir der Stadt den Rücken zukehrten. Die MV Agusta heulte auf und beschleunigte rasant. Ein Gefühl von Freiheit umschlingt den Körper, man atmet tief ein und versucht, alle Eindrücke aufzusaugen. Ich wollte möglichst jeden Augenblick der Fahrt voll auskosten und meinen Sinnen die Chance geben, dies auch zu tun. Autofahren ist einfach nur praktisch, aber Motorradfahren ist ein Vergnügen. Der Wind pfiff mir um die Ohren und die Straße war unter den Rädern kaum spürbar. Plötzlich machte mein Pilot, alias Chefredakteur Stephan Maderner, ein Handzeichen, und ehe ich mich versah, überholten wir ein Auto. Und das war so ziemlich der erste Augenblick, in dem mir mein Bauch das Gefühl von Achterbahnfahren vermittelte. Und ich wollte mehr davon.

Jedes Überholvermögen war ein Heidenspaß. Die Fliegen und Mucken, die gegen meinen Helm prallten, nahm ich gar nicht wahr. Auch nicht die Regentropfen, die sich mit ihnen vermischten. Wir stoppten unter einem schützenden Baum und diskutierten über unsere Weiterfahrt. Mich störte der Regen kein bisschen, im Gegenteil: Es gehörte einfach dazu.

Als ich abstieg, hatte ich Puddingbeine und kraftlose Arme. Daran merkte ich, dass ich mich doch etwas verkrampft hatte. Wir entschieden, die Fahrt fortzusetzen und hatten Glück: Der Platzregen entpuppte sich als lokaler Schauer und ich konnte beim zweiten Versuch darauf achten, meinen Körper mehr zu entspannen. Viel Kraft zum festhalten habe ich nicht gebraucht, denn wenn man den Bewegungen des Piloten folgt, kann nichts schiefgehen. Aufregend wurden die nächsten Kurven, in denen ich das „in die Kurven legen“ gut ausprobieren konnte. Stephan, habe ich das gut gemacht? Vor den Kurven hatte ich nämlich etwas Respekt und auch keine Ahnung, ob es da eine bestimmte Technik gibt. Nach der Fahrt kann ich aber allen Motorradfahrern zustimmen: Das macht den Ride aus.

Während unserer Fahrt wurde ein Motorradtausch vorgeschlagen. Und so saß ich bei meinem ersten Motorrad-Mal nicht nur auf einem Bike, sondern gleich auf zwei. Deutlich tiefer und mit bequemem Koffer im Rücken hat die Fahrt genauso viel Spaß gemacht. Aber Unterschiede merkt man auch als Sozia, sogar bei einer Soziapremiere. Angekommen am Ziel, auf der Vogelsburg, genossen wir den Blick ins Tal. In nettem Ambiente gab es fränkische Bratwurst und Kartoffelsalat.

Die Rückfahrt wurde dann nochmal zum Geschwindigkeitshöhepunkt: Bei 190 kmh auf der autobahnähnlichen Kraftfahrstraße bei Lengfeld hatte ich kurzzeitig das erste Mal etwas Respekt. Der Wind knallte mir so gegen den Körper, dass es sich anfühlte, als würde ich demnächst weggepustet werden. Da machten mir die physikalischen Gesetze keinen Mut mehr. Dennoch waren das die einzigen Sekunden, in denen mir der Ritt nicht zu hundert Prozent Spaß gemacht hat.

Stephan Maderners Meinung zu meiner ersten Motorradfahrt: „Lena hat bei ihrer Sozia-Premiere auf dem Motorrad eine gute Figur gemacht. Beim ersten Überholmanöver konnte ich spüren, dass ihr noch das Mäuschen in den Bauch gefahren ist. Schnell hatte sie den Dreh raus, sich mit mir in die Kurve zu legen. Nach einer Weile habe ich gar nicht mehr gemerkt, dass noch jemand hinter mir drauf saß. Lena, großes Lob und Kompliment für deine couragierte Aktion. Ich hoffe, du wirst dieses Erlebnis in bester Erinnerung behalten!“ – Da kann ich nur sagen: Das werde ich.

Mein Fazit: Probiert es aus! Ich bin normalerweise ein Angsthase, doch diesmal kein Stück. Respekt vor dem Fahrzeug sollte man aber dennoch haben.

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