Bimoro: Wo der Hammer fällt in der Zweirad-Welt

Neuer Wettbewerber für die etablierten Online-Marktplätze

| Autor / Redakteur: Dana Jansen / Stephan Maderner

Achim Trinkner (re.) von Zweirad Trinkner erkundigt sich nach den Vorteile der neuen Plattfom Bimoro.
Achim Trinkner (re.) von Zweirad Trinkner erkundigt sich nach den Vorteile der neuen Plattfom Bimoro. (Bild: J. Untch/»bike und business«)

Nicht nur für Autos, auch für Motorräder ist das Onlineangebot für gebrauchte Maschinen groß. Zwei große Plattformen führen den Markt an – der aber eine Lücke offenlässt. Den B2B-Bereich. Hier stärkt jetzt ein professionelles Biketrading-Tool die Händler, die den „gewissen Zockergeist“ mitbringen.

Der Motorradhändler schaut dem brandneuen Bike nach, das gerade seinen Hof verlässt und kratzt sich nachdenklich am Kopf. Eben ist ein zufriedener Kunde davongefahren, laut und schwungvoll, auf einer neuen, glänzenden Maschine der Marke, die er in seinem Laden vertreibt. Das freut den Händler. Zurückgelassen hat der Kunde jedoch, weil der Hersteller eine Inzahlungnahme anbietet, sein altes Motorrad einer anderen Marke und mit vielen Kilometern auf dem Zähler. Das freut den Händler weniger, denn einreihen in die Motorräder seines Ausstellungsraums kann er die zurückgelassene Maschine nicht. Irgendwie muss er sie aber loswerden.

Händler, die Motorräder einer anderen Marke als der eigenen verkaufen wollen oder müssen, brauchen Absatzwege außerhalb der faktischen Ladenfläche. Vor dem gleichen Problem stehen diejenigen, die am Ende der Saison auf zu hohen Beständen sitzen bleiben sowie Händler, deren Aufkäufer von heute auf morgen von der Bildfläche verschwinden – auf Grund von Krankheit, Insolvenz oder anderen Gründen. Bricht ein Geschäftsfeld weg, wird eine Alternative benötigt.

Online-Trading ist hier das Stichwort: Online-Trading im Sinne der Zweitvermarktung. Möglichkeiten, Gebrauchtwagen und -motorräder zu erwerben, gibt es im Internet viele. Von Privatpersonen, von Händlern, zu Festpreisen oder bei Online-Auktionen. Die großen Player Autoscout24.de (ca. 36.400) und Mobile.de (rund 85.000) bieten momentan jede Menge Motorräder (davon 16.800 von Händlern) zum Verkauf an.

Diesen beiden Riesen in den Weg stellen will sich nun Bimoro, ein neues Konzept von Motorrad-Auktionsplattform, das den Markt aufmischen will. Das besondere daran: Es handelt sich um eine reine B2B-Plattform, also eine Möglichkeit nur für registrierte Händler, Maschinen von anderen Händlern zu ersteigern. Gründer und Geschäftsführer Thomas von Estorff will damit eine Lücke im professionellen Online-Trading der Transportbranche füllen. Denn „so wie wir macht es noch keiner“ verspricht er – und er kennt den Markt. Seit 40 Jahren ist er in der Automobilbranche tätig, seit 20 Jahren im Vertrieb und seit fünf Jahren verantwortlich für Vermarktung und Online-Trading von Pkw.

Im Februar 2019 hat er Bimoro ins Leben gerufen – damals unter dem Namen Heybike8. Dass er damit auf dem richtigen Weg war, zeigte schon die Tatsache, dass sich ein Online-Gebrauchtwagenanbieter mit ähnlichem Namen unzufrieden über diese Verwechslungsgefahr äußerte. Mit Bimoro, so von Estorff, sei ohnehin besser zusammengefasst, was die Plattform anbietet: Bimoro steht für „Bikes“, „Motorräder“ und „Roller“.

Bisher werden hier zwar nur Motorräder versteigert, der ehemalige Leiter und Geschäftsführer diverser Pkw-Zentren kann sich aber gut vorstellen, dass sich der Bereich in Zukunft ausweiten wird. „In Deutschland wurden im Jahr 2018 fast eine Million E-Bikes verkauft. Die kommen sicher bald gebraucht auf den Markt.“

Für die Zukunft der Fortbewegungsmittel auf zwei Rädern hält er es für unausweichlich, e-mobil zu denken. Auch in E-Scootern sieht er kein vorübergehendes Phänomen. Nach drei, vier Monaten auf der Straße haben sie dort ihren Soll erfüllt und werden dann für die Zweitvermarktung an die Händler gegeben.

Zuerst gilt es aber, das neue Biketrading-Tool auszubauen. Die Anmeldung geht schnell, die Erklärung, wie man sein Angebot erstellt, erfolgt Schritt für Schritt. Bisher wurden knapp 200 Motorräder in die Plattform eingebracht, davon konnte gut die Hälfte vermittelt werden. Pro Auktion werden mindestens 20 Bikes angeboten, zurzeit finden Auktionen ein Mal im Monat statt, von Estorff rechnet damit, dass er bald auf zwei oder drei Auktionen aufstockt. Bieter und Käufer zu akquirieren ist gar nicht so einfach in einer Branche, die laut Estorff noch Aufholbedarf hat. „Der Motorradhandel ist zehn bis 15 Jahre hinter dem Pkw-Handel zurück“, weshalb er auf Online-Akquise und -marketing bisher auch verzichtet hat. Händler gehören oft noch der etwas älteren Generation an – die Branche steht noch vor einem übergreifenden Umschwung. Niederlassungen werden gerade erst von jüngeren Nachfolgern übernommen. In zwanzig Jahren sehe das Business dann vielleicht ganz anders aus.

Gezielt nach Postleitzahlgebieten kontaktiert Estorff vom Firmensitz in Castrop-Rauxel passende Händler und erklärt sein Konzept. Das Ziel ist aber, nicht nur deutsche Händler zusammen zu bringen, sondern ein europaweites Netzwerk aufzubauen. „Jeder ist herzlich willkommen, der professionell mit Motorrädern handelt“. Deshalb verspricht Bimoro auch, dass alle Motorräder durch seriöse Händler, Werksniederlassungen oder Importeure eingeliefert und von Mitarbeitern noch einmal geprüft werden.

Wenn in Zukunft also wieder einmal eine Maschine einer fremden Marke auf dem Hof des fiktiven Händlers steht, zückt dieser einfach sein Tablet, meldet sich bei Bimoro an und inspiziert mit gekonntem Blick das Motorrad. Er gibt neben seinem Standort noch Farbe, Laufleistung, Profiltiefe, Erstzulassung, TÜV-Angabe, Sonderausstattung und technischen Zustand des Bikes ein und lädt fünf dokumentierende Bilder vom Kilometerstand und dem Serviceheft hoch. Gut fünf Minuten Arbeitszeit und schon kann er sich bei der nächsten Auktionsrunde entspannt zurücklehnen und beobachten, wie die Gebote für das Rad nach oben klettern und das Motorrad den Händler wechselt.

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