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Arge2Rad protestiert gegen Auto- und Zweiradfreies Wien

Die Wiener Innenstadt wird „autofrei“: Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) und Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) stellten heute in Wien das neue Verkehrskonzept vor. In Österreichs Motorradindustrie regt sich Widerstand gegen die Pläne.

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In Östereich wurden heute Pläne vorgestellt, die Wiener City komplett von Pkw und motorisierten Zweirädern zu befreien.
In Östereich wurden heute Pläne vorgestellt, die Wiener City komplett von Pkw und motorisierten Zweirädern zu befreien.
(Bild: Andreas N auf Pixabay)

Pressekonferenz heute in Wien: Vorgestellt wurde das neue Verkehrskonzept der Stadt Wien. Die Arge 2Rad, der Dachverband der österreichischen Motorradindustrie und Motorradimporteure, möchte zu den vorgeschlagenen Maßnahmen folgende Argumente in die Diskussion einbringen: „Wie sind entsetzt darüber, dass auch der einspurige Kfz-Verkehr in der Wiener City verboten werden soll“, so Karin Munk, Generalsekretärin der Arge 2Rad. „Gerade im urbanen Bereich bewährt sich der einspurige motorisierte Verkehr als sinnvolle Alternative zum Pkw: günstig, umweltfreundlich – in der Innenstadt sind zum größten Teil 125er Motorräder und Roller unterwegs, die einen CO2 Ausstoß von durchschnittlich 55 Gramm haben – und für alle sozialen Schichten in Anschaffung und Betrieb leistbar.“

Durch die alternative Nutzung von einspurigen Fahrzeugen könne wertvoller Parkraum für Anrainer bzw. notwendige Zufahrten geschaffen werden. Zudem würde seit mehreren Jahren die Elektromobilität durch Initiativen des Umweltministeriums gefördert, was diesem Segment erfreulich hohe Zuwachsraten beschert habe. Vor diesem Hintergrund wäre ein Verbot von Elektrofahrzeugen in der Wiener Innenstadt für viele Konsumenten, die auf Elektromobilität setzen, nicht nachvollziehbar und eine große Enttäuschung. Auf die Vorschläge verkehrsberuhigter Zonen in der Inneren Stadt der TU-Wien und der IVS (Verkehrssystemplanung), die motorisierte Einspurige definitiv ausnehmen, sei leider nicht eingegangen worden.

Die Arge2Rad bringt weitere allgemeine Fakten Pro motorisiertes Zweirad:

- Motorräder, Mopeds und Roller verursachen pro Personenkilometer durchschnittlich weniger Treibhausgasemissionen als Pkw. Wenn alle mit dem Motorrad, Roller oder Moped gefahrene Kilometer stattdessen mit dem Auto gefahren würden, hätte Österreich einen um rund 108.000 Tonnen höheren CO2-Ausstoß pro Jahr (Besetzungsfaktor fast identisch);

- Der niedrigere, staubedingte Treibstoffverbrauch von Motorrädern, Rollern und Mopeds erspart den Fahrern Treibstoffausgaben von 4,2 Millionen Euro jährlich im Vergleich zur Nutzung eines Autos;

- Motorräder, Roller und Mopeds benötigen deutlich weniger Parkraum als Pkw, wodurch sich auch die Parkplatzsuchkosten verringern;

- Durch das Erwerbspendeln mit dem Motorrad, Roller oder Moped entsteht ein Zeitgewinn mit einem Wert von insgesamt 2,7 Millionen Euro pro Jahr verglichen mit Erwerbspendeln per Pkw. (Quelle: VCÖ Angaben; 2,1 Cent externe Parkplatzsuchkosten pro Pkw);

- Verglichen mit dem Auto belaufen sich die Fahrzeitersparnisse von Motorrädern und Mopeds auf einen Wert von 25,7 Millionen Euro jährlich (Quelle: Studie „Der ökonomische und ökologische Fußabdruck der Motorradwirtschaft in Österreich“ von Economica GmbH).

Argumente pro Elektromobilität:

- 14 Prozent beträgt aktuell der Anteil der Elektromopeds und -roller am gesamten Markt (Klasse L1);

- Mehr als 35 Modelle sind auf dem Markt zu haben, jedes Jahr kommen rund 5 bis 10 Modelle dazu;

- Jährliches Wachstum des Marktes von durchschnittlich 20 Prozent;

- Keine Infrastruktur (Ladestationen für L1) notwendig;

- Sharing- und Verleihplattformen im urbanen Bereich entwickeln sich gut;

- Hohes Bewusstsein junger Menschen beim Thema Decarbonisierung;

- Elektromobilität garantiert gleichzeitig die Individualität in der Mobilität für diejenigen, die das wollen;

- Annahme: bis 2030 werden 50 Prozent der Mopeds und Roller (L1) elektrisch fahren;

- Sinnvolle Förderungen von L1- und L3-Klassen durch das Umweltministerium und die Zweirad-Importeure bis Ende 2020.

„Grundsätzlich begrüßt die Zweiradbranche Weiterentwicklung und sinnvolle Maßnahmen, um die urbane Mobilität weiter zu verbessern. Wir würden uns wünschen, in den nun gestarteten Dialog miteinbezogen zu werden und gemeinsame Lösungen zu finden. Wir sind offen für Gespräche und bringen auch selbstverständlich unsere Expertise in das Thema ein – die Zweiradimporteure und -hersteller sind auch international bestens vernetzt und können auf wertvolles Know-how und Erfahrungen mit Verkehrskonzepten auf der ganzen Welt zurückgreifen. Darin zeigt sich weltweit, wie bedeutsam der einspurige Verkehr als eine der Mobilitäts-Säulen im urbanen Bereich ist. Veränderung funktioniert am besten miteinander – dort wo Politik, Bevölkerung und Wirtschaft gemeinsam auf Augenhöhe an einem Tisch diskutieren, dort kann ein optimaler Interessensausgleich erfolgen und eine innovative Lösung gefunden werden, die Wien als weltweite Vorreiterstadt verdient hat“, so Karin Munk abschließend.

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