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Bekleidungshandel: Wegen Corona nicht so groß in Mode (II)

Wochenlang geschlossene Läden, Liquiditätsengpässe, unterbrochene Lieferketten: Kleine, mittelgroße und große Motorradbekleidungshändler, Filialisten, Online-Versender und Lieferanten sind unterschiedlich von den Folgen der Pandemie betroffen. Teil 2: Versender, Filialisten und Zubehörgroßhändler.

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Das Gros der über 80-Louis-Filialen hat inzwischen wieder geöffnet oder sperrt in Kürze auf.
Das Gros der über 80-Louis-Filialen hat inzwischen wieder geöffnet oder sperrt in Kürze auf.
(Bild: Louis)

Die großen Versender, Filialisten und Zubehörgroßhändler litten ebenfalls unter dem Lockdown der Corona-Krise. Exemplarisch für die Szene haben wir Antworten auf unsere Fragen von Louis und Büse bekommen. Beginnen wir zunächst mit der Detlev Louis Motorrad-Vertriebsgesellschaft mbH, einem Filial- und Versandhändler für Motorradbekleidung, -ersatzteile und -zubehör.

Louis

Redaktion: Wie seid ihr bisher durch die Corona-Krise gekommen?

Jürgen van Bömmel: Louis ist ein sehr gesundes Unternehmen. Aber natürlich trifft auch uns die Pandemie hart. Wir mussten die meisten Filialmitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Entlassungen sind aber derzeit kein Thema. Und mit der Wiedereröffnung etlicher Filialen hoffen wir auf eine deutliche Entspannung der Situation.

Was macht der stationäre Verkauf, wie läuft das Onlinegeschäft?

Das Versandgeschäft brummt, die Online-Verkäufe sind auf Top-Niveau. Das freut uns, kann aber die Umsatzverluste aus dem Stationär-Handel nicht annähernd ausgleichen. Wir haben zunächst einige Filialen in Abholstationen umgewandelt, wo man nach Vorbestellung und kontaktlos benötigte Ware bekommen kann. Seit 20. April sind etliche Filialen in Deutschland wieder geöffnet. Problematisch sind dabei die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Vorschriften.

Drückt die Krise auf das Preisniveau im Netz?

Bei Louis hat sich an der Preisgestaltung nichts geändert.

Wie habt ihr den Kontakt zum Kunden gehalten?

Unsere Kommunikationswege laufen ja zum Glück kontaktlos. Unsere Marketingabteilung arbeitet wie gewohnt. Momentan geht es in der Kommunikation natürlich zusätzlich darum, den Kunden alle Möglichkeiten zu vermitteln, wie sie jetzt an benötigte Ware kommen können. Das kommunizieren wir zum Beispiel über regional gesteuerte Newsletter und natürlich über unsere Website.

Wo drückt der Schuh bislang am meisten? Seid ihr in Kurzarbeit? Habt ihr Soforthilfen des Bundes/Kredite in Anspruch nehmen müssen?

Ja, es gibt Kurzarbeit im gesamten Filialbereich. Siehe Frage 1. Das ist auch, was uns momentan am meisten bedrückt. Wir versuchen den am härtesten betroffenen Mitarbeitern auch finanziell zu helfen und einen gewissen Ausgleich zu schaffen. Schließlich kann der/die einzelne Mitarbeiter/in nichts dafür, wenn ausgerechnet seine/ihre Filiale geschlossen bleiben muss.

Im Übrigen stehen wir vor den gleichen Unsicherheiten, die die ganze Branche beschäftigen: Wie lange wird die Krisensituation andauern? Wie wird sich das Konsumklima während und nach der Krise entwickeln? Wie gehen wir mit der sich ständig ändernden Lage um?

Wann rechnet ihr mit einer Normalisierung und wie bereitet ihr euch darauf vor?

Wir hoffen zunächst einmal, dass sich die Lockerungen nicht negativ auf die Entwicklung der Pandemie auswirken. Alles andere müssen wir der Politik und den Fachleuten überlassen.

Die Vorbereitungen auf den Neustart haben wir längst abgeschlossen: Unsere Lager sind prall gefüllt und unsere Mitarbeiter hoch motiviert. Unser Filialmanagement war in den letzten Tagen unter anderem intensiv damit beschäftigt die jeweils nötigen Hygiene-Maßnahmen für die einzelnen Filialen auszuarbeiten und umzusetzen.

Büse

Seit über 35 Jahren ist die Heino Büse MX Import GmbH auf dem Motorradmarkt aktiv. Zunächst startete der Offroadprofi Heino Büse mit Endurobekleidung und -zubehör. Gerüstet mit den Erfolgen und den daraus resultierenden Erfahrungen der vorangegangenen Profi-Karriere des Firmengründers, nahm die Entwicklung der jungen Unternehmung rasch an Fahrt auf und entwickelte sich im Verlauf der Jahre zu einer der bedeutenden Marken im europäischen Motorradmarkt. Bis heute ist es erklärtes Ziel des Unternehmens mit Sitz in Roetgen, die Fahrerausstattung für Motorradfahrer ständig zu verbessern, um ihr Fahrerlebnis sicher und komfortabel zu gestalten.

Wie seid ihr bisher durch die Corona-Krise gekommen?

Ralf Baches: Stand heute haben wir keine Corona-Infektion im Unternehmen oder in den Familien unserer Mitarbeiter.

Wie unterstützt ihr als Lieferant eure Händler?

Traditionell versteht sich die Firma Büse als enger und vertrauensvoller Partner für unsere Händler. Wir unterstützen individuell und auf die jeweilige Situation abgestimmt, mit der Zielsetzung das sich unsere Partner vollumfänglich auf uns verlassen können.

Wie läuft das Onlinegeschäft?

Da wir keinen eigenen Webshop betreiben, haben wir keine direkte Möglichkeit den Verlauf des Onlinegeschäfts seriös zu bewerten.

Wie steht es um die aktuelle Entwicklung der Kollektion für die Saison 2020/21?

Neue Produkte für die Saison 2020/21 werden in der Kollektionsbreite- und tiefe wie geplant umgesetzt.

Wie sind die Lieferketten aus Fernost derzeit gestört?

Die Warenversorgung aus China läuft langsam wieder an, allerdings gibt es aktuell Engpässe bei den Transportkapazitäten. Produktionen aus anderen asiatischen Ländern sind zur Zeit komplett gestoppt. Lockerungen des Lockdowns in den nächsten Wochen, fallen länderspezifisch unterschiedlich aus.

Wie habt ihr den Kontakt zum Kunden gehalten?

In gewohnter Weise über die normalen Kommunikationskanäle und in vertrauensvollen Telefonaten, zwecks Abstimmung wie wir gezielt unterstützen können.

Wo drückt der Schuh bislang am meisten?

Stand heute konnten wir uns recht gut an die neuen Umstände anpassen.

Seid ihr in Kurzarbeit?

Seit Ende März arbeiten wir mit einer reduzierten Besetzung in wechselnden Teams. Nach Abbau von Überstunden und Urlaubstagen befinden sich einige Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Habt ihr Soforthilfen des Bundes/Kredite in Anspruch nehmen müssen?

Bedingt durch unsere wirtschaftliche Situation, gehen wir nicht davon aus, dass wir Kredite oder Hilfsangebote im Verlauf der Corona-Krise in Anspruch nehmen müssen.

Wann rechnet ihr mit einer Normalisierung und wie bereitet ihr euch darauf vor?

Falls die gerade beschlossenen Lockerungen der Bundesregierung zu keinem Anstieg von Neuinfektionen führen, erwarten wir, dass die Umsätze ab Mitte Mai wieder anziehen werden; allerdings in den nächsten Wochen ohne Aufholeffekt.

Was liegt euch sonst noch am Herzen in dieser beispiellosen Krisensituation?

Uns ist es wichtig, dass wir im engen Schulterschluss mit unseren Händlern, die bestehende Situation wirtschaftlich beherrschbar gestalten und somit eine gute Ausgangslage für die Saison 2021 schaffen.

Vielen Dank meine Herren für das Gespräch.

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