Wie bitte? Das CO₂ für die Fahrt wurde nicht aus der Umgebungsluft entnommen, sondern den Faultürmen des Mannheimer Klärwerks, denn dort wird Klärschlamm unter Ausschluss von Luft durch Mikroorganismen zersetzt. Das CO₂, das man nicht für den Methanol-Sprit benötigt, wurde mit einem zusätzlichen Katalysator demnach zu festem Kohlenstoff umgewandelt – so werde die „Klimapositivität“ erreicht, so Obrist, der in diesem Bereich bereits über 200 Patente angemeldet habe.
Das Verfahren basiert auf der Umwandlung von CO₂ und Wasser mithilfe von Sonnenenergie in „grünes“ Methanol. Wird das Konzept skalierbar, könnte es der Auto- wie Motorradbranche neue Optionen eröffnen, denn elektrische Antriebe stoßen hier an Grenzen: Gewicht, Reichweite und Ladezeiten reißen die Kunden gegenwärtig nicht gerade in Scharen vom Hocker und bremsen den Fortschritt.
Synthetisches Methanol dagegen lässt sich flüssig speichern und in modifizierten Verbrennungsmotoren nutzen – schnell betankbar und mit vorhandener Technik kompatibel. Für viele Hersteller wäre das eine praktikable Brückentechnologie, um Nachhaltigkeit und Fahrspaß zu vereinen.
Ob sich Obrists „klimapositive“ Vision tatsächlich verwirklichen lässt, bleibt offen. Entscheidend wird sein, ob die CO₂-Bilanz im industriellen Maßstab hält und ausreichend grüne Energie zur Verfügung stellt. Doch das Experiment rückt ein Thema ins Licht, das auch für Zweiradhersteller relevant wird: Kohlenstoffbasierte Kraftstoffe müssen nicht fossil sein.
Obrists Rekordfahrt ist kein bloßer PR-Gag, sondern ein Denkanstoß. Für die Motorradbranche zeigt sie: Nachhaltigkeit kann auch ohne Batterie funktionieren – und der Sound der Zukunft muss nicht leise sein, um sauber zu klingen.
Was meint ihr? PR-Gag oder seriöses Plädoyer für mehr Technologieoffenheit und contra dogmatischem Festhalten am Verbrennerverbot?
