BMW: Bestseller mit neuem Motor

Fahrbericht einer BMW R 1250 GS

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Viktoria Hahn

BMW zeigt mit der R 1250 GS wo bei den Reiseenduros künftig der Hammer hängt.
BMW zeigt mit der R 1250 GS wo bei den Reiseenduros künftig der Hammer hängt. (Bild: BMW)

BMW hat seinem Erfolgsmodell R 1200 GS einen neuen Boxermotor spendiert und zeigt, wo bei den Reiseenduros künftig der Hammer hängt.

Rund 50.000 Einheiten hat BMW von seinem Dauererfolgsmodell R 1200 GS samt des Ablegers Adventure im vergangenen Jahr produziert. In mehr als einem Dutzend Ländern der Welt ist das weltweit gefragteste aller jemals präsentierten bayerischen Motorradmodelle Marktführer. Fünf Jahre nach Einführung der aktuellen Generation mit dem internen Kürzel K50 rollt die 2019er Version nun mit einem deutlich weiterentwickelten Zweizylinder-Boxermotor vom Berliner Produktionsband, Kostenpunkt der R 1250 GS: 16.150 Euro.

Eine variable Ventilsteuerung („ShiftCam“) in Verbindung mit einem Hubraumplus von gut 80 Kubikzentimetern verhilft der jüngsten Version der GS zu einem begeisternden Fahrverhalten: Noch mehr Druck im Drehzahlkeller einerseits und erheblich mehr Feuer im oberen Drehzahlbereich notieren wir beim ersten Fahrtest an der portugiesischen Algarve.

Fühlbar mehr Kraft

Auf die ohnehin schon üppigen 125 Newtonmeter des bisherigen Triebwerks – es wird für die Modelle R 1200 R, RS und auch die Adventure-Version zumindest noch einige Zeit gebaut – kommen nun noch einmal 18 Newtonmeter drauf. Im gesamten nutzbaren Drehzahlband von knapp 1.500 bis 8.500 Kurbelwellenumdrehungen steht fühlbar mehr Kraft zur Verfügung. Das macht den Umgang mit der neuen GS nochmals souveräner. Beispielsweise verkürzt sich der Weg beim Gasgeben aus 60 km/h auf 180 km/h im 6. Gang von 451 auf 373 Meter, also um volle 80 Meter oder zwei Sekunden.

Dass mit 136 PS/100 kW auch noch elf Pferdestärken mehr am Kardanantrieb zerren, ist ebenfalls spürbar. Reißt der Fahrer das Gas auf, wechselt die Einlassnockenwelle ihre Position, die beiden (vergrößerten) Einlassventile machen komplett auf und lassen deutlich mehr Benzin-Luftgemisch in den Brennraum einströmen als bei Teillast. Spätestens ab 5.000 Umdrehungen wird die sogenannte Volllastnocke aktiv, darunter ist bei wenig Last die Teillastnocke dran. Sie ist zuständig für fettes Drehmoment untenrum und feine Dosierbarkeit.

Der Star im Gelände

Ganz stark in Szene setzt sich der neueste Boxer deshalb im mittelschweren Gelände: Lange Bachbett-Passagen voller grober Steine und äußerst ruppige Fahrwege im Hinterland der Algarve lassen sich mit wenig Gas im zweiten Gang passieren, der wunderbar am Gas hängende Motor agiert souverän. Wird in Steilstücken oder im tiefen Schotter volle Leistung benötigt, steht sie in Sekundenbruchteilen zur Verfügung. Der Umschaltvorgang der Ventilsteuerung ist dabei niemals spürbar. In puncto Laufkultur wie auch Leistungsentfaltung hat der neue Boxer ein bislang ungekanntes Niveau erreicht.Doch auch auf der Straße agiert der neue Boxer in überlegener Manier: Egal in welchem Modus, Gasannahme und Laufverhalten sind perfekt. Harmonisches Gleiten oder hartes Fahren am Limit, beides beherrscht die um fünf Kilogramm schwerer gewordene GS quasi mit links. Erfreulicherweise gelang es den BMW-Entwicklern zugleich, nicht nur die Abgasqualität zu verbessern, sondern auch den Verbrauch um 0,2 Liter/100 km zu reduzieren: Trotz keineswegs zurückhaltender Fahrweise zeigte der üppig bestückte Bordcomputer des Testbikes gerade mal 4,8 Liter pro 100 Kilometer an. Der 20-Liter-Tank macht also 400 Nonstop-Kilometer möglich.

Größerer Ausstattungsumfang

Während Karosserie, Fahrwerk und auch die Bremsanlage nur in Nuancen verändert worden sind, hat sich der Ausstattungsumfang mit dem Modellwechsel deutlich verändert: Das herausragende, bislang nur als Sonderausstattung lieferbare Vollfarb-TFT-Display mit unzähligen Möglichkeiten (Connectivity, Navigation, Telefon, Musik) ist nunmehr genauso Serie wie der LED-Scheinwerfer. Ausgezeichnet funktioniert die neue automatische Blinkerrückstellung, die nun in allen Modellen mit Sensorbox eingebaut wird.

Exclusive Style

Zusätzlich zur Basisversion (ab 16.150 Euro) bietet BMW für 400 Euro Zuzahlung eine schicke Alternative mit Namen „Exclusive Style“. Als Nachfolge-Variante der bisherigen Rallye-Version legt BMW den sogenannten HP-Style auf: Er wirkt besonders sportlich und weist zudem eine spezielle Ausstattung auf, unter anderem mit goldeloxierten Kreuzspeichenrädern, vielen mattschwarz lackierten Teilen sowie goldenen Bremssätteln. 700 Euro extra kostet der Spaß inklusive der dreifarbigen Sonderlackierung. Die schon bislang von den Kunden gerne georderten drei Ausstattungspakete treiben den Preis um weitere 3.000 Euro in die Höhe, wobei Gepäckkoffer und anderer Kleinkram noch nicht dabei sind. Bereits ab Mitte Oktober ist die R 1250 GS im Handel, zusammen mit der neuen R 1250 RT, die mit demselben Antrieb ausgestattet wird.

Das Fazit

BMW Motorrad zeigt bei der R 1250 GS, wo die Kompetenzen der Bayern liegen: Im Bau ausgezeichneter Triebwerke und Fahrwerke sowie dem Schnüren stimmiger Gesamtpakete. Die neue Boxer-GS, fit für die nächste Homologationsnorm Euro 5, ist ein Dampfhammer geworden. Ihren Thron als weltweit beliebteste Reiseenduro dürfte sie im Lauf der nächsten Jahre problemlos verteidigen können.

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