KTM 790 Duke: Der Heizer im Test

Das neue Mittelklasse-Nakedbike erobert den Markt im Sturm

| Autor / Redakteur: Uwe Böhringer/SP-X / Florian Fraunholz

Die KTM 790 Duke in Aktion.
Die KTM 790 Duke in Aktion. (Bild: KTM)

Mit 1.169 Neuzulassungen zwischen April und Juni dieses Jahres, also in nur drei Monaten, hat die KTM 790 Duke in Deutschland einen Raketenstart hingelegt. Ein mehrtägiger Test zeigt Punkte auf, die erst bei intensiverer Beschäftigung mit einem Motorrad in den Fokus rücken

Schon jetzt streitet sie sich die KTM 790 Duke in der Zulassungsstatistik mit dem bisherigen Platzhirsch im Segment der Nakedbike-Mittelklasse, der Yamaha MT-09, lediglich rund 100 Einheiten betrug der Rückstand zur Jahresmitte. Gut möglich, dass die mit 189 Kilogramm ranke und schlanke Österreicherin am Jahresende vor der kaum schwereren Japanerin rangieren wird. Ablesbarkeit der Instrumente bei unterschiedlichem Licht, Zuverlässigkeit der Benzinreserve-Anzeige, Möglichkeiten zum Gepäckverzurren und manch anderes gehören dazu. Im Falle der KTM 790 Duke wird dabei offenbar, dass das beim Fahren hocherfreuliche Bike in einigen Punkten noch Möglichkeiten fürs Feintuning bietet.

Grundsätzlich bleibt es dabei: Das erste Mittelklasse-Nakedbike in der KTM-Geschichte ist, gemessen am gelieferten Fahrspaß, ein Volltreffer. Der 799 Kubikzentimeter große, sehr kompakt designte Reihenzweizylinder liefert mit 105 PS/77 kW bei 9.000 Umdrehungen pro Minute satte Leistung und überzeugt mit explosiver Leistungsentfaltung, sobald die 4.000er Marke überschritten ist. Die zwei Ausgleichswellen sorgen für eine hohe Laufkultur. Erkauft wird die fulminante Leistungsentfaltung im mittleren und oberen Drehzahlbereich (hohe Verdichtung, wenig Schwungmasse) allerdings durch spürbares Konstantfahrruckeln unterhalb 4.000 Touren, wie sie bei Ortsdurchfahrten mit wenig Gas gerne anliegen. Bei der 790 Duke geht’s innerorts deshalb oft nur in niedrigen Gängen, also recht hochtourig, geschmeidig voran.

Nur wenige Motorräder machen das Fahren auf kurvenreichen Straßen ähnlich freudvoll wie die KTM 790 Duke: Ein leichter Druck auf den Rohrlenker genügt, schon fällt das Bike in Schräglage und wuselt förmlich um die Ecken. Und zwar ohne Nervosität zu zeigen. Dass Gabel wie Federbein nicht individuell eingestellt werden können, ist verschmerzbar, denn die Grundabstimmung deckt einen sehr weiten Bereich gut ab. Und dass die Frontbremse nicht ein solch scharfes Kaliber wie der Motor ist, sehen wir der KTM ebenfalls nach; die Bremswirkung ist jedenfalls gut, die im Bremssystem integrierte Elektronik (Motorcycle Stability Control mit Kurven-ABS, Supermoto-ABS etc.) macht ihre Sache famos und setzt in diesem Segment ein Ausrufezeichen. Wer in puncto Fahrwerk und Bremsen noch höhere Ansprüche hat, muss auf eine R-Version der 790 Duke warten, die fürs Modelljahr 2020 erwartet wird.

Im Zweiwochen-Test offenbarte die KTM aber doch ein paar Eigenheiten, die sich verbessern ließen. So lässt pralle Sonne von schräg hinten das an sich gut ablesbare und sehr gut gestaltete TFT-Display quasi erblinden. Läuft man auf einen Stau auf und hat fette Lkw hinter sich, vermisst man die eingesparte Warnblinkanlage. Auch eine automatische Blinkerrückstellung wäre kein sinnloser Luxus, zumal diese Technologie im Hause KTM verfügbar ist. Feintuning dürften die Entwickler der Benzinvorratsanzeige angedeihen lassen: Es nervt, wenn die angezeigte Restreichweite wenige Kilometer nach dem Wert „noch 20 km“ auf Null springt – und dann noch ein voller Liter im Tank ist. Am Absolutverbrauch des Zweizylinders gibt es dagegen nichts zu mäkeln: Wir notierten im Landstraßenbetrieb Werte um den Normverbrauch von 4,4 Litern/100 Kilometer. Die elektronische Anzeige gaukelt allerdings vor, es sei rund ein halber Liter weniger.

Eine glückliche Wahl ist der taiwanesische Maxxis-Reifen vom Typ Supermaxx ST: Grip, Handling und Stabilität auf trockener Straße gefielen sehr gut, und auch bei Nässe waren wir mit der Haftung absolut zufrieden. Die optisch sehr luftige Heckpartie der Duke ohne hintere Radabdeckung führt bei nasser Straße freilich zu gnadenloser Verschmutzung von Fahrer und Fahrzeug. Absolut zufrieden stiegen wir nach jeweils mehreren hundert Kilometern ob der recht vorderradorientierten Sitzposition vom Bock: Trotzt des nur dünnen Sitzpolsters ist der Sitzkomfort in Ordnung, der Kniewinkel keinesfalls zu eng. Auch den Spiegeln, den Schaltern und Hebeln sowie dem Bordcomputermenü gebührt Lob. Nicht wirklich gefällt allerdings die Verarbeitung: Der Kunststoff wirkt billig, die aufgeklebten Dekore ebenfalls.

Viel gleißendes Licht also über der neuen KTM 790 Duke, die sich aus dem Stand weg auch glänzend verkauft. KTM hat ein vorzügliches Paket geschnürt mit enormem Fahrspaß im Mittelpunkt. Die wenigen Punkte, in denen sich die Duke optimieren ließe, sind ein Fall für die Modellpflege. Dann gibt es noch weniger Gründe, zu dieser mit 9.790 Euro echt preis-werten KTM nein zu sagen.

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