Gefahren: Triumph Bonneville Bobber Black

Rundum düster

| Autor / Redakteur: Dirk Bertram/SP-X / Judith Leiterer

Die Triumph Bonneville Bobber Black im Fahrbericht.
Die Triumph Bonneville Bobber Black im Fahrbericht. (Bild: Triumph)

Im Nachkriegs-Amerika schraubten Biker alle unwichtigen Teile ihrer Serienbikes ab, montierten Einzelsitze und kappten die Kotflügel. Das wurde im US-Jargon als „bobbed Fenders“ bezeichnet. Mit dem entstandenen Genre spielt auch Triumph.

Triumph hat das Ohr ganz nah am Puls der Motorrad-Zeit und bedient schon seit einiger Zeit geschickt die Trends der Szene. Die Wendung hin zum klassischen Retrobike und die weitgehende Individualisierung stehen hoch im Kurs, das haben die Briten erkannt und bedienen mit ihrer neuen Bonneville Bobber Black zum Preis von 13.750 Euro gleich alle drei Trends. Ungeachtet des eindeutigen Namens kommt das neue Bike in zwei Farben: Mattschwarz und Schwarz glänzend.

Gegenüber der erst im letzten Jahr vorgestellten Bobber zeigt sich das neue Modell rundum düster, denn auch sämtliche Anbauteile von der Telegabel über die Schalldämpfer bis zu den Motordeckeln sind in der klassischen Motorradfarbe gehalten. Doch die Engländer belassen es bei der „Black“ nicht bei optischen Retuschen, vielmehr orientiert sich die Neue mit einem modifizierten Fahrwerk stärker an den traditionellen Vorbildern und befriedigt mit aufgewerteter Ausstattung moderne Geister.

Doch zuallererst beeindruckt die puristisch gestylte Bonneville Bobber Black mit ihrer außergewöhnlichen Aufmachung, die in der frei schwebenden Aluminiumsitzschale gipfelt, die dem Heck eine ungewohnte Leichtigkeit verleiht. Unter dem Einzelsitz verbirgt sich ein Zentralfederbein, das zusammen mit der Stahlrohrschwinge einen markanten Hardtail-Look verleiht. Hinzu kommen stilechte Speichenräder mit dicken Gummiwalzen, Faltenbälge an der Gabel und ein die Optik dominierender Briten-Twin mit Kühlrippen und zwei knackig-kurzen Schalldämpfer, was als Reminiszenz an die umgebauten Bikes des Nachkriegs-Amerika aufgefasst werden darf: Damals schraubten die wilden Kerle alle unwichtigen Teile ihrer Serienbikes ab, montierten Einzelsitze und kappten die Kotflügel, was im US-Jargon als „bobbed Fenders“ bezeichnet wird – damit war der „Bobber“ als Motorradgattung geboren.

Die Mitte des Briten-Bobbers wird optisch wie technisch vom drehmomentoptimierten Reihenzweizylinder mit 1.200 ccm Hubraum geprägt, den Triumph auch in andere Retrobikes einbaut. Gegenüber dem Einsatz dort sorgt eine drehmomentorientierte Abstimmung für 77 PS Spitzenleistung und ein fülliges Drehmoment im unteren und mittleren Sektor mit einem Maximum von 106 Newtonmeter schon bei niedrigen 4.000 Touren. Diese Auslegung macht zusammen mit einem langen ersten Gang das Fahren für jedermann leicht und einfach. Ab Standgas schon spielt sich der Twin gutmütig in den Vordergrund, um zwischen 3.000 und 5.000 Touren mit bärigem Schub zu verwöhnen. Dies wird zum bevorzugten Drehzahlbereich jedes Bobber-Piloten, denn höher Drehen bringt wenig – oben herum wirkt das Triebwerk unnötig angestrengt, und den schönsten Sound produzieren die Peashooter-Endtöpfe in der Drehzahlmitte.

Gute Fahrbarkeit steuert eine äußerst leichtgängige Kupplung ebenso bei wie zwei Fahrmodi, die sich über eine separate Taste am rechten Lenkerende anwählen lassen: Bei Rain geht der Twin arg gehemmt ans Werk, die gute Dosierbarkeit des Road-Modus prädestiniert ihn für einen Einsatz selbst unter schlechten Bedingungen.

Wie früher trägt der heutige Bobber fast ballonartige Reifen. Anders als beim Basis-Bobber mit 19-Zoll-Vorderrad rotieren unisono Sechzehnzöller – am Heck im 150/80-Format, vorn in 130/90 –, selbstredend auf authentischen Speichenrädern mit schwarzen Felgen. Der lange Radstand und die stabilitätsorientierte Geometrie der neuen fetten 47er-Telegabel sorgen für tadellosen Geradeauslauf und ein neutrales Lenkverhalten, besonders handlich benimmt sich der Briten-Bobber aber nicht. Doch stets sicher und Vertrauen erweckend. Sportliche Ambitionen erstickt die geringe Schräglagenfreiheit im Keim, die beiden Bremsscheiben vorn verzögern den bei 237 Kilo Trockengewicht nicht gerade leichten Single Seater ausreichend wirkungsvoll.

Trotz der minimalistischen Erscheinung kann sich die Serienausstattung durchaus sehen lassen: Die Aluminium-Sitzschale ist in Höhe und Neigung verschiebbar, auch das stylische Rundinstrument lässt sich im Anstellwinkel variieren. An der Front leuchtet ein Rundscheinwerfer mit integriertem LED-Tagfahrlicht, dazu gibt’s eine abschaltbare, wenig sensibel agierende Traktionskontrolle, ein ABS und einen auf Knopfdruck aktivierten Tempomaten. Die individuelle Optik, feine Detaillösungen, der durchzugsstarke Antrieb und das unkomplizierte Fahrverhalten machen die Triumph Bonneville Bobber zu einem besonderen Motorrad, was sich Triumph bei 13.750 Euro allerdings auch gut bezahlen lässt.

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