BMW C 400 X: Premium-Scooter mit Economy-Stauraum

Motor und Fahrwerk überzeugen

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Stephan Maderner

Der BMW C 400 X im Fahrbericht.
Der BMW C 400 X im Fahrbericht. (Bild: BMW Motorrad)

Sechs Jahre nach dem Scooter-Erstling C 650 GT bringt BMW endlich das längst versprochene Midsize-Modell C 400 X – und landet einen Volltreffer.

Geschundenen Asphalt bietet die Gegend nördlich von Mailand genauso reichlich wie dichten Verkehr auf Orts- wie auch Schnellstraßen, dazu noch fahraktive Kurvenstrecken über Berg und Tal. Genau das richtige Geläuf für einen Mittelklasse-Scooter mit 25 kW/34 PS, der alles können und dazu noch Freude am Fahren bereiten soll.

Trotz lediglich 350 Kubikzentimetern Hubraum liegt der BMW-Einzylindermotor mit den Triebwerken der wichtigsten 400er-Mitbewerber von Yamaha und Kymco auf mindestens gleicher Höhe, bei weniger Fahrzeuggewicht und deutlich geringerem Benzinverbrauch. Der völlig neu konstruierte Antrieb gefällt durch sehr feine Gasannahme, vibrationsfreien Lauf und gute Fahrleistungen: Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 139 km/h und einer Standardbeschleunigung von unter zehn Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h ist der BMW-Scooterist im urbanen Dschungel stets vorne dabei – zudem ist Schalten überflüssig.

Conti-ABS und Schlupfkontrolle

Absolut überzeugend agiert auch das Fahrwerk: Einlenken, Kurven- und Geradeauslaufstabilität sowie Federung und Dämpfung machen den Umgang mit dem C 400 X ausgesprochen vergnüglich. Selbst grobe Stöße werden von Gabel und Federbeinen sauber absorbiert. Der lange Radstand, wichtig für ein ordentliches Platzangebot, verhindert zwangsläufig extreme Agilität beim Durchwursteln zwischen Autokolonnen, doch wird dieser Nachteil durch die vorzügliche Sitzposition teilkompensiert, weil der Fahrer diesen Scooter äußerst präzise manövrieren kann. Die Dreischeiben-Bremsanlage ist sehr wirksam und auch gut abgestimmt, das Conti-ABS bewahrt sauber regelnd vor Radblockaden. Dass BMW eine Schlupfkontrolle spendiert hat, werden Fahrer spätestens dann begrüßen, wenn sie auf nassem Kopfsteinpflaster unterwegs sind.

Ein zartes GS-Schnäbelchen

Besieht man sich das metallicblau lackierte Testfahrzeug, fällt sofort das markante Design ins Auge. Ein „Schnäbelchen“ oberhalb des 15 Zoll großen Vorderrades stellt eine zarte Verbindung zu den GS-Motorrädern der weißblauen Marke her, von deren neuen F-Modellen sogar ein Bauteil den Weg in den C 400 X gefunden hat: Der LED-Scheinwerfer, auf Wunsch um ein Tagfahrlicht erweiterbar, ist baugleich mit dem von F 750/850 GS. Ob die Linien des Vierhunderters gefallen, ist, wie immer, Geschmackssache. Funktional hat die Design-Abteilung jedenfalls bestens gearbeitet, denn Sitzposition und damit Ergonomie wie auch der gute Windschutz überzeugen auf ganzer Linie.

Das Flex-Case

In den Augen überzeugter Scooteristen ist das Wichtigste an einem Roller der Stauraum, von dem viele gar nicht genug haben können. BMW geht hier einen Sonderweg: Stets Platz unterm Sitz findet ein Jethelm, auch mit Visier. Für das Deponieren eines Vollvisierhelms muss das „Flex-Case“ nach unten ausgeklappt werden, versehentliches Losfahren mit heruntergelassenem Zusatz-Stauraum verhindert ein Sensor. Zu dieser Lösung habe man sich entschlossen, um hinten ein für die Fahrstabilität vorteilhaftes 14 Zoll-Rad verbauen zu können, sagt Projektleiter Jörg Reissing. Für jene, denen das Volumen unterm Sitz nicht genügt, gibt es zusätzlich die Möglichkeit, einen Gepäckträger sowie ein Topcase zu montieren, wobei BMW gleich drei verschiedene Behälter offeriert. Recht groß sind die beiden Staufächer in der Frontverkleidung, die sogar verschließbar sind, wenn der Käufer das Keyless-System (295 Euro) ordert. Das inkludiert zudem den leicht zugänglichen Tankdeckel auf dem Mitteltunnel.

Optionales TFT-Display

Wegweisend im doppelten Sinne ist – eine Zuzahlung von 605 Euro vorausgesetzt – das optionale TFT-Display im Cockpit. Das von den GS-Modellen abgeleitete, aber auf den Scooter-Einsatz hin modifizierte Connectivity-System beherrscht alle derzeit gängigen Möglichkeiten der Smartphone-Integration (Telefon, Navigation, Musikübertragung) und überzeugt zudem durch hervorragende Ablesbarkeit auch bei intensiver Sonneneinstrahlung oder Regen. Die Bedienung mittels Drehrad und Menü-Taste links am Lenker fällt nach einiger Gewöhnung leicht, die Menüstruktur ist logisch bis ins letzte Detail. Voraussetzung für die Pfeilnavigation ist das Herunterladen einer kostenlosen, im Test einwandfrei laufenden App, bei der das gewünschte Ziel ins Smartphone eingegeben wird. Wir sind damit völlig problemlos in uns vollkommen unbekannter Gegend unterwegs gewesen. Wer einen Helm mit Lautsprechern verwendet, bekommt die Navigationshinweise auch noch sprachlich ins Ohr geflüstert, wobei die Lautstärke reguliert werden kann.

Keyless, Connectivity und Tagfahrlicht kosten extra

Ungewöhnlich in dieser Fahrzeugklasse ist, dass Kunden beim 6.800 Euro teuren C 400 X verschiedene Sonderausstattungen ordern können: Außer dem bereits erwähnten Tagfahrlicht (100 Euro), dem Keyless-System und dem Connectivity-Paket gibt es auch noch ein Komfortpaket mit Griff- und Sitzheizung (395 Euro) sowie eine Diebstahlwarnanlage. Viele weitere Zubehörteile (niedrige Sitzbank, Zusatzscheinwerfer etc.) sind über die Händler erhältlich, bei denen das Fahrzeug im Oktober erhältlich sein wird. Nicht im Programm hat BMW die intelligent an die Seitenständer gekoppelten Feststellbremse der beiden 650er Scooter. Diese sei angesichts der komplizierten Installation auf Dauer nicht zuverlässig genug, fürchtet Produktmanager Peter Maier und tröstet: „Außer der Seitenstütze gibt’s ja noch einen Hauptständer.“

Fazit: Dank wertiger Anmutung, sehr guter Verarbeitung, prima Fahrwerk und fein laufendem, leistungsstarkem und sparsamem Motor erscheint der BMW C 400 X als echter Premium-Scooter mit Economy-Stauraum. Einen zusätzlichen Tausender für Keyless, Connectivity und Tagfahrlicht sollte man freilich noch übrig haben.

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