Reboot im Februar 2027
Foto: Koelnmesse

Intermot

Reboot im Februar 2027

Die Intermot erfindet sich mal wieder neu – und zwar nicht zaghaft, sondern mit einem Paukenschlag zum Saisonstart. Das Event mit dem Anspruch, eine nationale Leitmesse für die Motorradbranche zu sein, soll vom 12. bis 14. Februar 2027 in Köln über die Bühne gehen. Das hat die außerordentliche Mitgliederversammlung des Industrie-Verbands Motorrad (IVM) ergeben, auf der der neue IVM-Hauptgeschäftsführer Uwe Seitz zusammen mit seinen Vorstandskollegen und den Mitgliedern mit über 80-prozentiger Zustimmung seine erste wichtige Entscheidung getroffen hat.

Rückblick 2025: Licht und Schatten dicht beieinander
2025 zeigte, was möglich ist – und wo Luft nach oben bleibt. Mit BMW, Honda, Kawasaki, Norton, Royal Enfield, Suzuki, Triumph und Yamaha waren starke OEM vertreten. Dennoch: Zwei Hallen waren nur knapp gefüllt. Substanz war da, Größe fehlte.

Was funktionierte, war die Inszenierung. Die Creator Lounge & Stage in Kooperation mit Star FM erzeugte über 40 Millionen Social-Media-Kontakte auf Facebook, Instagram, YouTube und TikTok. Der Playground mit Stunt- und Drift-Action sowie Racing- und Talk-Formate sorgten für Resonanz weit über das Messegelände hinaus. 40 Prozent der Besucher waren unter 40 Jahre alt. Ein Signal, dass sich auf einem solchen Event sowohl die markttragenden Baby Boomer als auch der Bikernachwuchs wohlfühlen können.

Auch der Handwerksnachwuchs rückte ins Rampenlicht: Die #motorradazubi Challenge des IVM machte die Ausbildung in Zweirad- und Kfz-Mechatronik mit Schwerpunkt Motorrad sichtbar – und zeigte, welches Potenzial in der nächsten Generation steckt. Creator Day und Creator Lounge wurden zu Hotspots einer jungen, digital affinen Zielgruppe, die Messeerlebnis und Reichweite unmittelbar miteinander verknüpft.

2026 pausiert die Intermot. Doch im Frühjahr 2027 – vom 12. bis 14. Februar – kehrt sie zurück. Drei Tage statt vier. Vier Hallen statt zwei. Und vor allem: mit klarem Machtanspruch.

Neuer Termin, neue Strategie, klares Signal
Die Verlegung in den Februar soll kein kosmetischer Eingriff sein, sondern eine strategische Neupositionierung. Der Saisonauftakt soll künftig in Köln stattfinden – als Leitmesse mit Vollsortiment: Motorräder, Roller, Zubehör, Bekleidung, Reisen, Dienstleistungen.

Die Branche demonstriert Geschlossenheit. Führende Hersteller und Zulieferer bekennen sich öffentlich zur neuen Intermot, allen voran BMW, Honda, Yamaha, Royal Enfield, Zero, 2Ride Germany, Stadler, Pirelli oder Motul, um nur einige zu nennen.

Das Ziel ist aus Sicht der Intermot-Macher ist klar formuliert: Deutschland braucht eine zentrale, überregionale Motorradmesse. Eine Plattform, auf der Industrie, Handel, Medien, Verbände und Politik zusammenkommen. Eine Bühne für B2C und B2B gleichermaßen.

IVM und Koelnmesse treiben die Weiterentwicklung voran. Nach dem Beschluss der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom 10. Februar 2026 wird die Intermot deutlich früher im Jahr positioniert – als Fixstern zum Saisonstart. Uwe Seitz spricht vom „Zweiraderlebnis der besonderen Art“. Koelnmesse-Geschäftsführer Oliver Frese setzt auf internationale Strahlkraft und klare Leitfunktion.

Business und Community sollen bewusst verzahnt werden. Kaufentscheidungen werden im Februar vorbereitet – genau hier will die Intermot Impulse setzen, insbesondere in den margenstarken Bereichen Zubehör, Bekleidung, Helme und Reifen. Vor allem in den Reihen der IVM-Fördermitglieder sei ein „ehrliches  Hurra“ zu hören gewesen, so Uwe Seitz im Gespräch mit bike & business. Einige abtrünnige Marken überlegten demnach sogar wieder IVM-Mitglied zu werden. Der neue IVM-Heerführer versteht es offenbar, die Truppen zu vereinen. Eine Chance für die Messe als Netzwerkbühne und wirtschaftlicher Taktgeber.

Konfrontation oder Konsolidierung?
Mit dem Februar-Termin geht Köln allerdings auf direkten Kollisionskurs mit regional etablierten Motorradmessen in Leipzig, München, Hamburg und Dortmund. Besonders Dortmund, seit 41 Jahren fest im Markt verankert und geografisch in unmittelbarer Nähe zu Köln, steht im Fokus der Diskussion.

Kritiker sprechen von einem drohenden Verdrängungswettbewerb. Kolportiert wird ein möglicher „Messekampf“ der Gesellschaften, die um Aussteller, Besucher und letztlich um wirtschaftliche Existenz ringen. Die Frage steht im Raum: Verträgt der deutsche Markt mehrere parallel terminierte (regionale) Motorradveranstaltungen im Saisonfenster? Uwe Seitz beschwichtigt gegenüber bike & business: „Eine zweite kleine Regionalmesse in NRW wird es nicht geben.“

Ob sich der Markt neu sortiert oder ein Nebeneinander bestehen bleibt, wird 2027 zeigen. Jetzt muss das Konzept liefern. Wenn vier Hallen gefüllt, Community und Business intelligent vernetzt und die nationale (wie internationale?) Strahlkraft tatsächlich gestärkt werden, könnte sich Köln zum Saisonauftakt 2027 zum zentralen Taktgeber des deutschen Motorradmarktes aufschwingen.

Die Ausgangslage ist spannend. Und Spannung ist bekanntlich der erste Funke jeder guten Zündung.

Stephan Maderner

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