BMW R 1200 R: Roadster ohne Fehl und Tadel

Der wassergekühlte Boxer bringt eine neue Dynamik

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

»bike und business« vor Ort: Test der BMW R 1200 R in Benidorm.
»bike und business« vor Ort: Test der BMW R 1200 R in Benidorm. (Foto: Jan Rosenow)

Die neue Generation der R 1200 R überzeugt mit einer beachtlichen Bandbreite an Fähigkeiten und sieht dabei noch ziemlich gut aus.

Auf dem Motorradmarkt, der heute in zahllose Segmente und Nischen unterteilt ist, steht dennoch eine wichtige Bauart vor dem Aussterben: das ganz normale Motorrad, heute erklärend Naked Bike genannt. Unverkleidete Maschinen gibt es zwar wie Sand am Meer, aber entweder sind sie sind sehr sportlich oder als Retromodell ausgelegt.

Eines der wenigen Bikes, das nie etwas anderes sein wollte als ein ganz normales Motorrad für alle Einsatzfälle, ist die BMW R 1200 R. Für viele Fans der Marke war sie deshalb auch die „wahre“ BMW. Umso größer war die Spannung, wie sich dieser Typ beim Modellwechsel auf den wassergekühlten Boxer weiterentwickeln würde.

Eins ist klar: Bei einem Naked Bike schmerzt der Verzicht auf den klassischen, luftgekühlten Flachtwin ganz besonders. Doch wie die Modellpräsentation auf der Intermot bereits zeigte, beeinflusst ein anderer Paradigmenwechsel das Aussehen der R 1200 R viel stärker als der neue Motor: der Ersatz des Telelevers durch eine Upside-Down-Gabel.

Durch diese Änderung wird eine ganz neue, viel geducktere und sportlichere Optik möglich. Das Designteam um Edgar Heinrich hat die Vorlage genutzt und ein versammeltes, für frühere BMW-Verhältnisse geradezu klares und unaufgeregtes Design geschaffen. „Alle Karosserieteile sind möglichst simpel gestaltet und auf das Wesentliche reduziert“, erklärte Edgar Heinrich am 1. Dezember auf der Fahrvorstellung des Roadsters in Alicante.

Telegabel und ESA sind ein guter Ersatz für den Telelever

Die Fans der „alten“ R können trotzdem aufatmen: Die Ergonomiemaße haben sich nur im Millimeterbereich geändert. Noch immer sitzt der Fahrer sehr aufrecht und bequem, ebenso wie auf dem abgelösten Modell. Auch das Fahrverhalten mit der Telegabel dürfte nur für solche Fahrer ungewohnt sein, die die letzten 20 Jahre ausschließlich auf Boxermaschinen zugebracht haben (soll es ja geben): Ja, es taucht vorne etwas ein beim Bremsen, aber das ist nicht schlimm. Vor allem mit der optional angebotenen elektronischen Dämpferverstellung Dynamic ESA verhärtet die Gabel blitzschnell und lässt so kaum ein Bremsnicken zu.

Dynamic ESA ist übrigens nur eines der Features aus der langen (Aufpreis-)Liste der elektronischen Fahrerassistenzsysteme. Manch einem mögen da die Ohren klingeln ob der vielen hochtechnischen Abkürzungen, aber zwei Dinge sind Fakt: BMW und die Händler verdienen mit diesen Dingen mehr Geld als mit den oft erstaunlich preisgünstigen Basismodellen (R 1200 R: 12.800 Euro). Schließlich werden die meisten Maschinen in der Döner-Variante verkauft („Einmal mit allem bitte“). Und zweitens vermögen es die Systeme, den Charakter der Maschine sehr stark zu beeinflussen und damit die Bandbreite ihrer Fähigkeiten deutlich zu erweitern. Wenige Knopfdrücke reichen, um aus einem bequemen Tourer einen kraftstrotzenden Roadster zu machen, der sich vor einer Ducati Monster nicht zu verstecken braucht, ja sie mit seiner Fahrwerksqualität sogar übertreffen dürfte.

„Wasserboxer“ mit vorbildlicher Gasannahme und bulliger Leistung

Das durchaus straffe, aber gut ansprechende Dynamic-ESA-Chassis und die frappierende Handlichkeit machen die R 1200 R zusammen mit dem leistungsstarken „Wasserboxer“ zu einem Fahspaßgaranten erster Güte. Blitzschnelles Umlegen, satte Rückmeldung von der Straße, gute Schräglagenfreiheit – von der Betulichkeit der Vorgängerin ist so gut wie nichts geblieben. Zum Glück haben sich die BMW-Entwickler verkniffen, diese Sportlichkeit mit Mätzchen wie einer übertrieben gierigen Gasannahme noch überzubetonen. Butterweich folgt die BMW den Befehlen der rechten Hand: Gasgaben in tiefer Schräglage, Wenden auf engen Bergsträßchen? Überhaupt kein Problem!

In der Tat fiel es auf der Präsentation selbst den abgebrühtesten Testprofis schwer, an der neuen Bayrischen etwas auszusetzen. Am ehesten taugt noch die knorrige Getriebeschaltbarkeit für einen wissenden Kommentar: „Das können sie eben immer noch nicht.“ Aber hier tut der (natürlich optionale) Schaltassistent ein gutes Werk: Mit ihm lässt sich ohne Zug am Kupplungshebel sowohl hoch- als auch herunterschalten, was verblüffend geräuschfrei funktioniert. Auch die lediglich 16 Liter Tankinhalt könnten Tourenfahrern etwas geizig vorkommen. Doch 300 Kilometer Praxisreichweite sollten auch damit immer drin sein.

Mit der R 1200 R haben die BMW-Leute eine rundum stimmige Fahrmaschine auf die Räder gestellt, die es auch Nicht-Markenfans leicht macht, sie zu mögen. Und genau das ist ihr Auftrag. Fans der alten, luftgekühlten R 1200 R dürfen aber ebenfalls zugreifen: Bequem und reisetauglich ist sie immer noch.

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