Die Lehren aus 2025? Etwas günstigere Rahmenbedingungen für Besucher: „Parken zehn Euro, ne Currywurst 8,80 Euro, Eintritt 20 Euro, es kommt drauf an warum man hinkommt und was man erleben möchte“, fasste es Intermot-Besucher und Zweirad-Enthusiast Torsten Thimm auf Facebook zusammen.
Eine große Weltneuheit? Auch 2026 wieder Fehlanzeige. Der Premierenzug ist längst in Richtung Mailand abgefahren und somit wirkten die zwei Hallen nochmals luftiger. Bekleidungs- und Zubehöranbieter sowie Clubs wie Kuhle Wampe, Biker Church Fulda, Verkehrswacht Düren oder Streetbunnycrew füllten das Vakuum. Laut offizieller Ausstellerliste waren rund 140 Aussteller am Start, 50 weniger als 2024!
An den beiden ersten „Fachbesuchertagen“ konstatierten wir von zehn bis 14 Uhr guten bis sehr ordentlichen Besucher-Traffic, dann wurde aber aus dem Strom schnell ein Rinnsal und die Aussteller drehten Däumchen oder fachsimpelten untereinander. Das galt im selben Maße auch für „lebendigen“ Endverbraucherverkehr am Wochenende, zumindest in der „Kernanwesenheitszeit“ vom späten Vormittag bis zum frühen Nachmittag.
Auf der Creator-Stage von Star FM Rock diskutierte ich zusammen mit Uwe Seitz von Motorrad (und designierter IVM-Hauptgeschäftsführer) und Nils Müller von 1000 PS vor gefühlt 13,5 Zuhörern. Blamabel? Kann man so sehen – aber Uwe, Nils und ich hielten mit Radiomoderator Alex Wind nach Kräften dagegen.
Fest steht: Die traditionsreichen Schwergewichte der Motorradwelt hielten der Messe die Treue: Die japanischen Big Four, Triumph und BMW nutzten Köln weiterhin als Schaufenster für ihre 2026er Neuheiten. Royal Enfield ist mit an Bord, Yamaha stemmte erneut einen der größten Stände auf dem Gelände und der Stromer-Pionier Zero Motorcycles ließ seinen neuen charismatischen CEO Pierre-Martin Bos schaulaufen! Norton, die britische Kultmarke mit indischen Eignern (TVS) nutzte die Chance und übernahm wie selbstverständlich die visuelle Führerschaft der Intermot und griff in der Premium-League an.
Weiterer Pluspunkt der Messe: Fans und Händler konnten alles anfassen, probesitzen und vergleichen (zumindest, das was, da war) – ein frühes Klassentreffen der Branche, das den Puls hebt und die Vorfreude auf die neue Saison nährt. Wheelie-Simulator, Stuntshows und eine Creator-Bühne in Halle 8 mit reichlich Influencer-Power zementierte Akzente. Klasse fand ich auch den IVM-Schrauber-Nachwuchs-Wettkampf mit den zwei Azubi-Mädels Magali Thome und Emma Visser on top of the elite! Role models in einer an Fachkräften darbenden Branche! IVM-Präsident Mike Sommer persönlich übergab die tollen Preise.
Wermutstropfen? Gab es jede Menge – leider. Denn schmerzlich vermisst wurden wichtige Player wie KTM, Harley-Davidson, Ducati, Piaggio, Aprilia, Moto Guzzi, MV Agusta. Ihr Budget-Pulver in Mailand verschossen zu haben scheinen zudem die revolutionären chinesischen und indischen Angreifer wie QJ Motor, CF Moto, Voge, TVS oder Hero & Co. Für sie ist der deutsche Markt ein wichtiger Zukunftsmarkt, sie hätten in Köln nicht fehlen dürfen! Wirbeln sie den Markt doch kräftig durcheinander. Immerhin war am Stand des Beta-und Stark Future-Händlers OSK Racing Team der aufstrebende China-Produzent Zontes am Start.
Starkes Signal für die Renaissance der Messe: Yamaha und Honda haben ihre großen Händlermeetings direkt in Köln stattfinden lassen. Die neuen Honda EV-Modelle konnten in einer eigenen Halle der Messe (unter Ausschluss der Öffentlichkeit) von den Dealern Probe gefahren werden. Das ist ein Vertrauensbeweis in die Plattform Intermot – und zeigt, dass die Branche die Messe nicht nur als Schaufenster, sondern als Fixpunkt für Austausch, Strategie und Gemeinschaft begreifen sollte. Plädoyer der Stunde: Industrie, bündelt eure Energien!
Das Nörgeln und Kritisieren an der Messe ist berechtigt und gehört zur bitteren Wahrheit. Bei aller Freude an positiven Verbesserungen am Messekonzept wie dem verstärkten Einsatz von Influencern zur Erhöhung der digitalen Sichtbarkeit der Zweiradbranche beim Nachwuchs. Leider wie 2024 wieder weitestgehend versteckt hinter dem Foodcourt. Dieses Thema hätte aber zentraler auf der Messe platziert werden müssen, zum Beispiel direkt auf dem Boulevard zwischen Halle 7 und 8. Das für viele Tourenfahrer wichtige Reisethema fehlte fast komplett. Lediglich Andreas Hülsmann von »MotorradABENTEUER« hielt das Thema am Stand des Syburger Verlags am Köcheln.
Dem für die Messe ideell zuständigen Industrieverband-Motorrad rufe ich zu: „Vergattert“ eure Mitglieder, die der Intermot ferngeblieben sind, und stellt sie vor die Wahl: Wollt ihr das Kölner Event im nächsten Jahr wieder nach vorne bringen oder verschärft ihr den Trend, dass Deutschlands einst international vorzeigbare Motorradmesse zum Auslaufmodell wird? It’s up to you: Hat der (internationale) Motorrad-Messestandort Deutschland eine Zukunft oder geht er den Bach runter? Die anwesenden Aussteller gaben alles, die ihr ferngeblieben sind, sahen sich genau darin bestätigt. Ein fatales System, das durchbrochen werden muss!
Meine Empfehlung an die Intermot-Macher: Drückt den Reset-Knopf, stärkt die Community und bietet der Branche wieder eine selbstbewusste Bühne, die mutig Perspektiven schafft und Hoffnung stiftet. Dann könnte Köln ein Ort bleiben, an dem sich die Zukunft des deutschen Motorradmarkts formt. Allerdings nur dann, wenn man willens ist, den disruptiven (Reform)-Hebel umzulegen und neuen Ideen Platz zu geben.
