Betriebebörse, AUK und digitale Ausbildung

Neues aus dem Verband

| Redakteur: Stephan Maderner

Die Teilnehmer der diesjährigen BIV-Mitgliederversammlung im HBZ Münster.
Die Teilnehmer der diesjährigen BIV-Mitgliederversammlung im HBZ Münster. (Bild: Stephan Maderner)

Zur diesjährigen Mitgliederversammlung des Bundesinnungsverbands Zweirad-Handwerk (Vereinigung des Fahrrad- und Kraftrad-Gewerbes) am 10. November kamen rund 30 Teilnehmer ins HBZ Münster.

Während nebenan die besten Schrauber der Republik aus den Bereichen Fahrrad- und Motorradtechnik im Praktischen Leistungswettbewerb (PLW) auf Bundesebene um den deutschen Meistertitel im Zweiradhandwerk kämpften, ging es im Tagungssaal des HBZ Münster nicht ganz so stressig, aber dennoch zielgerichtet und strukturiert, um drängende Zukunftsfragen von Handel und Handwerk. Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder des Bundesinnungsverbands für das Deutsche Zweiradmechaniker-Handwerk (Vereinigung des Fahrrad- und Kraftradgewerbes), um sich über aktuelle Themen der Verbandsarbeit auszutauschen.

Wie immer sind auch die beiden Fachmagazine »bike und business« (für den Motorradsektor) und „Rad-Markt“ (Fahrrad) mit von der Partie. Gefördert wird die Verbandsarbeit u.a. von der CarGarantie Bike, vertreten diesmal durch Bernhard Becklönne (Direktor Vertrieb) und Enno Martin (Key Account Manager Hersteller und Importeure Deutschland) sowie der Santander Consumer Bank, für die erstmalig Theres Mermi (Key Account Managerin Importeure und Kooperationen) die Flagge hoch hielt.

Neben der sachlichen Verbandsarbeit stehen bei diesem Treffen auch immer das Netzwerken und der Austausch untereinander mit den wichtigsten Vertretern der Handwerkszunft im Blickpunkt. Bereits am Vorabend wurden die Gespräche während des gemütlichen Beisammenseins im angesagten Restaurant Freiheit 26 im Münsteraner Hafen aufgenommen.

Den Anfang des öffentlichen Teils der Mitgliederversammlung am Samstag gehörte wie immer dem Bundesinnungsmeister. Frank Döring spannte eloquent den Bogen über alle Highlights, die seit der letzten Sitzung im November 2017 bis heute zu verzeichnen waren. Durch geschicktes Wirtschaften und sparsames Haushalten stehe der Verband finanziell gut da. Mit der Zweiradmechaniker-Innung Oldenburg (insgesamt rund 30 Mitgliedsbetriebe) begrüßte er ein neues Mitglied in den Reihen des Verbands. Vor Ort vertreten von Obermeister Andreas Denker von Zweirad Denker und seinem Stellvertreter und Schriftwart Michael Hanken.

Döring kam auf die große Herausforderung des Fachkräftemangels sowie die sich immer mehr zuspitzende Nachfolgeproblematik zu sprechen. Mit der www.betriebeboerse.de hat der Verband nun ein neue Plattform geschaffen, die bereits online ist. Die Betriebe könnten sich nun in dieser Börse eintragen und sich vorstellen. BIV-Referent Felix Lindhorst klärte über die wichtigsten Funktionen der vom Verband konzipierten und realisierten und von Bike & Co. unterstützten Homepage auf.

Gut eingeschlagen habe auch die erste Runde der bundeseinheitlich durchgeführten Gesellenprüfungen. An insgesamt zwölf Standorten, darunter fünf in NRW, wurde sie durchgeführt. Der nächste Prüfungstermin findet am 1. Dezember statt. Auf einer Download-Plattform kann nach Eingang der Bestellung der Code beim BIV angefordert werden. BIV-Referent Johannes Böhmken koordiniert die Gesellenprüfung und organisiert die zwei Mal jährlich stattfindenden Treffen des Fachautoren-Teams, das für die Ideenfindung, Erstellung und Ausarbeitung des Fragenkatalogs zuständig ist.

Der Bundesinnungsmeister erwähnte in seinem Jahresbericht auch den Fortgang der redaktionellen Serie über die deutschen Ausbildungsinstitutionen in den beiden relevanten Fachblättern der Zweiradszene, »bike und business« und dem „Rad-Markt“: Im Sommer wurde das Berufsbildungszentrum (BBZ) St. Ingbert und das Zweirad-Traningszentrum des saarländischen Kfz-Verbands besucht. Letzteres sei inzwischen aber leider einem Brand zum Opfer gefallen. In den bevorstehenden Wintermonaten stehe nun der Besuch der Heinrich-Kleyer-Berufsschule in Fankfurt und des Bildungszentrums Hansemann der Handwerkskammer (HWK) Dortmund auf dem Programm.

Frank Döring wies weiterhin darauf hin, dass der BIV seit 2018 offizielles Mitglied im Unternehmerverband des Handwerks (UDH) ist. Dem Verhandlungsgeschick des Verbandsgeschäftsführer sei es zu verdanken, dass der Zweiradverband mit einem auf die Branche zugeschnittenen Mitgliedsbeitrag nun dauerhaft Zugang zu bundespolitischen Themen hat.

Anschließend weist BIV-Geschäftsführer Marcus Büttner darauf hin, dass die Abgasuntersuchung Kraftrad (AUK) in Zukunft vor einer kompletten Neuordnung stehe. „Bei der AUK ändert sich alles, aber alles bleibt gleich“, beschwichtigt Büttner sogleich. Im Kern geht es um die Beglaubigungsvoraussetzungen nach den Vorgaben der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkks) inklusive der verwaltungsrechtlichen Zertifizierung der AUK-Betriebe sowie die Kalibrierung der Prüfmittel. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) baue gerade eine eigenes Qualitätsmanagementsystem auf. Büttner bietet den bisher zertifizierten AUK-Betrieben an, diesem Regime kostenlos beizutreten. Dann erfülle man alle Kriterien. Die Hauptarbeit bei der Umstellung auf den neuen Kriterienkatalog hätten dann die Sachverständigenorganisationen zu schultern, mit denen die AUK-Betriebe in der Regel zusammenarbeiteten.

Als zweiten wichtigen Punkt seines Berichts aus der Arbeit der Bundesgeschäftsstelle in Hilden führte Marcus Büttner das Thema „Digital Ausbildung“ an. Man müsse sich darauf einstellen, dass die Berichtshefte künftig ausschließlich online geführt werden und die Gesellenprüfung am Rechner oder Tablet stattfinde (und nicht mehr in Papierform). Das wäre effizienter und schneller bei der Auswertung und man entlaste die ehrenamtlichen Prüfer, weil man Ausbildung in größeren Gruppen organisieren könne. Das Kfz-Gewerbe NRW entwickele gerade mit viel Manpower und großem finanziellen Einsatz ein E-Learning-Tool, von dem dereinst auch die Zweiradmechaniker profitieren sollen.

Marcus Büttner wies darauf hin, dass aufgrund aktueller Bestrebungen seitens der Politik und Gewerkschaften damit zu rechnen sei, dass auch Azubis im Zweiradhandwerk in den Genuss einer gesetzlichen Mindestausbildungsvergütung kommen werden. Dies war bisher nicht der Fall und könnte den einen oder anderen Betrieb höhere Kosten bescheren.

Hingegen gab es gute Nachrichten von der geplanten neuen Dienstrad-Regelung: Die einprozentige Pauschalbesteuerung soll künftig wegfallen. Der Finanzausschuss des Bundestages hat das Gesetz durchgewunken, jetzt muss nur noch (formal) der Bundesrat zustimmen. Der steuerlich relevante Wegfall des geldwerten Vorteils (ein Prozent auf den Listenpreis) bei Elektroautos soll auch für Fahrräder und Pedelecs gelten. Das könnte einen neuen Boom von Job-Rad-Initiativen auslösen.

Die Tagung rundeten Fachvorträge zum Thema „Elektromobilität“, „Akkubrand – unterschätzte Risikoquelle“ und über „die aktuelle Situation im Fahrradhandel“ ab. Im Anschluss an die Tagung wohnten noch viele Teilnehmer der Siegerehrung der Zweirad-Bundessieger bei und gab ihr einen würdigen Rahmen.

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