Bike Asia: Kontinent mit Drehmoment

Profitieren vom asiatischen Boom

| Autor / Redakteur: Stephan Maderner / Martina Eicher

Auf zu neuen Wachstumsufern! Die europäischen Motorradhersteller verlagern ihre Produktionsstätten teilweise nach Asien und Südamerika.
Auf zu neuen Wachstumsufern! Die europäischen Motorradhersteller verlagern ihre Produktionsstätten teilweise nach Asien und Südamerika. (Foto: © white und © alinamd – fotolia.com)

Der europäische Motorradmarkt verliert im globalen Vergleich sowohl als Absatz- als auch Produktionsstandort an Bedeutung. Die Wachstumsmärkte liegen vor allem in Asien.

Die europäischen Motorradhersteller geben Gas in Fernost. Triumph und Ducati lassen bereits in Thailand montieren. Im März erfolgte beim chinesischen KTM-Partner CF-Moto der Produktionsstart in China, nachdem die Österreicher bereits in Indien mit dem Partner Bajaj die Modelle 200 Duke und Duke 390 zusammenbauen lassen. Und BMW Motorrad hat vor gut einem Jahr im indischen Chennai mit der TVS Motor Company einen langfristigen Kooperationsvertrag für den Bau von kleinen Motorrädern unter 500 cm³ Hubraum geschlossen.

Die traditionsreichen Motorradschmieden des alten Kontinents machen sich auf zu neuen Wachstumsufern und lassen sich dort nieder, wo die Nachfrage nach Zweirädern brummt. Vor allem in Asien, aber auch in Südamerika, lassen der wachsende Wohlstand und das steigende Mobilitätsbedürfnis immer mehr Menschen vom muskelbetriebenen Fahrrad auf das Zweirad mit Verbrennungsmotor (oder Strom) umsatteln.

Die Hersteller des alten Kontinents nehmen die Ratschläge des europäischen Herstellerverbandes Acem ernst. Auf seiner zehnten Jahreskonferenz 2014 in Brüssel skizzierte der damalige Generalsekretär Jacques Compagne seine „globale Vision für den motorisierten Zweiradmarkt“. Besonders die imposante Weltkarte „The real landscape of the PTW-World“ (PTW ist die Abkürzung für Power Two Wheelers, also Moped, Motorrad, Quad, Trike & Co, siehe Bild 1 der Galerie), die Compagne per Beamer an die Wand warf, brannte sich in die Gehirne der 130 anwesenden Vertreter der europäischen Motorradindustrie ein. Die Schwerpunkte des globalen Motorradbusiness’ haben sich nämlich in der vergangenen Dekade dramatisch verschoben – vor allem in Richtung Asien und Südamerika.

Der Planet Zweirad in Zahlen

Zu den Fakten: In Europa sind die Neuzulassungen der PTW von 2007 bis 2013 um 51 Prozent gesunken. Waren es vor sechs Jahren noch 2,7 Millionen Neuzulassungen jährlich, registrierten die Statistiker im vergangenen Jahr nur noch 1,3 Millionen Bikes. Die europäische Fahrzeugproduktion schrumpfte im selben Zeitraum von rund 1,6 Millionen auf nur noch rund 600.000 Einheiten. Laut Eurostat exportierten die Länder der EU 27 im Jahr 2012 Motorradteile und -zubehör im Wert von 1,66 Milliarden Euro und importierten im Gegenzug Waren im Wert von 2,85 Milliarden Euro. Das bedeutet ein respektables Handelsbilanzdefizit von fast 1,2 Milliarden Euro, Tendenz steigend.

Die Verschiebungen auf den Zweiradmärkten im guten alten Europa kommen einem Erdbeben gleich: Die Zahl der Fahrzeugproduzenten in Europa sank von 2006 bis 2011 von 1.300 auf 950 (minus 27 Prozent). Die Zahl der Fahrzeughändler ging von 37.000 auf 34.000 zurück (minus acht Prozent), der Umsatz schmolz von 32 auf 27 Milliarden Euro. Von den einst 131.000 europäischen Beschäftigten sind noch 125.000 übrig.

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