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Ausbildertagung: Getriebe, ABS und Schutzschilder

Autor / Redakteur: Edgar Schmidt / Edgar Schmidt

Die bundesweite Ausbildertagung der Gewerbeakademie Freiburg hat sich in zwischen zu einer der Top-Weiterbildungsveranstaltungen für Trainer und Ausbilder im Zweiradmechaniker-Handwerk entwickelt. Bei der siebten Auflage konnten sich die Teilnehmer fundiertes Know-how in Sachen Fahrrad- und Motorradtechnik aneignen und erfuhren, wie das Motorrad der Zukunft aussehen könnte.

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Die Themen auf der Ausbildertagung regten immer wieder zu intensiven Dikussionen in den Pausen an.
Die Themen auf der Ausbildertagung regten immer wieder zu intensiven Dikussionen in den Pausen an.
(Bild: Schmidt/»bike und business«)

Bereits zum siebten Mal konnten sich Ausbilder und Trainer von Bildungszentren sowie Berufsschullehrer Mitte Mai auf einer bundesweiten Ausbildertagung in der Gewerbeakademie der Handwerkskammer Freiburg selbst weiterbilden. Das Team der Akademie um Joachim Rapp hatte wieder ein spannendes und äußerst informatives Programm zusammengestellt. Schon traditionell teilt sich die Veranstaltung in einen Tag für Fahrradthemen und einen Tag für Motorradthemen, außerdem stellt der Bundesinnungsverband die neuesten Entwicklungen bei den Zweiradberufen vor.

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Zusätzlich hatten die Teilnehmer in diesem Jahr erstmals die Gelegenheit, in einem eintägigen Workshop selbst zum Werkzeug zu greifen und sich mit der neuesten Fahrradtechnik von Shimano vertraut zu machen. Frank Prüwer, Abteilungsleiter Kundendienst bei Shimano/Paul Lange zeigte darin zum Beispiel den fachgerechten Umgang mit hydraulischen Scheibenbremsen in der Werkstatt. Unter anderem die Scheibenbremsen belegen, dass sich die Technik von nichtmotorisierten und motorisierten Zweirädern immer stärker ähnelt.

Zentralgetriebe für Fahrräder

Das zeigte auch André Effe vom Getriebehersteller Pinion. Das von ehemaligen Porsche-Entwicklern gegründete Unternehmen produziert zentral angeordnete Zahnradgetriebe mit 6 bis 18 Gängen, die bewusst Pkw-Getrieben nachempfunden worden sind. Die Vorteile sind laut Effe: Die Getriebe sind verschleißfrei, vor Verschmutzungen geschützt, einfach zu bedienen und haben nur einen geringen Wartungsauffwand. Darüber hinaus lassen sich Bowdenzüge mit wenigen Handgriffen und ohne anschließende, aufwendige Einstellungsarbeiten wechseln. Allerdings müssen Fahrradwerkstätten durch diese Getriebe an Fahrrädern erstmals regelmäßig einen Ölwechsel vornehmen. Dann gewährt Pinion auf die Getriebe eine Garantie von fünf Jahren.

Wichtige Speichenspannung

Markus Grosserüschkamp vom Fahrradkomponenten-Hersteller DT Swiss erläuterte den Teilnehmern die Bedeutung der Speichenspannung für ein gutes Fahrverhalten und die Haltbarkeit von Laufrädern. Er zeigte in seinem Vortrag zum Beispiel auf, welche Einflussfaktoren auf die Spannung wirken und wo bzw. wie man die Spannung richtig und sicher messen kann. Laut Grosserüschkamp ähneln die Felgen von Moutainbikes zunehmend denen von Motorrädern, weil bei diesen Rädern die Belastungen immer höher werden. Insbesondere für E-Mountainbikes fertigt DT Swiss inzwischen verstärkte Felgen.

Helmpflicht für S-Pedelecs

Um die rechtlichen Besonderheiten von E-Bikes und Pedelecs ging es im Vortrag von Antonio Fusco von der Polizeihochschule Baden Württemberg. Weil es immer wieder andere Darstellungen gibt, betonte er beispielsweise, dass für die schnellen, sogenannten S-Pedelecs, deren Elektromotor seine Unterstützung erst bei 45 km/h einstellt, eine Helmpflicht gilt. Und zwar für Helme, die nach ECE-R 2205 geprüft sind – wie auch Motorradhelme. Fahrradhelme eigneten sich hier nicht und stellen einen Verstoß gegen die Helmpflicht dar. Die Polizei versuche hier nicht die S-Pedelc-Fahrer zu schikanieren sondern hätte schlicht keinerlei Ermessensspielraum, weil diese Vorschrift so in der Straßenverkehrsordnung festgelegt sei. Werkstätten müssen laut Fusco auch darauf achten, dass sie bei einem S-Pedelec nicht mehr einfach defekte Teile durch ähnliche ersetzen können. Der Hintergrund: Viele Teile eines Pedelecs sind in der Typgenehmigung festgelegt. Deshalb dürfen zum Beispiel Reifen oder Teile der Bremsanlage nur durch gleiche Teile ersetzt werden, die den in der Betriebserlaubnis aufgeführten Teilen entsprechen.

Schutzschild für Motorräder

Aktuelle und künftige Motorradtechnik zeigte Achim Haller von Bosch. Er erläuterte zum Beispiel den Unterschied zwischen verschiedenen ABS-Systemen bei Motorrädern sowie die Funktion der Motorrad Stabilitätskontrolle und zeigte die Möglichkeiten und Grenzen dieser Assistenzsysteme auf. Haller wies auch darauf hin, dass das ABS immer sehr genau auf die original Fahrwerke und Bremsanlagen abgestimmt ist. Deshalb könne es durchaus zu Problemen bei der ABS-Funktion kommen, wenn eine Werkstatt Änderungen am Fahrwerk oder an der Bremsanlage vornimmt.

Als Trend für die nahe Zukunft zeigte er die zunehmende Vernetzung der Motorräder mit ihrer Umwelt auf. So könne künftig die Vernetzung von Bike und Auto für eine digitale Sichtbarkeit von Motorrädern sorgen und auf diese Weise Unfälle verhindern. Nach Angaben von Bosch gab es zum Beispiel allein in Deutschland im Jahr 2016 zirka 30.000 Motorradunfälle, von denen rund 600 tödlich endeten. Eine der Hauptursachen war, dass die Zweiradfahrer schlicht übersehen wurden. Genau hier kann die Vernetzung einen Schutzschild für die Motorräder schaffen, weil sowohl Motorradfahrer als auch Autofahrer über die Position des jeweils anderen informiert werden. Nach einer Schätzung der Bosch Unfallforschung könnte die Motorrad-zu-Fahrzeug-Kommunikation nahezu jeden dritten Motorradunfall vermeiden.

Und weil das Zweirad-Handwerk für die immer anspruchsvoller werdende Technik gut ausgebildeten Nachwuchs braucht, arbeitet der Bundesinnungsverband derzeit an einem Projekt, das den Berufsschulunterricht wieder näher an die Betriebe bringen soll. Bundesinnungsmeister Frank Döring möchte damit verhindern, dass Schüler eine Ausbildung im Zweiradmechaniker nur deshalb ablehnen, weil sie damit einen weiten Weg in die Berufsschule in Kauf nehmen müssten. Außerdem arbeitet der Verband immer noch intensiv an der Neuordnung der Meisterausbildung. Hier sei zum Beispiel noch nicht geklärt, welchen Umfang künftig das Meisterprüfungsprojekt einnehmen solle. Dieser Frage soll sich künftig ein Arbeitskreis aus Ausbildern annehmen.

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