Bosch verpasst dem Motorradfahrer ein digitales Schutzschild

Die Zukunft des Motorradfahrens neu interpretiert

| Autor: Stephan Maderner

Das Motorrad-Cockpit als digitales Gehirn. Boschs Zukunftsvisionen sind schon Realität.
Das Motorrad-Cockpit als digitales Gehirn. Boschs Zukunftsvisionen sind schon Realität. (Bild: Bosch)

Vernetzungssysteme, mehr Komfort dank vernetzter Lösungen und Motorrad-zu-Fahrzeug-Kommunikation – das sind die technischen Highlights, die Bosch auf der Eicma in Mailand den Messebesuchern näher bringen will.

Indem Motorrad und Auto miteinander sprechen, will Bosch den digitalen Schutzschild für Motorradfahrer schaffen. Fahrzeuge im Umkreis von mehreren hundert Metern tauschen bis zu zehn Mal pro Sekunde Informationen zu Fahrzeugtyp, Geschwindigkeit, Position und Fahrtrichtung aus. Lange bevor ein Motorrad für Autofahrer und fahrzeugeigene Sensoren in Sicht kommt, wissen sie dank der Technologie: Achtung, ein Motorrad nähert sich. Das ermöglicht ein verbessertes, vorausschauendes Fahren. Der Datenaustausch zwischen Motorrad und Auto erfolgt auf Basis des am W-Lan angelehnten Standards P-Wlan (IST G5). Das ermöglicht kurze Übertragungszeiten von nur wenigen Millisekunden zwischen Sender und Empfänger. Jeder beteiligte Verkehrsteilnehmer ist so in der Lage, für das Verkehrsgeschehen wichtige Informationen zu generieren und zu senden.

Integrated Connectivity Cluster

Das Integrated Connectivity Cluster (ICC) ist ein speziell für motorisierte Zweiräder und Powersports-Fahrzeuge entwickeltes Fahrerinformationssystem. Es vereint alle Instrumente im Motorradcockpit zu einem Display und ermöglicht dem Fahrer, sein Smartphone via Bluetooth mit dem Motorrad zu verbinden. Das System ist 2017 mit der BMW R 1200 GS in Serie gegangen. In Kooperation mit BMW steht Motorradfahrern eine neu hinzugekommene Navigationsfunktion zur Verfügung. Darüber hinaus verfügt das BMW Integrated Connectivity Cluster (ICC) über zwei weitere Features: Fahrer können Anrufe entgegennehmen und durch den Zugriff auf die Kontaktliste im Smartphone auch selbst Anrufe tätigen. Zudem ermöglichen ergonomische Regler, schnell und einfach auf die Lieblingsmusik auf dem Smartphone zuzugreifen. Das Integrated Connectivity Cluster ist in allen Situationen gut ablesbar, lässt sich intuitiv bedienen und erhöht dadurch die Sicherheit und den Komfort beim Motorradfahren.

Myspin-Smartphone-Integration

Myspin für Zweiräder ermöglicht Motorradfahrern, die Inhalte ihres Smartphones auf das Motorrad zu übertragen. Bei der Entwicklung standen besonders die Vermeidung von Fahrerablenkung und die erhöhte Fahrsicherheit im Vordergrund. Das System bietet allen Fahrzeugherstellern eine offene Plattform und die Möglichkeit, Apps von Drittanbietern zu integrieren. 2017 ist es im Powersports-Fahrzeug Can-Am Spyder von BRP (Bombardier Recreational Products) in Serie gegangen.

Lean Connectivity Unit

Die Lean Connectivity Unit ist eine vernetzte Lösung für mehr Sicherheit und Komfort auf zwei Rädern. Das Produkt wurde mit dem klaren Fokus auf die Bedürfnisse der Nutzer in Schwellenländern entwickelt. Stürzt der Fahrer, wird über das verbundene Smartphone ein automatisierter Notruf mit den entsprechenden Koordinaten an eine vordefinierte Notfallnummer gesendet. Ein solcher Notruf kann auch manuell per Knopfdruck, zum Beispiel für andere Notsituationen ausgelöst werden. Bei einem solchen Hilferuf wird die Position des Fahrzeugs in regelmäßigen Intervallen übertragen. Mit der dazugehörigen App kann der Besitzer einen Smartphone-„Schlüssel“ teilen und damit die Fahrtberechtigung zum Beispiel innerhalb der Familie weitergeben. Auch Telefonfunktionen sind möglich: So kann der Fahrer mit der Lenkerfernbedienung Anrufe annehmen oder automatisch ablehnen. Dank CAN-Kommunikation können Fahrzeughersteller auch Mehrwertfunktionen wie Ferndiagnose umsetzen.

Assistenzsysteme: Mehr Sicherheit auf zwei Rädern

1. ABS: Seit 1984 hat Bosch das Motorrad-ABS kontinuierlich weiterentwickelt, um diese wichtige Sicherheitstechnik für alle Fahrzeugklassen und in allen Märkten einzuführen. Laut Bosch-Unfallforschung könnte ungefähr jeder vierte Motorradunfall mit Toten und Verletzten verhindert werden, wenn alle Zweiräder mit ABS ausgestattet wären. Weltweit schreiben immer mehr Länder und Regionen, darunter die EU, Japan, Taiwan und Brasilien, den Einsatz von Motorrad-ABS vor. So müssen auch in Indien ab Mitte 2018 alle neu zugelassenen motorisierten Zweiräder mit mehr als 125 Kubikzentimetern Hubraum ein Antiblockiersystem an Bord haben. Das ABS 10 wurde speziell entwickelt, um die Anforderungen an motorisierte Zweiräder in den Schwellenländern zu erfüllen.

2. MSC: Die Motorrad-Stabilitätskontrolle (MSC) ist das weltweit erste Komplett-Sicherheitssystem für Zweiräder. Das System erkennt unter anderem die Schräglage eines Zweirads und passt die elektronischen Regeleingriffe beim Bremsen und Beschleunigen blitzschnell der momentanen Fahrsituation an. Dadurch verhindert das Bosch-System zum Beispiel das Wegrutschen oder das unkontrollierte, rasche Aufstellen eines Motorrads beim Bremsen in Kurven, wo sich die meisten Motorradunfälle ereignen. Ein neuer 6D-Sensor kommt ab 2018 im MSC-System zum Einsatz. Diese Sensoreinheit ist die kleinste und leichteste Einheit auf dem Markt. Sie kann deutlich flexibler montiert werden und ist robuster gegen Vibrationen.

3. Mehrwertfunktionen: Bosch nutzt das Motorrad-ABS und die Motorrad-Stabilitätskontrolle (MSC) als Basis für die Umsetzung von Mehrwertfunktionen, die mithilfe intelligenter Algorithmen in die ABS- und MSC-Einheiten programmiert werden. Das jüngste Beispiel einer solchen Mehrwertfunktion für Motorräder („slide slip angle control“) verbessert die dynamische Fahrzeugsteuerung in allen Fahrsituationen. Die Funktion regelt den optimalen Bremsdruck und erhöht so die Fahrzeugstabilität und Bremsleistung. Diese neue Funktion wurde speziell für Rennanwendungen entwickelt und geht 2018 mit der neuen Ducati Panigale V4 in Serie.

4. E-Bike ABS: Pedelec-Fahren wird mit dem ersten serienreifen Antiblockiersystem für E-Bikes jetzt noch sicherer. Mit der Neuentwicklung ist es möglich, das Blockieren des Vorderrades zu verhindern, sowie das Abheben des Hinterrads durch ein intelligentes System zu begrenzen. So lässt sich der Bremsweg reduzieren, und das Risiko von Überschlägen und Stürzen verringern. Einen flächendeckenden Einsatz des ABS vorausgesetzt, ließen sich einer Studie der Bosch Unfallforschung zufolge Pedelec-Unfälle somit um bis zu 25 Prozent reduzieren. Das Bosch-E-Bike-ABS soll in Kürze zunächst für ausgewählte Flottenpartner verfügbar sein, der Serieneinsatz an Trekking- und City-E-Bikes mit Bosch-Antriebssystem ist für Herbst 2018 vorgesehen.

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