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BIV-Mitgliederversammlung 2019: Feldkämper neuer Bundesinnungsmeister

Das Zweirad-Handwerk hat einen neuen Bundesinnungsmeister: Auf der Mitgliederversammlung des Bundesinnungsverbands Zweirad-Handwerk (BIV) am 9. November in Frankfurt am Main wurde Franz-Josef Feldkämper zum Nachfolger von Frank Döring gewählt, der seit 2010 an der Spitze des Branchenverbandes stand.

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Franz-Josef Feldkämper ist der neue Bundesinnungsmeister. Gewählt wurde der 62-Jährige auf der BIV-Mitgliederversammlung 2019 in Frankfurt am Main.
Franz-Josef Feldkämper ist der neue Bundesinnungsmeister. Gewählt wurde der 62-Jährige auf der BIV-Mitgliederversammlung 2019 in Frankfurt am Main.
(Bild: Stephan Maderner/»bike und business«)

Am vergangenen Wochenende endete die Ära des Bundesinnungsmeisters Frank Döring (59), der seit 2010 an der Spitze des Bundesinnungsverbands Zweirad-Handwerks steht. In seiner Amtsperiode brachte Döring die Modernisierung und Verjüngung des Verbandes und die Novellierung des Berufsbildes Zweiradmechatroniker voran. Als ausgewiesener Branchennetzwerkprofi hat es Frank Döring in seiner Amtszeit verstanden, zahlreiche Förderer und Sponsoren für die ehrenamtliche Arbeit des BIV zu gewinnen (u.a. Matthies, CarGarantie Bike, Santander Consumer Bank oder BMW Motorrad) und die föderale Struktur der einzelnen Zweirad-Kompetenzzentren im Bundesgebiet zu stärken. So besuchte Döring in seiner Amtszeit mit den Vertretern der beiden Fachmagazine die wichtigsten Zweiradschulen der Republik und ließ sie in einer vielbeachteten Serie verewigen. In Dörings Ära fiel auch der Umzug der BIV-Geschäftsstelle von Bonn nach Hilden und damit einhergehend die Stabübergabe der Geschäftsführung von Birgit Behrens (ZDK) zu Marcus Büttner (LIV NRW). Als Einzelmitglied aus Brandenburg gehört Döring dem BIV weiterhin an.

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Im Frankfurter Hotel Relaxa stellte sich auf der Mitgliederversammlung der neue Bundesinnungsmeister (BIM) vor: Franz-Josef Feldkämper (62). Der neue BIM ist Geschäftsführer eines kleinen Traditionsbetriebs in Ibbenbüren, der mit Mopeds und Motorrädern aus Japan (Honda und Yamaha) groß geworden ist, derzeit aber nur noch mit den Motorrollermarken Peugeot und SYM unterwegs ist. Ansonsten floriert in Ibbenbüren gerade das Fahrradbusiness, auf dem auch der wirtschaftliche Fokus des Betriebes liegt.

Feldkämper hat vier Kinder und drei Enkel und war nach eigenem Bekunden in seinen Jugendjahren erfolgreicher Moto-Trial-Sportler. In dieser Disziplin habe er es immerhin bis zum Vizemeister Motorrad-Trial im Emsland gebracht. Bis heute sei er noch sehr gerne mit zwei Rädern im Gelände unterwegs, dann allerdings mit seinem Mountainbike.

Feldkämper hat sich früh fürs Ehrenamt engagiert. Er ist amtierender Obermeister der Innung Steinfurt. Jene habe er mit 14 Mitgliedern übernommen, und dank aktiver Akquisearbeit gehörten der Innung heute 26 Mitglieder an. Für eine solche positive Mitgliederentwicklung wolle er sich künftig auch beim BIV stark machen.

Die Marktsituation ist fürs Zweiradgewerbe aus seiner Sicht eine zweischneidige Sache: Im Fahrradmarkt sind E-Bikes die treibende Kraft. „Das Fahrrad wir elektrisch“, sagt der neue BIM. Die Geschäfte mit der grünen Mobilität brummen. Auch bei den Motorrad- und Motorroller-Neuzulassungen 2019 zeige der Trend nach oben; selbst bei Elektromotorrädern gebe es gute Steigerungsraten, allerdings ausgehend von einem niedrigen Niveau. Im Gegensatz dazu sei hier aber die Ertragslage im Handel sehr angespannt. Die größte Herausforderung für das motorisierte Zweiradgewerbe ist für den neuen BIM die professionelle Übergabe der Betriebe an eine nachfolgende Generation. „Momentan erleben wir ein stilles, langsames Sterben der Motorradbetriebe, weil häufig geeignete Nachfolger fehlen“, so Feldkämper. Für ihn stellt sich die Frage, inwieweit man hier als BIV unterstützen könne, zum Beispiel mit der Betriebebörse, mit der der Verband jüngst online gegangen ist.

Voller Zuversicht verkündete Franz-Josef Feldkämper an dieser Stelle die aktuellen Ausbildungszahlen im Gewerbe: „Sie machen Mut.“ So stieg 2018 die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge Zweiradmechatroniker auf Bundesebene um 8,1 Prozent auf insgesamt 924. Davon entfallen 552 auf Fahrrad- und 372 auf Motorradtechnik. Der Zuwachs bei den Fahrradkollegen gegenüber dem Jahr 2017 betrug 12,1 Prozent, in der Motorradtechnik nur 2,4 Prozent.

Der BIV-Vorstand

Dem neuen Bundesinnungsmeister Franz-Josef Feldkämper stehen bei der Bewältigung der Zukunftsaufgaben seine beiden Stellvertreter Uwe Bönicke (Sachsen-Anhalt) und Werner Metzger (Baden-Württemberg) zur Seite. Dem Vorstand gehören außerdem an: Hermann Scharlau, Oliver Claus, Michael Groß, Günter Schweiger, Günter Staß und Harald Teismann. Geschäftsführer ist und bleibt Marcus Büttner von der Geschäftsstelle in Hilden (Kfz-Landesverband NRW).

Auf der Mitgliederversammlung hatte Ernst Brehm seinen letzten offiziellen Auftritt. Der Ehrenbundesinnungsmeister, der sich zuletzt um die Arbeitswerte kümmerte, schied aus dem Vorstandsgremium aus und erhielt eine Ehrenurkunde für sein Lebenswerk im Zweiradhandwerk. Brehm wünschte dem BIV für die Zukunft alles Gute und rief die Verbandsmitglieder auf, dass man nicht nachlassen solle, die Zusammenarbeit mit anderen Zweiradlobbyisten wie dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV), dem Industrie-Verband Zweirad (IVM) oder dem Zentralverband Deutsches Handwerk (ZDH) zu suchen und auszubauen. Zudem forderte er den BIV auf, den Europacup der Zweiradberufe zu unterstützen. Wegen der personellen und organisatorischen Umstrukturierungen beim Landesinnungsverband Hessen und der HWK Rhein-Main Frankfurt ist eine deutsche Beteiligung am Europacup 2020 im März in Brünn derzeit ernsthaft gefährdet.

Weiteres Highlight der BIV-Mitgliederversammlung 2019: Der neue BIM-Vize Uwe Bönicke aus Sachsen-Anhalt erinnerte in bewegenden Worten an den Tag des Mauerfalls vor 30 Jahren. Zudem erhielt Bönicke die silberne Ehrennadel des BIV für seine Verdienste um die Etablierung des Innungswesens ausgehändigt.

Im weiteren Verlauf der Mitgliederversammlung stellte Geschäftsführer Marcus Büttner vor, wie die Digitalisierung der Ausbildung (Online-Prüfungen) mithelfe, die Attraktivität des Berufsbildes zu steigern. Die neue Meisterprüfungsverordnung werde im Februar 2020 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und könne zum Jahresbeginn 2021 in Kraft treten. In Sachen Mindestausbildungsvergütung (2020: 515 Euro, 2021: 550 Euro, 2022: 585 Euro, 2023: 620 Euro) empfahl Büttner, dass das Zweiradhandwerk kaum unter diese gesetzlich vorgeschriebenen Entgelte gehen könne, weil man sonst die Bemühungen konterkariere, attraktiv für junge Fachkräfte zu sein. Thema waren auch die auf Europa-Ebene aktuell diskutierten Bezeichnungen in der Aufstiegsfortbildung: Zum derzeitigen Servicetechniker gesellt sich ein „geprüfter Berufsspezialist“, dem Handwerksmeister soll als Äquivalent ein „Bachelor Professional“ zur Seite gestellt werden, und on top soll es noch einen „Master Professional“ geben. Unklar sei noch, wie diese letzte zusätzliche akademische Qualifikationsstufe („Über dem Meister gibt es nichts mehr aus dem blauen Himmel und den lieben Gott“) mit Leben zu erfüllen sei (Betriebswirt des Handwerks, Sachverständiger/Gutachter etc.).

Die Mitgliederversammlung wurde traditionell durch externe Vorträge bereichert. Torsten Benge vom Benge Versicherungsteam stellte eine Versicherung für E-Scooter vor. Die Vertreter der beiden Fachmagazine „Rad-Markt“ und »bike und business« referierten über aktuelle Themen aus den beiden Zweiradteilmärkten. „Gehören E-Scooter in den Fahrradhandel?“ lautete das Thema von Michael Bollschweiler. Stephan Maderner stellte den fabrikatsübergreifenden Betriebsvergleich des »bike und business«-„Benchmark-Clubs“ vor und plädierte dafür, das Thema Motorrad noch stärker als bisher in der Verbandsarbeit zu verankern. Der »bike und business«-Chefredakteur lud den neuen Bundesinnungsmeister und alle BIV-Mitglieder zum Besuch der Fachtagung »bike und buisness« am 20. November nach Würzburg ein. Eine hervorragende Möglichkeit, für die Arbeit des Branchenverbands zu werben und neue Mitglieder anzusprechen; die perfekte Bühne für die Vorstellung des neuen Bundesinnungsmeisters.

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