BMW Motorrad: Rundenzeiten wie die Rennprofis

Autonomes Fahrprogramm für die S 1000 RR

| Redakteur: Viktoria Hahn

BMW Motorrad präsentiert iRace Kit für die S 1000 RR.
BMW Motorrad präsentiert iRace Kit für die S 1000 RR. (Bild: BMW Motorrad)

Mit dem iRace Kit soll die neue BMW S 1000 RR von BMW noch schneller werden - für jedermann und -frau. Das verspricht Dr. Phillip-Magnus Schalk, Leiter Autonome Rennsimulation bei BMW Motorrad.

Mit 207 PS, einem Leergewicht von nur 193,5 Kilogramm in der M-Version und einem auf höchste Sportlichkeit ausgelegten Gesamtkonzept stellt die S 1000 RR sowohl im Betrieb auf der Straße als auch auf der Rennstrecke ein Höchstmaß an Fahrdynamik bereit. Damit auch weniger Geübte mit Spaß und Sicherheit das Potenzial der RR ausloten können, verfügt das neue Superbike laut Hersteller bereits serienmäßig über ausgefeilte Assistenzsysteme wie ABS Pro und die Dynamische Traktionskontrolle DTC.

Mit dem iRace Kit geht BMW Motorrad nun noch einen Schritt weiter und stellt für die S 1000 RR ein Software-Kit bereit, das es auch weniger begabten Fahrern und selbst Führerschein-Neulingen ermöglicht, dank autonomer Fahrprogramme mit Rekordrundenzeiten für erstauntes Verblüffen auf der Rennstrecke zu sorgen. Die Innovation ist am 1. April der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Ab September dann erhältlich

Bereits im vergangenen Jahr gab der Hersteller mit der selbstfahrenden R 1200 GS einen eindrucksvollen Ausblick auf die Zukunft möglicher Motorrad-Assistenzsysteme. Auf Basis der umfassenden Forschungsergebnisse im Bereich eigenständig wirkender Assistenzsysteme hat BMW Motorrad jetzt einige technische Systeme für den Einsatz in Serienmotorrädern abgeleitet. Den ersten Aufschlag macht dabei die neue S 1000 RR, für die von September 2019 an der BMW Motorrad iRace Kit erhältlich sein soll. Ob Beschleunigen, Bremsen, Schalten oder Einlenken – mit dem iRace Kit soll die RR alle Manöver auf Wunsch vollkommen selbsttätig erledigen und dem Fahrer den Vorstoß in für ihn völlig neue Dimensionen der Fahrphysik ermöglichen.

Die technische Basis

Die technische Basis des BMW Motorrad iRace Kit bildet eine GPS-gestützte Software, die laut Hersteller auf sämtliche aktuelle Rennstrecken der Superbike-Weltmeisterschaft sowie auf die berühmten Kurse der Nürburgring Nordschleife und der Isle of Man zugreift. Damit ist es dem Fahrer der S 1000 RR über eine zusätzliche Benutzeroberfläche im TFT-Display möglich, für die jeweilige Rennstrecke einen bestimmten Fahrmodus und damit eine beliebige Rundenzeit bis hin zum aktuell gültigen Rundenrekord vorzuwählen. Eine gezielte und im Millisekundenbereich auf die jeweilige Streckenposition und Fahrbahnbeschaffenheit abgestimmte Steuerung der Assistenzsysteme ABS Pro und DTC sowie der Drosselklappen und des Sechsganggetriebes sollen es dem Fahrer ermöglichen, sich in kürzester Zeit an enorm schnelle Rundenzeiten heranzuarbeiten. Dabei stehen vier verschiedene Fahrmodi zur Verfügung: Beginner, Sportsman, Advanced und Unlimited.

Die vier Fahrmodi

Der Fahrmodus „Beginner“ eröffnet Rennstreckenneulingen laut Hersteller eine völlig neue Welt. Ausgehend von optimalen Strecken- und Temperaturbedingungen soll es dieser Modus selbst Ungeübten erlauben bis auf maximal 8 Sekunden an den aktuell gültigen Rundenrekord der jeweiligen Rennstrecke heranzufahren. Im Modus „Sportsman“ werden die Bremspunkte etwas später gesetzt und bereits mit dem Fahren auf der Rennstrecke Vertraute profitieren von einer geschärften Gasannahme und früherem Beschleunigen aus den Kurven. In diesem Fahrmodus kann laut Hersteller eine Rundenzeit bis zu maximal 5 Sekunden über der aktuellen Bestzeit realisiert werden. Für den versierten Rennstreckenfahrer ist der Fahrmodus „Advanced“ gedacht. Noch spätere Bremspunkte sowie eine Abstimmung der Dynamischen Traktionskontrolle DTC für Driftwinkel von bis zu 7,5 Grad und einem Schlupf von bis zu 12 Prozent ermöglichen laut Hersteller Rundenzeiten von bis zu 1,5 Sekunden über dem Streckenrekord. Der engagierte Hobby-Racer kommt schließlich mit dem Fahrmodus „Unlimited“ voll auf seine Kosten. Gute körperliche Fitness und perfekte Bereifung vorausgesetzt, soll es in diesem Modus sogar möglich sein, Zeiten im Bereich des jeweiligen Rundenrekords zu fahren. Dazu sind der Driftwinkel auf maximal 22,5 Grad und der Schlupf auf einen Höchstwert von 17,5 Prozent eingeregelt. Die autonome Steuerung von Kurvenfahrten erfolgt laut Hersteller ebenfalls GPS-gestützt. Technisch erfolgt die Umsetzung über zwei elektromagnetische Aktuatoren an der Vorderradführung sowie ein aufwändiges Kreiselsystem. Dies soll eine hochpräzise Steuerung von Richtungsänderungen ebenfalls im Millisekunden-Bereich möglich machen.

Dr. Phillip-Magnus Schalk, Leiter Autonome Rennsimulation bei BMW Motorrad: „Bei der Entwicklung des BMW Motorrad iRace Kits vertrauten wir auf die Erfahrungen unserer Superbike-WM-Piloten. Speziell was die Bremspunkte betrifft, lieferten sie uns wertvolle Daten für die Programmierung. Wir denken, dass dieses von BMW Motorrad patentierte System dem Großteil der S 1000 RR Fahrer völlig neue Welten erschließen wird. Es ist denkbar, dass wir dieses System zukünftig auch bei anderen Modellen zum Einsatz bringen.“

Inoffizieller Test auf der Isle of Man

Wie hervorragend das iRace selbst Ungeübte auf der Rennstrecke unterstützt, erfuhr Rosario Fröschle (39) auf der Isle of Man. Der gelernte Klempner aus Osnabrück durfte die mit iRace ausgestattete S 1000 RR im Rahmen eines inoffiziellen Tests im Vorfeld der letztjährigen Tourist Trophy vier Runden lang in allen Fahrmodi ausprobieren. Er sagt: „Ich bin die Strecke zuvor nie gefahren und muss zugeben, dass mir auf der ersten Runde im Beginner-Modus das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben stand. Doch ich spürte bald, dass das iRace alles besser kann als ich und gewann Vertrauen. In der vierten Runde im Unlimited-Modus flog mich die RR förmlich um die Strecke. Wie die Datenaufzeichnungen später bestätigten in einer Zeit, die nur knapp acht Sekunden über dem eine Woche später von Peter Hickman gefahrenen Rundenrekord von 16:50.202 Minuten lag. Es war der pure Wahnsinn, aber völlig safe.“

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