Biker Union: 1.000 Motorradfahrer rütteln die Öffentlichkeit auf

Abschlusskundgebung der 13. BU-Sternfahrt in Berlin

| Redakteur: Melissa Mager

1.000 Biker zählte die diesjährige „Protest“-Sternfahrt der Biker Union nach Berlin.
1.000 Biker zählte die diesjährige „Protest“-Sternfahrt der Biker Union nach Berlin. (Bild: Biker Union e.V.)

Am 24. August 2019 fand in Berlin die Demo der Biker Union e.V. (BU) statt. Ziel der Sternfahrt war es, Politik und Öffentlichkeit auf die Probleme der Biker hinzuweisen und für mehr Verkehrssicherheit zu demonstrieren.

Auf dem Pariser Platz im Zentrum des Regierungsviertels befinden sich trotz besten Wetters nur wenige Touristen. Ein Bühnen-Lkw mit einer Lautsprecheranlage ist quer vor dem Brandenburger Tor geparkt, die Polizei ist dabei, den Platz mit Flatterband abzusperren. Da biegt ein Polizeifahrzeug mit Blaulicht um die Ecke, dahinter eine schier endlose Karawane von Motorrädern, Rollern, Mopeds, Gespannen, Trikes und Quads, die auf dem Platz und am Straßenrand einparken. Eine Viertelstunde später steht dicht an dicht eine fast unüberschaubare Zahl motorisierter Zweiräder aller Kategorien, Marken und Größen vor dem Brandenburger Tor.

„Gemeinsam fahren, gemeinsam kämpfen für unsere Rechte“

Unter dem Motto „Gemeinsam fahren, gemeinsam kämpfen für unsere Rechte“ veranstaltet die Biker Union e.V. (BU), die Interessenvertretung aller motorisierten Zweiradfahrer(innen) in Deutschland, alle zwei Jahre ihre BU-Sternfahrt, um für die Verbesserung der Verkehrssicherheit zu demonstrieren und die Politik sowie die Öffentlichkeit auf die spezifischen Probleme der motorisierten Zweiradfahrer aufmerksam zu machen. Zum Beginn seiner Rede auf der Abschlusskundgebung der 13. BU-Sternfahrt ließ Rolf „Hilton“ Frieling, Vorsitzender der Biker Union, die letzten Tage noch einmal Revue passieren.

Vier Tage vor der Abschlusskundgebung startete die Sternfahrt gleichzeitig in Kiel, Stuttgart, München und Danewitz (bei Berlin). Die insgesamt fünftägigen Motorrad-Demonstrationen der BU durch die gesamte Bundesrepublik wurde überall von der Polizei abgesichert. Die Fahrt ging quer durch kleine Dörfer und große Städte, auf den letzten beiden Etappen auf der dafür gesperrten Autobahn A2. Seien es am ersten Tag insgesamt ca. 120 Motorräder gewesen, die sich an den vier Startpunkten auf den langen Weg machten, kamen unterwegs immer mehr Mitfahrer dazu, sodass der Konvoi durch die Berliner City, vom Zwischenstopp am Olympiastadion über den Kurfürstendamm, die Straße des 17. Juni, vorbei am Schloss Bellevue, dem Bundeskanzleramt und dem Reichstag auf ca. 1.000 Motorräder angewachsen sei.

Themen der BU-Sternfahrt 2019

Wolfgang „Wolf“ Klepsch, Sprecher der BU, ging in seinem Redebeitrag auf einige der Themen der diesjährigen BU-Sternfahrt ein: fehlender Unterfahrschutz an Leitplanken – deren Pfosten bei einem Motorradunfall zur Guillotine werden könnten – Straßenreparaturen mit Bitumen, das bei Nässe wie Schmierseife wirke, sowie Streckensperrungen nur für Motorräder, die ein klarer Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz darstellten. Klepsch machte aber auch deutlich, dass fehlende Rücksichtnahme auf die Anwohner an stark befahrenen Motorradstrecken kein Kavaliersdelikt sei.

Als letzter Redner sprach sich Tedy Bach, BU-Vorstandsmitglied und Beauftragter für Szeneangelegenheiten, gegen Kuttenverbote auf öffentlichen Veranstaltungen und das Verbot der Abzeichen bestimmter Motorradclubs aus, da beides nicht mit unserer Verfassung vereinbar sei. Wer gegen Gesetze verstößt, müsse dafür zur Rechenschaft gezogen werden, egal ob er Motorradfahrer sei oder nicht. Sippenhaftung habe keinen Platz in der deutschen Rechtsordnung.

Etwas früher als ursprünglich geplant formierte sich der Konvoi erneut, um unter Begleitung der Berliner und der Brandenburger Kradstaffel der Polizei, zum Partyplatz in Jühnsdorf vor den Toren der Hauptstadt geleitet zur werden. Dort fand die große Abschlussparty statt.

Über die Bedeutung der Sternfahrt

„Wir erleben immer wieder, dass motorisierte Zweiräder lediglich als lärmende Spaßfahrzeuge angesehen werden“, sagte Frieling im Anschluss an die gemeinsame Runde durch Berlin. „Vorurteile und mangelnder Sachverstand führen dazu, dass ihre Vorzüge, aber auch ihre spezifischen Belange in der Politik und bei den Behörden unter den Tisch fallen. Dabei können sie als vergleichsweise umweltfreundliches Verkehrsmittel viele unserer Mobilitätsprobleme lösen.“

„Kein Mensch käme auf die Idee, eine öffentliche Straße für Pkw oder Lkw zu sperren, weil es dort viele Verkehrsunfälle gibt“, ergänzte Klepsch. „Glücklicherweise haben bereits mehrere Gerichte mit genau dieser Begründung Sperrungen aufgehoben. Motorradfahrer, die mit ihren Steuergeldern den Bau und die Unterhaltung der Straßen mit finanzieren, dürfen nicht einfach ausgesperrt werden. Denn damit werden mögliche Probleme nicht gelöst, sondern nur auf andere Straßen verlagert.“

„Unsere Demonstrationszüge quer durch ganz Deutschland haben unseren Anliegen wieder einiges an Aufmerksamkeit beschert“, resümierte Frieling. „Dass wir nicht auf verlorenem Posten kämpfen, zeigt die Tatsache, dass auch in diesem Jahr die Kampagne „Runter vom Gas“ des Bundesverkehrsministeriums mit einem Stand auf dem Pariser Platz dabei war.“

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