Damit sichert sich das Unternehmen die Chance auf eine geordnete Sanierung, während der komplette Geschäftsbetrieb in Jüchen sowie in allen Filialen ohne Einschränkungen weiterlaufen soll. Die Löhne und Gehälter der rund 700 deutschen Beschäftigten seien über das Insolvenzgeld zunächst bis Januar 2026 abgesichert, heißt es aus der Firmenzentrale in Jüchen.
Auslöser für den Schritt sei die wirtschaftliche Großwetterlage: Trotz ordentlicher Umsatzentwicklung sorgte die branchenweit spürbare Kaufzurückhaltung für Druck auf die Liquidität. Die Standorte in der Schweiz und Österreich bleiben außen vor. Der deutsche Motorradmarkt selbst hängt aktuell rund 50.000 Neuzulassungen hinter dem Vorjahr zurück.
Andrew Thorndike, CEO der Polo Motorrad und Sportswear GmbH, sagt: „Der Antrag ist der richtige Schritt, um unsere Zukunftsfähigkeit zu sichern.“ Polo habe sich in den vergangenen Jahren bereits zu einem wesentlichen Teil und aus eigener Kraft saniert, vor allem mit dem Ausbau des Eigenmarken-Geschäftes. „Wir haben jedoch erkannt, dass es uns ohne die zusätzliche Unterstützung des gerichtlichen Verfahrens nicht gelingen wird, unser Unternehmen langfristig zu entschulden und unabhängiger zu machen.“
Begleitet wird der angeschlagene Filialist von einem auf Unternehmenssanierungen spezialisierten Team um Prof. Dr. Volker Römermann, Rechtsanwalt und Vorstand der Römermann Rechtsanwälte AG. Gemeinsam mit der Geschäftsführung wolle das Team nun in den kommenden Monaten für Polo eine langfristige Zukunftsperspektive erarbeiten.
Prof. Dr. Volker Römermann erklärt: „Das Eigenverwaltungsverfahren bietet die Möglichkeit, die Sanierung strukturiert und in Zusammenarbeit mit den Gläubigern umzusetzen. Ziel ist es, das Unternehmen trotz der aktuellen Herausforderungen stabil zu halten, Arbeitsplätze zu sichern und die Marke langfristig zu stärken.“ Es gehe hauptsächlich darum, das Vertrauen der Kunden und Geschäftspartner zu schützen und sicherzustellen, dass Polo nach Abschluss des Verfahrens gestärkt aus der Sanierung hervorgehe.
Polo gehört seit Jahrzehnten zu den prägenden Namen der Branche, mit über 95 Stores in Deutschland und einem starken Onlinebusiness. Die Marke hat schon so manche Turbulenz überstanden und befand sich immer wieder in der Hand von wechselnden Investmentfonds wie Equistone oder Ares Private Equity Group.
