»bike und business« Fahrzeug-Check: Polaris Slingshot – pures Fahren

Tricycle mit 175 PS

| Autor: Jens Rehberg

Auf der Landstraße gilt es dann, den Grenzbereich zu suchen. Dabei benutzt man eigentlich nur den zweiten und den dritten Gang, die beide anhaltend gleichmäßig Schub liefern, bis bei nahe 5.000 Umdrehungen mit 227 Newtonmetern der Drehmomentgipfel erreicht ist. Was danach kommt, ist laut, geht aber noch bis etwa 7.000 Umdrehungen und prügelt den Slingshot im dritten Gang mit etwa 160 km/h über den Asphalt. Die Schaltarbeit macht dabei ebenfalls anhaltend Spaß, die Gänge lassen sich präzise und geschmeidig, aber mit hartem, klaren Anschlag auf ihren kurzen Wegen durch die Box jagen. Nummer Vier lernen wir nur kurz auf einigen Entspannungsgeraden kennen, Nummer Fünf ist so lang übersetzt, dass er wirklich nur auf der Autobahn eingelegt wird.

Aber wieder zurück in den eigentlichen Anwendungsbereich der Zwille, die Richtungsänderung. In Kurven wird der Slingshot geradezu hineingesaugt. Untersteuern ist kaum zu schaffen. Man muss sich allerdings beim Ansteuern der Kurven durchaus konzentrieren – aufgrund der ungewohnten Proportionen des ausladenden Vorderwagens sowie der Fahrzeugarchitektur im Allgemeinen kann man zwar früh einlenken, muss aber dann zusehen, dass der rechte 18-Zöller, den man nicht sieht, auf der Bahn bleibt. Hat man sich dann für eine Linie entschieden, zieht man mit der sehr direkten Lenkung wie auf Schienen über den Scheitelpunkt.

Sehr schnelles Geradeausfahren dagegen braucht man eigentlich nicht. Durch die geringe Höhe des Windschildes wird es ab 150 unangenehm laut und unruhig im Kopfbereich. Und Endgeschwindigkeit ist sowieso kein wichtiges Kriterium bei einem solch unmittelbaren und straßennahen Fahrerlebnis.

Und nicht nur deshalb sollte man die Autobahn eigentlich meiden. Fängt es im Stau an zu regnen, ist man im Slingshot so richtig gekniffen. Noch dazu, wenn man an einer Steigung steht. Denn dann läuft das Wasser nicht mehr richtig aus den Sitzen ab und man nässt sich – zur Belustigung der umstehenden Stauteilnehmer – umfassend ein. Was der Fahrgastzelle übrigens in keinster Weise schadet. Alle dort verbauten Teile sind verlässlich wasserabweisend und es fließt alles auch schnell wieder ab. Da selbst in den Lautsprechern ausschließlich robuste Materialien verbaut sind, kann man sogar die Hochdruckwaschlanze an die Boxen heranführen.

Solange man in Bewegung ist, ist Regen sowieso kein Problem – auch bei niedrigen Geschwindigkeiten wird abgesehen vom Helm maximal der Schulterbereich nass. Selbst wenn es eine halbe Stunde lang wie aus Eimern schüttet, findet man auf der Jeans nach der Fahrt keinen einzigen Tropfen, was man bei derart offenen Flanken nicht erwarten würde.

Elf Vertriebspartner in Deutschland

Dem Slingshot geht es einzig und allein darum, spektakulären Fahrspaß zu generieren, und das schafft er auf bisher noch nicht gekannte Art und Weise. Das Wort „Alltagstauglichkeit“ hat bei der Entwicklung offenbar überhaupt keine Rolle gespielt, und das ist auch gut so. Denn den Käufern solcher Fahrzeuge der konsequentesten Purismus-Klasse garantiert dies in gewisser Weise auch die Einzigartigkeit des Auftritts – das Fahrzeug wird man sehr selten auf deutschen Straßen sehen. Dabei wäre es eines der wenigen Produkte auf dem deutschen Kfz-Markt, die man mit umfassenden Marketingkampagnen zum Thema Emotion wahrscheinlich tatsächlich auf relevante Stückzahlen treiben könnte.

Für zentrale Kampagnen in der entsprechenden Größenordnung für ein solches Nischenmodell ist die Importeurstochter allerdings zu klein. Wobei der US-Hersteller einer der großen globalen Player im Segment des ATVs und Quads ist. In Deutschland vermarkten immerhin elf Polaris-Vertriebspartner das Spaßgeschoss. Davon setzen die meisten auch ihren Schwerpunkt auf ATVs, der eine oder andere hat allerdings auch Schneemobile oder die Kultmotorradmarke Indian im Programm, die ebenfalls von Polaris kommt.

Um den Slingshot anbieten zu können, müssen die Partner einige überschaubare Voraussetzungen in Sachen Schauraumausstattung, Werkzeug und Training erfüllen sowie ein Vorführfahrzeug halten. Die Händlerfixmarge für den Slingshot bewegt sich in dem für Pkw üblichen Bereich. Für den Service gilt ein Intervall von 8.000 Kilometern.

Der getestete Polaris SL kostet rund 30.000 Euro. Zum Vergleich: Der vom Aufbau her noch mit am ähnlichsten ausgelegte KTM X-Bow (vier Räder/300 PS) geht bei rund 80.000 Euro los. Im vergangenen Jahr – dem ersten vollen Verkaufsjahr des Modells in Europa – verkaufte Polaris 50 Einheiten in Deutschland.

Fahren kann man die Zwille mit 3er/B-Schein, sofern der vor 2013 ausgefüllt wurde – jüngere Fahrer müssen eine A-Prüfung nachweisen.

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