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BMW GS Trophy 2020 (Tag 7): Hier kommt keiner durch

375 Kilometer, vom Lake Tekapo zum Mount Aspiring. Auf dem Programm standen 195 Kilometer auf Asphalt und 180 auf Schotter. Die Challenges am vorletzten Tag hörten auf den Namen „Akrapovic“ und „Kupplungsstart am Tor“. Das Klassement: 1. Südafrika, 2. Italien, 3. Frankreich.

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Einmal quer durch's „Herr der Ringe“-Land.
Einmal quer durch's „Herr der Ringe“-Land.
(Bild: BMW Motorrad)

Tag 7 der BMW Motorrad International GS Trophy 2020 führte die GS Fahrer weiter nach Süden. Über das Hochland des Mackenzie-Beckens erreichten sie die ersten Ausläufer von Upper Otago – was wahrhaftig keine einfache Fahrt war, denn auf der Südinsel verhindern viele Berge ein schnelles Vorankommen. Gewöhnlich sind neue Gebiete einzig und allein über Pässe und Schluchten zugänglich. Bevor die Fahrer an ihrem Camp am Lake Wanaka ankamen, der am frühen Abend im Schatten des imposanten Mount Aspiring (der ein Weltnaturerbe ist) lag, mussten sie auf der Route der GS Trophy vier Bergpässe und mehrere Gewässer überwinden.

BMW GS Trophy 2020 (Tag 7)

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Diese Hochlandregion beeindruckt durch ihre besondere landschaftliche Dramatik. Weltberühmt wurde sie als Drehort der verschiedenen Teile des Filmepos ‚Herr der Ringe‘; darüber hinaus kann die Region auf eine lange, eigene Geschichte zurückblicken. Menschen bauten hier lange Zeit Mineralien und Edelmetalle ab: Die Maori suchten nach Jade und die europäischen Pioniere wurden vom Goldrausch des späten 19. Jahrhunderts angezogen.

Ein Gold ganz anderer Art konnten die GS Teilnehmer beim Sonnenaufgang über dem Lake Tekapo genießen, bevor sie zum ersten Test des Tages, der Akrapovic Challenge, antraten, die sie nach 30 km auf dem Weg zum Hakataramea-Pass erwartete. Bei diesem Test mussten alle drei Teamfahrer, teils auf Kies, teils an einer schrägen Uferböschung, einen Parcours mit schwierigen Kurven absolvieren, wobei einige stürzten. Bei diesem Wettkampf gegen die Uhr mussten die Fahrer eine adäquate Balance zwischen dynamischem Fahrstil und Technik finden; dafür entschieden sich die beiden führenden Teams Südafrika und Frankreich für eine besonnene Taktik, sie fuhren schnell, aber nicht unkontrolliert – ein Fehler wäre hier kaum noch auszugleichen gewesen.

Nach dem Test fuhren die Teilnehmer den Pass auf einem sanft verlaufenden Weg weiter hinauf, der einen Fernblick auf die Neuseeländischen Alpen im Westen erlaubte. Dort wurde der schneebedeckte Gipfel des Mt. Cook (in der Sprache der Maori Aoriki genannt) – der mit 3724 m höchste Berg Neuseelands – von den Strahlen der Morgensonne in Orange und Gold getaucht.

Anschließend führte die Route nach Westen zum Danseys-Pass, einem technisch wesentlich anspruchsvolleren Weg, an dem die steil abfallenden Talwände dicht aneinanderrückten – wie die Merinoschafherden, die den Weg einige Male blockierten! An der höchsten Stelle des Passes konnten die Fahrer im Danseys Pass Hotel – einem völlig abgelegenen Gebäude – endlich eine Mittagspause einlegen. Jenseits des Passes konnten die Fahrer sich wieder für die Schönheit der Berge begeistern, von deren Gipfeln Wolken wie Wasserfälle herabstürzten.

Als sie die Berge hinter sich gelassen hatten, führte die Strecke am Hochland entlang, wo sich zwischen Viehweiden und vereinzelten Getreidefeldern kleinere Hügel erhoben. Kleine Ortschaften mit Goldgräbergeschichte wie Naseby und Wedderburn zogen vorbei, und man konnte noch die sonderbare, vor sich hinrostenden Bergarbeiterhütten sehen. Heutzutage leben diese Gemeinden jedoch überwiegend von der Landwirtschaft.

Am Nachmittag erwartete die Fahrer ein letzter hoher Pass, der durch die Thomson Gorge genannte Schlucht führte. An seinem höchsten Punkt fand der zweite Test des Tages statt, der ‚Gate clutch start‘ (‚Kupplungsstart am Tor‘). Hier hatten die Teams die Aufgabe, von dem Tor auf der Passhöhe aus eine BMW F 850 GS innerhalb der kürzestmöglichen Distanz anzuschieben. Es ging also um eine Startund-Stopp-Aktion, wobei der Motor nach der Vollbremsung noch laufen musste. Einige gingen hierbei auf Nummer sicher und genehmigten sich ein paar Meter, um in Schwung zu kommen, bevor der Motor durch Anschieben ansprang, und gingen dann voll in die Bremsen. Mutigere Teams wie Russland setzten erfolgreich auf nur zwei Umdrehungen der Räder, bevor sie die Kupplung losließen, der Motor ansprang und sie dann bremsten - und das alles fand auf weniger als 5 Metern statt.

Nach dem Ende dieses Tests führte die Strecke ein letztes Mal bergab zum Lake Wanaka. Dieser Weg war von Wasserdurchfahrten und Toren geprägt und hatte somit eine Art Start-und-Stopp-Charakter. Wanaka liegt in einem großen, von Gletschern geformten Tal mit Feldern und vielen riesigen Felsen. Die Pisa Hills hinderten die Fahrer daran, zu weit nach Süden zu fahren, und vor den Neuseeländischen Alpen erhob sich erneut eine beeindruckende dunkle Felsenwand, die eine Barriere zur Westküste bildete.

Die Fahrt von Rotorua, quer über zwei Inseln, war wunderschön, manchmal herausfordernd, aber immer inspirierend. Jetzt können die Fahrer der GS Trophy dieses spektakuläre, schöne Land nur noch einen weiteren Tag genießen. Und auf die wenigen, die bei der GS Trophy selbst noch gute Chancen haben, wartet nun der nervenaufreibende letzte große Parcours, der darüber entscheidet, wer die neuen Champions sind. Nur noch ein Tag, aber es bleiben Erinnerungen für ein ganzes Leben.

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