Triumph: Zweiter Aufschlag

Fahrbericht einer Triumph Street Scrambler

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Viktoria Hahn

Unterm Strich stößt die neue, etwas stärker motorisierte Triumph Street Scrambler auf viel Sympathie.
Unterm Strich stößt die neue, etwas stärker motorisierte Triumph Street Scrambler auf viel Sympathie. (Bild: Triumph)

Der ersten Generation der Triumph Street Scrambler war nur mäßiger Erfolg beschieden. Die stärker motorisierte Nachfolgerin soll jetzt mit verbesserter Ausstattung und Technik punkten.

Es scramblert stark bei Triumph: Im Laufe dieses Winters kommen gleich zwei Scrambler-Modelle zu den Händlern; die vollkommen neue, 59 kW/80 PS leistende Scrambler 1200 in den Versionen XC und XE sowie die kleinere und mit 48 kW/65 PS auch schwächere Street Scrambler. Dieses Modell hat eine namensgleiche Vorgängerin, die erst vor zwei Jahren auf den Markt gekommen war, aber bereits jetzt ein kräftiges Update erfährt. Mehr Motorleistung, eine verbesserte Telegabel, neue Frontbremse, überarbeitete Fahrmodi mit nun drei Stufen, verbesserte Ergonomie, höherer Sitzkomfort durch eine neue Sitzbank – Triumph hat sich sichtlich Mühe gegeben mit der kleinen Scrambler.

Gemäßigte Spitzenleistung

Nicht jeder will mit 90 PS oder noch mehr unterwegs sein – getreu dieser Erkenntnis hat Triumph bei der Entwicklung des 900-Kubik-Paralleltwins den Fokus auf hohes Drehmoment, aber gemäßigte Spitzenleistung gelegt. Mit nunmehr 48 kW/65 PS, ein Plus von 18 Prozent gegenüber der bisherigen Version, ist der modifizierte Motor ein zufriedenstellender Antrieb: weiterhin durchzugsstark, aber zugleich deutlich drehfreudiger als bisher. 500 Umdrehungen mehr gestehen die Ingenieure dem Twin nun bei der Drehzahlgrenze zu, so dass die Maximalleistung nicht mehr schon bei 5.900, sondern bei 7.500 U/min abgegeben wird. Es gibt sogar einen Offroad-Modus, er setzt die Traktionskontrolle sowie das ABS außer Funktion, wenn der Fahrer jenseits des Asphalts ohne elektronische Regeleingriffe unterwegs sein möchte. Insgesamt ist der wassergekühlte 900er Twin ein harmonischer, bestens abgestimmter Antrieb mit hoher Laufkultur, der den Fahrer gelassen agieren lässt, ohne dass deshalb Langeweile am Lenker aufkommt. Zudem fällt der Verbrauch mit 4,1 bis 4,4 Litern pro 100 Kilometer maßvoll aus.

Erfolgreich nachgebessert

Fahrwerksseitig hat Triumph bei Details nachgebessert: Die Telegabel, mit Gummi-Faltenbälgen auf Retro getrimmt, wurde technisch verändert und zugunsten eines stämmigeren Auftritts etwas verbreitert. Sie spricht nun feiner an, die vordere Scheibenbremse wird neuerdings von Brembo bezogen und glänzt mit einer sauber ansprechenden Vierkolben-Bremszange; neben der Dosierbarkeit überzeugt auch die Bremswirkung von Front- und Hinterradbremse. Federung und Dämpfung gefallen, auch wenn die gebotenen 12 Zentimeter Federweg etwas knapp erscheinen; wer Pisten unter die Speichenräder – sie sind mit prächtigen Metzeler Tourance Next besohlt – nehmen will, würde sich über einige Zusatz-Zentimeter freuen, doch würde das mehr Sitzhöhe als die 79 Zentimeter mit sich bringen.

Auspuff im Weg

Andererseits steht höheren Geländeambitionen ohnehin die auf der rechten Fahrzeugseite hochgelegte Auspuffanlage im Weg: Sie zwingt beim Fahren im Stehen aufgrund ihres Volumens den rechten Fahrerfuß in eine unbequeme Position. Dafür ist der Fahrer-Hintern auf dem griffigen und bequemen Sitzpolster ausgezeichnet untergebracht. Wie schon beim Vormodell überzeugt das leicht auswechselbare Heckteil: Wahlweise steht ein Soziussitz oder eine, allerdings sehr kleine, Gepäckablage zur Verfügung. Noch geschickter wäre es freilich, wenn das hintere Sitzpolster auf die Alu-Ablage aufgeschoben werden könnte.

Hohe Zuladung

Das Zentralinstrument mit integriertem LC-Display ist gut ablesbar und das Menü des darin enthaltenen Bordcomputers logisch strukturiert, die Lenkerschalter sind bestens bedienbar und die Bedienungshebel für Kupplung und Bremse sind verstellbar. Auch die sehr hübsch anzusehenden Spiegel in anspruchsvollem Mattschwarz/Alu-Design überzeugen durch gute Rücksicht und nur geringe Vibrationen. Die Fußrasten sind zugunsten bester Verzahnung mit der Stiefelsohle stark gezackt, der schmale, aus schwarzem Kunststoff gefertigte Motor-Unterschutz ist allemal besser als gar keiner; optional gibt es eine noch stabilere Alu-Version. Mit 223 Kilogramm ist zudem die vom Hersteller zugestandene Zuladung erstaunlich hoch. Nicht zuletzt deshalb wäre es schön, wenn sich unter den mehr als 120 Zubehörpositionen auch eine vollständige Gepäcklösung finden ließe, doch steht einer rechtsseitigen Gepäcktasche nun mal die stylische Auspuffanlage im Weg. Immerhin offeriert Triumph zwei unterschiedliche Tankrucksäcke, eine linksseitig zu montierende Gepäcktasche und eine Top Box mit 30 Litern Inhalt. Nicht jeder wird das freilich mögen.

Urban Tracker

Noch weiter individualisieren kann man die Street Scrambler mit dem „Urban Tracker“ genannten Zubehör-Paket, im Triumph-Sprech „Inspiration Kit“ genannt. Seitentasche, Sportauspuff sowie diverse schicke Anbauteile sind darin enthalten. Zusätzlich sind auch eine sehr gut integrierte Griffheizung, ein Hauptständer und diverse Schutzvorrichtungen gegen Beschädigungen bei einem eventuellen Ausrutscher im Gelände lieferbar.

Das Fazit

Unterm Strich stößt die neue, etwas stärker motorisierte Triumph Street Scrambler auf viel Sympathie: Sie fährt sich geschmeidig, ist dank ihrer guten Handlichkeit leicht zugänglich sowie absolut fahrsicher und zudem bis ins Detail sauber verarbeitet. Andererseits sind mindestens 10.900 Euro für eine 65 PS-Maschine auch nicht gerade ein Sonderangebot, so dass die Street Scrambler wohl auch künftig eher ein Motorrad für Individualisten bleiben wird.

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