Suchen

André Walek: Kölsche Jung trifft Dolce Vita

| Autor / Redakteur: Ronja Hemm / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

André Walek ergänzt seinen Kölner Charakter mit der italienischen Art, den Moment zu genießen. Das bringt ihn nicht nur als Geschäftsführer der Nolangroup Deutschland voran, sondern auch im Leben.

André Walek, Geschäftsführer Nolangroup Deutschland.
André Walek, Geschäftsführer Nolangroup Deutschland.
(Bild: Nolangroup)

Die Bäume ziehen an den Gipfeln vorbei und die frische Bergluft duftet für einen Moment nach Frühlingswiese, bevor sie sich wieder in einem neuen Geruch verliert. Wenn André Walek sich auf seinem Lieblingsmotorrad, einer GS7, der letzten luftgekühlten BMW R 1200 GS, in Serpentinen über die Alpen in Richtung Bergamo schlängelt, ist es ihm egal, ob er als erster oder letzter auf einem Gipfel ankommt. Er tauscht Schnelligkeit lieber gegen das Wechselbad an Sinneseindrücken ein. Das erscheint ihm wichtiger.

Auch sonst im Leben schließt der Geschäftsführer der Nolangroup Deutschland viele Tauschgeschäfte ab. Mit Handelspartnern, Mitarbeitern und sogar mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Es sind keine Deals im Sinne von festvereinbarten Abmachungen. Es ist ein unausgesprochenes Geben und Nehmen, bei dem gegenseitiges Vertrauen die Rolle des Vertrags einnimmt.

Dieses Prinzip liegt ihm als gebürtiger Kölner im Blut und war ein Grund, warum er für die kaufmännische Ausbildung damals in der Nähe seiner Heimatstadt geblieben ist. Er lernte, wie man Sicherheitsschuhe und Karnevalstiefel verkauft, interessanter war aber, wie der „Kölsche Klüngel“ funktioniert. So nennen die Kölner die ihnen eigene Art, durch offenes und unverblümtes Auftreten ein breites Netzwerk aufzubauen, bei dem einer dem anderen aushilft. Erst kam der junge Azubi wenig in Kontakt mit den Händlern, die beim Betrieb einkauften. Aber als der für den Motorradbereich zuständige Außendienst den Dienst quittierte, gab der Chef ihm den Auftrag, „mal bei den Kunden nachzufragen, wie‘s so läuft.“ André Walek streicht sich lächelnd den dunkelbraunen Vollbart: „Das war der Anfang meines Motorradlebens.“

Nach Ausbildung und sieben Jahren bei einem belgischen Motorradhelm-Hersteller bot ihm 2004 die italienische Nolangroup die Geschäftsführung des deutschen Teams an. Sein Leben änderte sich damals radikal: Neuer Job, der Umzug vom geliebten Köln ins spießige Stuttgart und sein erster Sohn wurde geboren.

Mittlerweile hat er ein Team von 15 Festangestellten um sich herum aufgebaut, die alle irgendwann seinen Weg kreuzten und an ihm hängengeblieben sind. Wenn er über sein Team spricht, bahnt sich aus dem rechten Mundwinkel ein Lächeln an, das sich in ein breites Grinsen mit Grübchen verwandelt, um dann die braunen Augen aufleuchten zu lassen: „Motorrad wird bei uns gelebt. Wir schrauben gemeinsam an Mopeds und entwickeln gemeinsam neue Ideen und Strategien. Dabei ist eine unserer größten Stärken definitiv, dass wir so grundsätzlich verschieden voneinander sind.“ So unterschiedlich die Charaktere, vereint sie doch alle, dass sie den Deal, den André Walek ihnen anbietet, gerne eingehen. Claudia Hoppe, stellvertretende Geschäftsführerin und beste Freundin von André Walek erzählt: „Eines der Dinge, die ich an André so sehr zu schätzen weiß ist, dass er jeden im Team ungemein fördert. Wir können uns in jede Richtung entwickeln, die wir wollen. Gleichzeitig verlangt er natürlich auch, dass jeder alles gibt. Das ist nicht für jeden etwas, aber genau deswegen haben sich genau diese Leute um ihn herum gefunden.“

Der Rückhalt aus dem ganzen Team ist bei der Nolangroup Deutschland wichtig, denn hier geht man die Dinge gerne „out of the box“ an. Vor ein paar Jahren ging André Walek mit seinem Team einen neuen Weg und stellte einen eigenen Direktvertrieb zu Fachhändlern auf - der Schritt über die Großhändler sollte wegfallen. Davon musste erstmal die italienische Muttergesellschaft in Bergamo überzeugt werden. Aber auch hier hat sich das Prinzip der Gegenseitigkeit bewährt: „Natürlich profitieren wir davon, so ein großes und stabiles Unternehmen im Rücken zu haben. Dafür ist es nicht immer einfach, mit einem so großen Kahn den Kurs zu ändern. Aber weil wir unsere Ideen gut erklären können und uns das Ergebnis oft Recht gibt, genießen wir mittlerweile das nötige Vertrauen.“ Die schwierige Umstrukturierung verlangte dennoch nicht nur einen langen Atem, sondern auch, dass die Fachhändler als Partner mitziehen. Das hat geklappt – auch dank der gegenseitigen Loyalität, die der 47-Jährige durch ein langjähriges „sich einander die Stange halten“ aufgebaut hat.

Das Netzwerken, das für die Nolangroup Deutschland wichtig ist, um ihre Helme an den Motorradfahrer zu bringen, fordert nicht nur Wille, sondern auch Zeit. Messen, Events, Kundenbesuche in Bergamo – Wochenenden, die André Walek zuhause in Esslingen bei seiner Familie verbringt, sind selten. Aber die fehlende Zeit gleicht er damit aus, dass ein zufriedener Vater ein besserer Vater ist – das ist der Deal. Denn er braucht Nolan, das Motorrad, das „Da zu sein, wo etwas passiert“, um in sich zu ruhen. André Walek ist astreiner Kölner, aber man könnte nicht nur wegen der dunklen Haare meinen, dass auch ein klein wenig italienisches Blut durch seine Adern fließt. Claudia Hoppe erzählt: „André hat Spaß daran, offen auf andere zuzugehen und mit Menschen unterwegs zu sein. Er genießt den lockeren Umgang und die schönen, kleinen Dinge des Lebens wie sich vor dem Essen noch auf einen Aperitif zu treffen.“

Am meisten sozialisiert habe ihn aber nicht das Unterwegssein, sondern der zweijährige Zivildienst in einem Kinderdorf, erinnert André Walek sich an sein jüngeres Ich: „Es hat mich hart getroffen zu sehen, wie schlecht es anderen geht, konnte oft kaum schlafen. Die schlimme Zeit damals hat mich aber auch zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Ich habe gelernt, dass es mir nur besser geht, weil ich mehr Glück hatte als diese Kinder. Das hat mir die Perspektive auf mich selbst zurechtgerückt.“

Sein Antrieb ist deswegen gleichzeitig sein persönlichstes Tauschgeschäft: Der Zufall schenkt ihm die Chance auf eine gute Zeit. Nun ist es an ihm, die auch zu nutzen. Deswegen saugt André Walek den kurzen Duft einer Frühlingswiese ein, bevor sich der in einem neuen Geruch verliert.

(ID:46657973)