Der wiedergewählte Bundesinnungsmeister Franz-Josef Feldkämper aus Ibbenbüren hielt im öffentlichen Teil der Versammlung eine Rede an die Zweiradnation (Motorrad und Fahrrad), die wir mit freundlicher Genehmigung des Verfassers an dieser Stelle abdrucken:
„Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
verehrte Partner aus Wirtschaft, Presse und Bildung,
wir stehen heute in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen – wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich. Die Fahrrad- und Motorradbranche ist mitten in diesem Wandel nicht Zuschauer, sondern Akteur. Und das Zweiradhandwerk, unsere Innungen und Betriebe, bilden dabei das Rückgrat einer Mobilität, die in Deutschland jeden Tag wichtiger wird.
In den vergangenen Jahren haben wir erlebt, wie volatil Märkte sein können. Der Fahrradmarkt hat sich nach dem großen Boom normalisiert. Wir sehen verschobene Nachfrage, gestiegene Preissensibilität und gleichzeitig eine weiterhin enorme Bedeutung des E-Bikes für Alltagsmobilität. Der Motorradmarkt zeigt starke, aber schwankende Zulassungszahlen, ein vergleichsweise älteres Kundensegment – und zugleich neue Chancen durch Elektrifizierung, Digitalisierung und urbane Mobilitätsformen.
Doch bei allen Herausforderungen haben uns die Analysen der letzten Monate eines besonders deutlich gezeigt:
Die Zukunft des Zweiradhandwerks liegt im Service, in der Kompetenz und im Vertrauen der Menschen.
Unsere Werkstätten sind der Stabilitätsanker der gesamten Branche. Die wachsende Komplexität von E-Bike-Antrieben, moderner Elektronik an Motorrädern, Batterietechnologien und digitalen Assistenzsystemen macht das Zweiradhandwerk unersetzbar. Kein Onlinehändler und keine Fernwartung können das ersetzen, was qualifizierte Fachkräfte jeden Tag leisten: Sicherheit garantieren, Mobilität erhalten, echte Beratung und persönlichen Service bieten.
Deshalb ist es so wichtig, dass wir in Ausbildung, Meisterqualifikation und berufliche Fortbildung investieren. Wir brauchen nicht nur gute, sondern exzellent ausgebildete Zweiradmechatronikerinnen und -mechatroniker. Wir brauchen Meisterinnen und Meister, die Betriebe führen, Innovationen einführen und die nächste Generation prägen. Und wir brauchen Fortbildungsstrukturen, die so schnell sind wie der technische Fortschritt selbst.
Gleichzeitig sehen wir, dass der Markt neue Chancen bietet.
Im Fahrradhandel wächst der Bedarf an professionellen Werkstattservices, an Leasing- und Versicherungsmodellen, an Gebrauchtprogrammen und an Lösungen für Pendler, Familien und Unternehmen. Im Motorradbereich wird die Kombination aus klassischem Premiumsegment, moderner Elektronik, urbaner Mobilität und E-Antrieben zu einer wichtigen strategischen Weichenstellung. Händler, die sich klar positionieren, profitieren.
Doch all dies gelingt nur, wenn wir als Branche gemeinsam handeln.
Wir müssen:
• unsere Werkstätten weiter professionalisieren,
• Diagnostik- und Akkukompetenzen ausbauen,
• digitale Kundenkontakte stärken,
• Betriebsnachfolge aktiv gestalten und
• die Vorteile unserer Innungsorganisation nutzen, um Einkauf, Ausbildung und Innovation voranzutreiben.
Wir wissen: Die wirtschaftliche Unsicherheit in Deutschland wirkt auf Konsumverhalten und Nachfrage. Aber gleichzeitig steigt die Bedeutung nachhaltiger, effizienter, flexibler Mobilität – und genau dort sind wir zu Hause. Zweiräder sind klimafreundlich, platzsparend, kostengünstig und für viele Menschen der Schlüssel zur individuellen Freiheit.
Das macht unsere Branche nicht nur wirtschaftlich relevant, sondern gesellschaftlich unverzichtbar.
Lassen Sie uns dieses Momentum nutzen.
Lassen Sie uns die Stärke unseres Handwerks sichtbar machen.
Und lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass unsere Betriebe – vom kleinen Familienunternehmen bis zum großen Händler und Servicezentrum – auch in den nächsten Jahrzehnten erfolgreich, innovativ und attraktiv bleiben.
Ich bin überzeugt: Die Zukunft gehört jenen, die Wandlung nicht fürchten, sondern gestalten. Und das Zweiradhandwerk in Deutschland hat alles, was es dafür braucht: Kompetenz, Zusammenhalt und Begeisterung für Mobilität.
In diesem Sinne: Packen wir es gemeinsam an. Für unsere Betriebe, für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – und für die Mobilität der Zukunft.“
