BMW F 800 R (2015): Für kleine und große Biker

Praxistest in Anadalusien

| Autor / Redakteur: Ralf Schütze/sp-x / Stephan Maderner

Unterwegs in Anadlusien mit der neuen BMW F 800 R.
Unterwegs in Anadlusien mit der neuen BMW F 800 R. (Foto: BMW Motorrad)

2009 kam die F 800 R als letztes Modell mit Zweizylinder-Parallel-Twin auf den Markt. Dank ihrer Vielseitigkeit ist sie beliebt bei Fahranfängern wie bei Profis. Hohe Erwartungen an die neue F 800 R versucht BMW mit viele Verbesserungen im Detail zu erfüllen.

„Manche sagen: Soviel hat sich ja nicht getan. Aber die täuschen sich gewaltig.“ Produktmanager Ulrich Ast ist vom Fortschritt der neuen F 800 R überzeugt, der sich erst bei genauem Hinsehen so richtig erschließt. Auf den Landstraßen Andalusiens konnten wir herausfinden, dass der Modelljahrgang 2015 gegenüber der ohnehin vielgelobten Vorgängerin spürbar mehr drauf hat.

Gedrosselt auf 48 PS ist der Allrounder populär bei Einsteigern. Er eignet sich gleichermaßen für urbanes Cruisen wie zur beherzten Kurvenjagd und ist deshalb auch bei echten Könnern beliebt – bis hin zu Stunt-Weltmeister Chris Pfeiffer, der die F800 R als Basis für sein Dienstfahrzeug nutzt. Die Leistung ist dezent von 64 kW/87 PS auf 66 kW/90 PS gestiegen, Fahrwerk und Ergonomie wurden spürbar verbessert. Dank niedrigerer Sitzposition ist BMWs nackte Mittelklasse jetzt noch einsteigerfreundlicher geworden. Trotz aller Neuerungen bleibt der Preis ab Februar bei 8.900 Euro samt ABS.

Der zweiten Auflage des bayerischen Naked Bikes merkt man an, dass beim aktuellen Modellwechsel Feinschliff gefragt war, keine Runderneuerung. Der Parallel-Twin mit 800 ccm erhielt nur eine dezente Kraftkur. Damit vom überschaubaren Leistungszuwachs bei gleichbleibendem Drehmoment von 86 Nm mehr zu spüren ist, hat BMW die 1. und 2. Stufe des Sechsgang-Getriebes kürzer übersetzt. Das verhilft der neuen F 800 R zu mehr Spurtstärke: In 3,9 s sprintet sie auf 100 km/h und lässt sich bei langsamer Fahrt im 1. Gang gefühlvoller dirigieren. Das werden die vielen Fahrschüler schätzen wissen, die auf einer R ausgebildet werden.

Laufruhe, Ansprechverhalten, Durchzug und Verbrauch waren schon bisher Paradedisziplinen des ausgewogenen Zweizylinders, der Modelljahrgang 2015 hat sich in allem nochmals etwas verbessert. Dabei ist der Spritkonsum weiterhin gering, denn statt der 5,6 l/100 km Testverbrauch bei sehr flotter Gangart lässt sie sich mit kaum über 4,0 l/100 km dahincruisen.

Flinker Roadster

Besteller unter den Parallel-Twins wurde die agile, nackte R unter anderem dank ihres Fahrwerks. Leichtmetall-Brückenrahmen und Zweiarmschwinge sowie Kettenantrieb sind geblieben. Allerdings löst an der Front des neuen Naked Bikes eine edlere Upside-Down Gabel die bisherige, einfachere Telegabel ab und bringt mehr Verwindungssteifigkeit. Damit wieselt der flinke Roadster bei unseren ersten Testfahrten noch agiler und präziser als der Vorgänger durch das Kurvengeschlängel entlang der südspanischen Küste.

Optisch outet sich das neue R-Modell erst bei genauem Hinsehen: Seitenverkleidungen, Kühlerabdeckungen und der vordere Kotflügel sind neu gestaltet und unterstreichen stärker als bisher den Charakter der dynamischen 800er-BMW. Neu sind außerdem die Räder und die Cockpit-Verkleidung, wo jetzt ein symmetrischer Hauptscheinwerfer die Fahrbahn ausleuchtet. Der Reflektor stammt übrigens von der Husqvarna Nuda, dem agilsten Modell der ehemaligen italienischen BMW-Tochter. In punkto Ergonomie kommt die neue F 800 R kleingewachsenen Bikern entgegen, die jetzt um immerhin einen Zentimeter weiter vorn und tiefer sitzen. Dank neu platzierter Fußrasten hat sich der relativ enge Kniewinkel vergrößert, was den Langstreckenkomfort erhöht. Von serienmäßigen 79 Zentimetern lässt sich die Sitzhöhe in fünf Abstufungen nach unten auf 77 cm oder nach oben auf 84 cm verändern. Durch einen neuen Alu-Lenker sitzt der R-Pilot jetzt aufrechter und vorderradorientierter auf seinem wendigen Kurvenflitzer.

Zuwachs an Spurtstärke

Die gesteigerte Spurtkraft der neuen F 800 R schreit nach angemessener Entschleunigung. Zu diesem Zweck verkrallen sich jetzt radial montierte Bremssättel in schwimmend gelagerte Doppelscheiben – baugleich mit der deutlich stärkeren R 1200 R. Bremsblockaden verhindert das derzeit modernste Zwei-Kanal-ABS von BMW Motorrad. Zusätzliche Drucksensoren im vorderen Bremskreis verbessern die ABS-Regelung des leichteren und kompakteren Systems.

Nicht nur der Auslieferungsumfang der F 800 R hat sich verändert, auch mehr Sonderausstattung ist 2015 erhältlich. Dazu gehört die dreistufige elektronische Fahrwerkseinstellung ESA (305 Euro Aufpreis) sowie die automatische Stabilitätskontrolle ASC (315 Euro). Beide Systeme sind ein bezahlbarer und dennoch erheblicher Sicherheitsgewinn. Vor allem ESA war bisher hubraumstärkeren und teureren Bikes vorbehalten.

Überzeugt die F 800 R durch ihre Vielseitigkeit, denn obwohl die Sitzhöhe verringert wurde, fühlen sich auch Sitzriesen mit hoher Zubehörbank auf der R wohl. Kein Wunder: Produktmanager Ulrich Ast ist fast zwei Meter groß.

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