BMW und die Agenda Moonride

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Communications Group)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 37/2018/I), Folge 627: Gestern war der rasende Reporter aus Würzburg mal wieder on tour. BMW Motorradzentrum München am Frankfurter Ring, 2. Stock. Dort traf ich um 10 Uhr morgens Henning Putzke, den Leiter von BMW Motorrad Deutschland, zum Interview und hielt ihm das Mikrofon...

...unter die Nase. Es ging um die Fragenkomplexe Status BMW Motorrad Deutschland, Unternehmernachfolgeprogramm, neue Ausrichtung der Dealer-Management-System-Strategie, Nachwuchs – in der Branche und bei den Kunden sowie um innovative Vertriebsansätze. Wie es sich für eine guten Journalisten gehört, habe ich mich natürlich vorher auch bei Händlern der weiß-blauen Marke schlau gemacht. Was lief in der Saison 2018 bisher gut, wo drückt der Schuh, was könnte in der Zusammenarbeit zwischen Hersteller und seinen Handelspartnern besser laufen?

Derart authentisch informiert und mit Argumenten aus der Händlerschaft munitioniert, tritt man in einem solchen Gespräch mit einem hochrangigen Herstellervertreter einfach souverän auf. Also danke, liebe Informanten aus der Händlerschaft, für euren Input!

Im Grunde genommen laufen die Geschäfte im Handel ganz ordentlich, obwohl die Marke BMW in den ersten sieben Monaten mit den registrierten 17.634 Neuzulassungen 10,51 Prozent unter Vorjahr liegt. Klar, die R 1200 GS führt mit 5.856 Einheiten – wegen der unmittelbar bevorstehenden Neuvorstellung des Nachfolgermodells naturgemäß weniger als in den Vorjahren – nach wie vor souverän die Top-Ten-Liste an. Doch ansonsten sucht man das Kürzel BMW unter den ersten zehn vergeblich – das gab's gefühlt auch schon lange nicht mehr. Es folgen auf Platz 13 die S 1000 XR (1.111 Neuzulassungen), S 1000 R (17. Platz/967 Einheiten), R 1200 RS (18./949), R 1200 R (19./939), R Nine T Scrambler (26./777), G 310 R (29./678), F 800 R (30./664), S 1000 RR (33./645), R Nine T (34./637) und R 1200 RT (50./489). Immerhin elf Modelle unter den Top 50, alles andere als schlecht. Entspricht ziemlich genau dem rechnerischen BMW-Marktanteil von derzeit 21,41 Prozent (Vorjahr: 25,42 Prozent).

Einige von mir kontaktierte Händler liegen nach eigenen Aussagen ganz gut im Rennen und berichten teilweise sogar von zumindest gleich gebliebener respektive erfreulicherweise sogar gestiegenen Nachfrage nach BMW-Motorrädern. Durch die Bank wird allerdings geklagt, dass die Geschäfte weniger Ertrag abliefern, weil doch der eine oder andere Kollege aus den eigenen Reihen seine Mopeds über Preis verkaufe. Wieder andere Händler sind aber von den ambitionierten Vorgaben doch ziemlich weit entfernt und finden diese Tatsache sehr erschreckend. Da das Erreichen dieses Parameters natürlich bonusabhängig ist, dürften sie ohne die einkalkulierten Zielerreichungsprämien am Ende des Jahres zu wenig Cash in der Tasche haben.

Die Vertriebsorganisation von BMW Motorrad steht zudem durch die Agenda Moonride gehörig unter Druck. Bedeutet dies doch u.a. dass der Hersteller bis 2021 seine Produktion in Berlin verdoppeln möchte. Um abschätzen zu können, was bei diesen ambitionierten Plänen auf die Händler zukommt, fanden in den Betrieben sogenannte Strategie Couches statt. Hier wurde ermittelt, welche Investitionen im Handel an Ausstattung und an Personal für eine Steigerung der Absatzzahlen erforderlich sind. Im Argen liegen aus Sicht der Händler aber auch die Themen Qualität der Motorräder, Stichwort G 310 („Wir hatten noch nie so ein hohes Gewährleistungsaufkommen“), verschobene Markteinführungen (BMW F 750 GS, BMW F 850 GS und Roller BMW C 400 X) oder Engpässe in der Teileversorgung,

Was der Handel im Kern moniert: Der Konzern müsse durch seine ehrgeizigen Wachstumspläne seine Produktion auslasten und sei daher nur an Stückzahlen interessiert, die in den Markt gedrückt werden müssten. Der Ertrag im Handel werde dagegen vernachlässigt. Da könne der Vertrieb Deutschland, dem, allen voran der energetische Henning Putzke als Kopf der Truppe, gute Noten bescheinigt werden, noch so bemüht sein, seine Händler mit Schulungen oder Händlerbetriebsvergleichen auf Betriebswirtschaft zu trimmen. Die Antworten von Henning Putzke auf diese und andere in diesem Speedlog aufgeworfene Fragen mehr, lesen Sie demnächst in der »bike und business«.

In eigener Sache

Weil wegen des anhaltend guten Sommerwetters die Showrooms und Werkstätten immer noch guten Kundenanlauf haben, haben wir uns entschlossen, den Einsendeschluss für die Bewerbungsunterlagen des Awards Motorradhändler des Jahres 2018 nochmals um eine Woche auf den 14. September zu verlängern. Gute Nachricht für die Powerfrauen der Branche: Auch Ihnen spendieren wir noch ein paar zusätzliche Tage und Stunden bis zum Stichtag 14. November, sich für die Bike Woman of the year zu bewerben. Nutzen Sie die Chance, legen Sie einen tollen Endspurt hin und überzeugen uns von Ihren Stärken.

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