Suchen

Autofahren mit 16 – Sargnagel für den Mopedführerschein?

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 17/2018/I), Folge 590: Die Lobby der Pkw-Industrie legt sich mächtig ins Zeug, den Einstieg ins Autoleben so frühzeitig wie möglich...

Firmen zum Thema

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Business Media)

...zu ermöglichen. Jetzt haben die Verkehrsminister der Länder einen Vorschlag gebilligt, wonach Jugendliche schon mit 16 begleitet Auto fahren dürfen sollen. Den Vorstoß hatten u.a. Schleswig-Holstein und Niedersachsen gemacht. Thilo Rohlfs, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein, erklärte bei der Frühjahrskonferenz der Minister jüngst in Nürnberg: „Begleitetes Fahren ab 16 Jahren rückt ein Stück näher.“ Dafür müsse allerdings noch die EU-Kommission überzeugt werden. Bislang gelte in der EU für den Autoführerschein das Mindestalter 17. Laut Rohlfs wird sich der EU-Führerschein-Ausschuss im Herbst mit dem Thema befassen. Der Pilotversuch könnte also noch in diesem Jahr an den Start gehen. Das begleitete Fahren ab 17 wurde bei uns 2004 eingeführt.

Der politische Vorstoß, es Jugendlichen zu erlauben, bereits im Alter von fünfzehneinhalb Jahren zu beginnen, in Begleitung Erwachsener Auto zu fahren, setzt die Zweiradbranche weiter unter Druck. Warum sollte sich jemand mit 16 auf einen Roller oder ein Zweirad setzen, wenn er sich gleich ans Autosteuer setzen kann – ist doch eh' alles bequemer und safer im Auto; für Mamas und Papas und die Großeltern ist das Zweirad ohnehin gefährliches Teufelszeug!? Der Führerschein AM (der klassische Roller-Führerschein, maximal 4 kW Leistung und 45 km/h Spitze) könnte nicht nur aus ökonomischer Vernunft heraus sondern rein auch aus Gründen der Altersdemografie zum Auslaufmodell werden. Zwar wurde gerade erst der seit 2013 in allen neuen Bundesländern laufende Modellversuch AM mit 15 bis ins Jahr 2020 verlängert – doch ist ziemlich unklar, ob der Gesetzgeber an der Lizenz zum Zweiradfahren so schnell etwas ändern wird.

Fraglich ist zudem, ob die Jugendlichen, denen man von Politikseite das Autofahren mit 16 schmackhaft macht, dann überhaupt noch den Führerschein der Klasse A1 (der Schein für 125er-Maschinen, maximal 125 cm³ Hubraum und 11 kW Leistung) ernsthaft in Erwägung ziehen. Zwar ermöglicht die lange umkämpfte aber nun erfolgte Aufgabe des Tempolimits von 80 km/h in dieser Einstiegsklasse wieder mehr Moped-Fahrfreuden und sichereres Vorankommen auf unseren Straßen, doch wird der gesellschaftliche Diskurs (und die Schlagzeilen) leider fast ausschließlich von der Gefährlichkeit des zweirädrigen Fortbewegungsmittels dominiert.

Last but not least: Leider bestehen kaum Hoffnungen, dass auch die Forderungen der Abschaffung des für viele unsinnigen 45-km/h-Tempolimits für die kleinen Roller bei den Verkehrspolitkern Gehör finden werden. Wohl wissend, dass die durchschnittliche Fließgeschwindigkeit im Innenstadtverkehr bei knapp 60 Sachen liegt. Ungefährlich Mitschwimmen ist da für einen Rollerfahrer ein Ding der Unmöglichkeit, vom Mofa (das man immerhin schon mit 15 Jahren legal bewegen darf, Führerschein natürlich vorausgesetzt) mit seiner halsbrecherischen V-Max von 25 km/h ganz zu schweigen.

Auch das Führen von Rollern auf Fahrradwegen, selbst wenn sie elektrisch betrieben werden, ist hierzulande leider ein absolutes Tabu, selbst wenn da inzwischen Pedelecs (erlaubt oder nicht erlaubt) mit höheren Tempi über die Piste sausen. Vorteile sucht man als Zweiradfahrer hierzulande verzweifelt. Deutschland, einig Autoland!

(ID:45261731)

Über den Autor