BBS Burgdorf: Anlaufstelle für Zweirad-Aspiranten

Azubis gesucht

| Redakteur: Stephan Maderner

Holger Löwenstein (Bildmitte) ist der Kopf der Zweiradausbildung der BBS Burgdorf. Hier bekomt er gerade von BMW ein Schulungsmotorrad spendiert.
Holger Löwenstein (Bildmitte) ist der Kopf der Zweiradausbildung der BBS Burgdorf. Hier bekomt er gerade von BMW ein Schulungsmotorrad spendiert. (Bild: BBS Burgdorf)

Die Berufsbildende Schule in Burgdorf (BBS) im Nordosten Hannovers kämpft um neue Zweiradmechatroniker der Fachrichtungen Motorrad- und Fahrradtechnik und will die Klassenzimmer wieder mehr mit Azubi-Leben erfüllen.

Holger Löwenstein ist Teamleiter der Zweiradtechnik und Zukunftsentwicklung in der Fahrzeugtechnik am Schulstandort Burgdorf bei Hannover. An der BBS Burgdorf unterrichtet er seit gut 13 Jahren die Zweiradmechaniker bzw. nach der Neuordnung Zweiradmechatroniker sowie die Fahrradmonteure. „Für die Ausbildung haben wir in den letzten Jahren viele Lernträger zusammengestellt und können den modernen Arbeitsalltag unserer Schülerinnen und Schüler werkstattnah abbilden“, sagt Löwenstein.

Dank der vielen Laborräume der Fahrzeugtechnik ist die Schule gut gerüstet, um mit den Klassen fachpraktisch zu arbeiten. Die Schüler können z.B. Beleuchtungswände konventionell oder vernetzt nach Schaltplan aufbauen, um dann mittels geeigneter Diagnose Fehlerquellen zu erarbeiten. Gleiches gilt für das Motorenlabor. Hier lassen sich die an den Motorrädern erzeugten Fehler und Systemkenntnisse gut übertragen. Im Fuhrpark befinden sich derzeit eine ältere BMW 850 R und eine neuere F 800 GT mit modernster Diagnostik. An diesen Fahrzeugen prüft das Team der Zweiradtechnik in den Gesellenprüfungen der Kraftfahrzeugmechatroniker SP Motorradtechnik seit Jahren.

Die unterschiedlichen elektrischen Antriebssysteme in der Fahrradtechnik sind aufbereitet. Dabei betrachten Lehrer wie Schüler die für die Steuerung notwendigen Sensoren und ihre Signale. Die Blackbox „Elektromotor“ wird über die Grundlagen der Lorentzkraft hinaus in Versuchen mit den Schülern aufgebaut.

Rückblende

Seit 2007 wird an der BBS Burgdorf Zweiradwissen vermittelt. Gestartet ist man damals mit einer Klassenstärke von zwanzig Schülern. Die vielen Kleinbetriebe in der Region Hannover stellen aber häufig nur einen Azubi ein und pausieren nach 3,5 Jahren. Bemerkbar macht sich auch die Konkurrenz der Berufsbildenden Schulen Goslar-Baßgeige/Seesen, gut achtzig Autobahnkilometer südlich. Viele Betriebe aus Niedersachsen schicken ihre Azubis aus alter Verbundenheit nämlich dorthin. Somit schwanken die Schülerzahlen jedes Jahr beträchtlich. Gegenwärtig sitzen in Klassenstufe 1 nur fünf Schüler, in der zweiten Klassen derer elf und in der dritten Klasse sind es sieben. Dem Trend sinkender Teilnehmerzahlen will man sich in Burgdorf entgegenstemmen. Das Zweiradteam betreibt verstärkt Öffentlichkeitsarbeit und wirbt gezielt in der Region für die Zweiradberufe. Getreu dem Motto: Tue Gutes und rede darüber. Jüngst erschien ein Artikel in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. In der HAZ heißt es gleich zu Beginn: „Azubis, die mit Technik was am Hut haben und auf Zweiräder stehen, kommen an der Berufsbildenden Schule (BBS) am Berliner Ring voll auf ihre Kosten. Die Schule bildet berufsbegleitend Zweiradmechatroniker in den Fachrichtungen Fahrrad- und Motorradtechnik aus, ist exzellent ausgestattet und lehrt das Handwerk auf höchstem Niveau.“

Und tatsächlich spielt das Schulequipment in Burgdorf eine wichtige Rolle. „In Sachen Ausstattung haben wir uns ständig erweitert und sind auf dem neuesten Stand der Technik“, sagt Löwenstein. Die Gelder für die Anschaffung weiterer Motorräder liegen derzeit aber auf Eis und sollen erst dann freigesetzt werden, wenn die Schülerzahlen wieder steigen. Erwarten darf die Schule noch in naher Zukunft einen C-Evolution Roller der Marke BMW, um die Hochvolttechnik noch besser in den Unterricht einzubinden. Bisher arbeiten die Burgdorfer im Lernfeld „Freischaltung“ eng angelehnt an die Pkw-Technik.

Ausstattung Fahrradtechnik (ca. 30 Fahrzeuge):

• Fahrräder namhafter Hersteller vom Cityrad bis Rennrad;

• Ein Klassensatz Mountainbikes für die schulinterne Ausleihe, z. B. Fahrtrainings oder Kurse im Fachgymnasium;

• Diverse Pedelecs von 25 bis 45 km/h mit Diagnosesystemen stehen zur Verfügung;

• An Werkbänken, Montageständer kann mit Spezialwerkzeugen an allen Fahrzeugen gearbeitet werden;

• Antriebstechnik ist z. B. an Schnittmodellen einer 3Gang Sachs-Nabenschaltung bis hin zu den Stellmotoren einer elektronisch geschalteten Di2 aufbereitet;

• Fahrwerkstechnik wird an zwei neuen „Elektro-Fullys“ geschult;

• Kundenberatung und Anpassung des Kunden an ein Fahrrad (Ergonomie); Messstand und Popometer.

Ausstattung Motorradtechnik (2 voll funktionsfähige Motorräder/ 1 Roller)

• BMW 850 R, Diagnose Tester (Motronik Fehlerschaltbox);

• BMW F 800 GT, mit Diagnose BWM Software und Icon;

• Derbie-Roller, Grundlagen E-Technik, Schaltplanarbeit;

• Variomatik-Lehrmodell;

• Beleuchtungslabor;

• Generatorlabor;

• Motorenlabor.

Die Besonderheiten der Schule

Sämtliche Grundlagen können in der Vielzahl an Laboren trainiert werden. Angefangen bei der Metallbearbeitung mit Sägen, Feilen, Bohren und Fräsen, so können auch notwendige Spezialwerkzeuge an Drehbänken hergestellt werden. Ein Exkurs in die Fügetechnik mit Schweißen und Löten ist möglich, gehört aber laut Rahmenlehrplan derzeit nicht zu den geforderten Inhalten im Unterricht.

Besonders hervorzuheben ist, dass die Schüler angefangen von den Grundlagenversuchen Elektrotechnik, an speziellen Simulationswänden Beleuchtungsanlagen nachbauen und aufgeschaltete Fehler messen können. Weiter durchlaufen die Klassen die Grundlagen der Elektromotoren in den Laboren. „Dadurch können sie die moderne Antriebstechnik und mögliche Störungen an Elektrofahrrädern besser verstehen“ ist sich Löwenstein sicher.

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