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Bekleidungshandel: Wegen Corona nicht so groß in Mode (I)

Wochenlang geschlossene Läden, Liquiditätsengpässe, unterbrochene Lieferketten: Kleine, mittelgroße und große Motorradbekleidungshändler, Filialisten, Online-Versender und Lieferanten sind unterschiedlich von den Folgen der Pandemie betroffen. Teil 1: kleine und mittelgroße Bekleidungshändler.

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Peter Böck (re.) von Moto-Bike Parts und der Autor auf der Motorradwelt Bodensee 2018.
Peter Böck (re.) von Moto-Bike Parts und der Autor auf der Motorradwelt Bodensee 2018.
(Bild: »bike und business«)

Die Mail, die vergangene Woche die Redaktion von »bike und business« erreichte, stach durchaus wegen ihres brisanten Inhalts heraus: „Was ich wirklich schade finde, ist, dass es euch scheinbar egal ist, wie es dem Bekleidungshandel in Zeiten von Corona geht. Kein einziges Wort über unsere Branche, bei der mindestens genauso viel Arbeitnehmer betroffen sind, wie bei den Motorradhändlern. Aber die Verkäufer, die in Kurzarbeit sind, sind für die großartige Kfz-Branche offensichtlich unwichtig.“ Wumms, das saß. Mea culpa sagen wir an dieser Stelle. Tatsächlich legte sich der Schwerpunkt unserer Corona-Berichterstattung auf dem Höhepunkt der Coronakrise eher auf die Motorradhändler und -werkstätten. Nachdem am vergangenen Montag in den meisten Bundesländern (bis auf Bayern) die Kfz-Läden ohne Größenbeschränkung wieder öffnen durften und sich die Lage etwas entspannt hat, haben wir jetzt wieder mehr Recherchekapazitäten frei. Nun schenken wir Playern aus anderen wichtige Marktsegmenten wie Fahrschulen oder Motorradhotels mehr Gehör oder eben dem Geschäft mit Motorradbekleidung und -helmen und Zubehör, dem man ungefähr 1.000 Unternehmen in Deutschland zuordnen kann.

Von der Coronakrise gleichermaßen erfasst wurden vier Bereiche:

1. Kleine und mittlere Fachgeschäfte bis 800 Quadratmetern Verkaufsfläche;

2. Größere Bekleidungshändler sowie die (größeren und kleineren) Filialen von Louis und Polo Motorrad;

3. Auf das Onlinegeschäft spezialisierte Versender wie FC Moto & Co.;

4. Bekleidungshersteller und Helmanbieter aus dem In- und Ausland.

Was alle mehr oder weniger eint: das durch den Lockdown Mitte März abrupt gestoppte Frühjahrs-Saisongeschäft. Es sorgt normalerweise in den Monaten März und April für bis zur Hälfte oder teilweise mehr des Jahresumsatzes.

Der abrupte Shutdown ließ den Zufluss an Liquidität sofort versiegen. Während die stationären Läden so gut wie gar kein Geschäft mehr generierten, profitierten die Unternehmen mit Onlineshops oder gar die spezialisierten Versender, bei denen der Internet-Traffic anstieg. Zu spüren war mitunter, dass die Preise purzelten. Plötzlich in Liquiditätsnot geratene Betriebe verramschten ihre Produkte mitunter zu Kampfpreisen im Netz, um ihre proppenvollen Lager zu entlasten und wenigstens ein wenig Kohle zu machen.

Stellvertretend für die vielen kleinen und mittelgroßen Motorradbekleidungsläden haben wir Peter Böck von Motorbike-Parts in Kempten im Allgäu interviewt:

Redaktion: Was macht der stationäre Verkauf, wie läuft das Onlinegeschäft?

Peter Böck: Wir haben ausschließlich stationären Verkauf und beschränken uns auf Online-Bestellungen per E-Mail, Facebook und Instagram. Einen Online-Shop haben wir nicht, weil wir der Meinung sind – und das auch bleiben werden trotz Corona – das wir Persönliche Schutz-Ausrüstung (PSA) verkaufen, die man nur stationär richtigerweise verkaufen dürfte! Seit 18. März bis heute dementsprechend nur zwei Prozent des Vorjahresumsatz gemacht! Zum Glück haben uns einige wichtige Lieferanten geholfen, indem sie kulanterweise die Zahlungsziele für unsere Ware großzügig verlängerten.

Drückt die Krise auf das Preisniveau im Netz?

Gott sei Dank nur vereinzelt. Die Onlinehändler können jetzt die volle Marge ausschöpfen, da sie ja ohne die stationären Mitbewerber sind und dieses aber auch tun! Abwarten, was in den nächsten Wochen passiert, wenn dann wieder Futterneid herrscht...

Wie habt ihr den Kontakt zum Kunden gehalten?

Per E-Mail und den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram.

Wo drückt der Schuh bislang am meisten?

Es sind seit der Schließung bis heute 23 Prozent des Jahresumsatzes nicht generiert worden, bedingt durch die Hauptumsatzmonate, die bei uns Februar/März und April mit 47 Prozent des Jahresumsatzes sind. Bayerische Staatshilfe ist bereits ausbezahlt, die staatliche (Differenz) noch nicht. Wir sind dabei, bei der KfW einen Standardkredit (keine Soforthilfe über lange Laufzeit!) mit zwei Jahren Laufzeit zu beantragen.

Seid ihr in Kurzarbeit?

Ich zahle die Mitarbeiter voll und habe beantragt, werde es aber nicht nutzen.

Wann rechnet ihr mit einer Normalisierung und wie bereitet ihr euch darauf vor?

Wir werden am 27. April öffnen, haben alle hygienischen Voraussetzungen schon geschaffen, da wir ja uns ja für den 20. April vorbereitet haben. Dank Söder ja jetzt der 27. April. Welche Normalisierung? Warten wir mal ab, und ich habe das schon mehrfach gehört, dass entweder das Moped fahren jetzt zweitrangig ist (Mehrzahl) oder sogar in Deutschland der Urlaub verstärkt auf dem Motorrad verbracht wird. Ob dementsprechend noch anderer Bedarf geweckt wird, ist meiner Meinung nach fraglich. Da wir ja auch sehr „sportlich“ von der Kundschaft angehaucht sind, haben wir auch schon vernommen, das neue Motorräder nicht vorrangig sind (obwohl geplant). Grundsätzlich wegen Corona und durch die wachsende Front der Motorradgegner im Großraum Allgäu/Tirol erwarten wir langfristig Beschneidungen für unser Geschäft. Wie auch immer: Die Ware aus den diversen Vorordern ist zu 98 Prozent am Lager und es kann los gehen! Auf Facebook, Instagram und der Homepage haben wir schon alles angekündigt...

Was ist euch sonst noch wichtig in diesen schwierigen Corona-Zeiten?

Wir hoffen, wissen dies aber leider nicht, dass der Online-Handel nicht schon zu viel vom Kundenbedarf abgegriffen hat und die nach Freiheit lechzenden Motorradfahrer auch noch Hunger auf Konsum haben, den sie bei uns stillen.

Peter Böck, vielen Dank für das Gespräch.

In Teil 2 der Serie „Motorradbekleidungshändler in der Krise“ zeigen wir, wie Büse, Louis und Polo Motorrad durch die Coronakrise steuern.

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