Bremen Classic Motorshow 2019: Heiß auf coole Oldies

Die Messe in der Hansestadt ist Szene und etablierter Handelsplatz für Old- und Youngtimer

| Redakteur: Stephan Maderner

Bremen Classic Motorshow 2019: Die 1914er Harley-Davidson 10E war ein Highlight der Motorrad-Sonderschau „Das Jahrhundert der Coolness – US-amerikanische Motorräder aus 100 Jahren“.
Bremen Classic Motorshow 2019: Die 1914er Harley-Davidson 10E war ein Highlight der Motorrad-Sonderschau „Das Jahrhundert der Coolness – US-amerikanische Motorräder aus 100 Jahren“. (Bild: Messe Bremen)

Die 17. Oldtimermesse in Bremen verzeichnete gegenüber 2018 ein Teilnehmerplus von 1,8 Prozent. Grund dafür war auch die attraktive Motorrad-Sonderschau von US-Bikes aus dem 20. Jahrhundert.

Die 17. Auflage der Bremen Classic Motorshow ging am Sonntag, 3. Februar 2019, mit einem guten Ergebnis zu Ende. 41.678 Besucher kamen an den drei Veranstaltungstagen in die acht Hallen der Messe Bremen. „Wir hatten verschiedene Gründe zur Freude. Die Atmosphäre vor Ort war außergewöhnlich gut. Auch konnten wir ein Besucherplus gegenüber dem Vorjahr verbuchen“, sagt Projektleiter Frank Ruge (2018: 40.931).

Anteil an dieser Resonanz hatte auch die Sonderschau „Das Jahrhundert der Coolness – US-amerikanische Motorräder aus 100 Jahren“. Rund zwanzig Charakterbikes waren am Start.

Die Motorrad-Sonderschau

Diese Maschinen sind anders: Schwer, lang, bullig und chromblitzend erscheinen sie in unserer Phantasie. Auch Tradition spielt bei US-amerikanischen Motorrädern eine Rolle, immerhin ist die Marke Harley-Davidson nun seit 115 Jahren am Markt. Aber sind US-Bikes tatsächlich so oder stellen wir uns das nur vor? Die Sonderschau „Das Jahrhundert der Coolness – US-amerikanische Motorräder aus 100 Jahren“ gab Antworten in Form von rund zwanzig ausgestellten Charakterbikes, Highlights der US-amerikanischen Motorradindustrie.

Die Marken Harley-Davidson und Indian dominierten einst die US-Szene. Neben Exponaten der beiden großen und prägenden Marken illustrieren in Bremen auch faszinierende Maschinen anderer Hersteller, die hierzulande wenig bekannt wurden, das „Jahrhundert der Coolness“.

Die USA sind das Land der großen Dimensionen und der weiten Wege. Daher mussten die Maschinen von Anfang an auch lange Strecken problemlos zurücklegen können. So wurden die Einzylinder der Urzeit zu Zweizylindern: Stabile Rahmen und Vorderradgabeln führten weg vom Fahrrad und der Wunsch nach mehr Leistung zu größeren Hubräumen. Es entstanden die klassischen V2 als naheliegende Bauart. Da Kraftstoffe billig waren und fiskalische Hemmnisse wie die europäische Hubraumsteuer nicht existierten, war das große Motorrad gesetzt.

Die US-Marke Indian Motocycle Company in Springfield war bis in die 20er-Jahre das größte und innovativste Motorradwerk der Welt. Die Indian von 1913 zeigt das überdeutlich. Konkurrent Harley-Davidson Motor Company (H-D) sollte ab 1910 mit den „E“-Modellen mächtig in Fahrt kommen, holte auf technischem Gebiet auf und überflügelte Indian durch geschicktes Marketing. Das Modell 10F von 1914 ist in Bremen gleich doppelt vertreten: im Cannonball-Renntrimm und im Concours-Zustand.

Im Unterschied zu Europa waren in den USA seit den 20er-Jahren Automobile für viele Menschen erschwinglich. Das stellte die Hersteller vor die Aufgabe, faszinierende Bikes für echte Fans und robuste Maschinen für Behörden zu bauen. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg ergänzten Reihenvierzylinder das Angebot der US-Marken. Die „Fours“ von Pierce, Henderson, Ace und Indian boten Laufkultur und Durchzug à la Pkw verbunden mit der üppigen Kraftentfaltung eines großen Motorrades. In Bremen dabei waren eine Indian Ace von 1928, eine Henderson KJ von 1930 und eine Indian Four Upside-down von 1937.

Schon in den späten 20er-Jahren jagten daher Cops auf US-Bikes Temposünder, jugendliche Sportler maßen sich an Berghängen oder auf Aschenbahnen, während Motorradclubs mit ihren US-Maschinen auf Tour gingen. So wurden die typischen V-Twins immer besser: Die rasante H-D „Knucklehead“ etwa bereichert die Sonderschau, weil sie ab 1937 mit ihrem modernen OHV-Motor das schnellste amerikanische Motorrad war.

Als in den 50er-Jahren die Briten und seit Mitte der 60er die japanischen Marken den US-Markt eroberten, blieb nur Harley-Davidson. Mit neuen Baureihen sollten junge Kunden kommen. Angelehnt an den Film „Easy Rider“ erhielten die Zweizylinder von H-D einen ganz neuen Status. Chopper und Low Rider waren plötzlich allgemein angesagt. Das Verkaufsprogramm von H-D – von der flotten Sportster bis zur souveränen Electra Glide – war gefragt wie nie zuvor und es wurde heftigst umgebaut. Gern nachgeahmt wurde aber auch das erste Custom-Bike, die Super Glide. Fazit: Die Company kam sicher ins dritte Jahrtausend.

Treffpunkt für Sammler und Enthusiasten

Für das Renommee der Bremen Classic Motorshow als etablierter Treffpunkt der Szene und Handelsplatz für Old- und Youngtimer spricht auch das Ergebnis der Befragung, die die Messeveranstalter regelmäßig durchführen. „Sammler und Enthusiasten scheuen auch lange Anfahrtswege nicht, um sich auf unserer Messe zu treffen und hier zu kaufen. Knapp die Hälfte der Besucher reist zwischen 100 und 300 Kilometer, um dabei zu sein. Auch kamen 2019 mehr Besucher aus Skandinavien“, sagt Hans Peter Schneider, Geschäftsführer der veranstaltenden Messe Bremen & ÖVB-Arena.

Zufrieden zeigten sich auch die 677 Aussteller aus zwölf Nationen. Gute Umsätze erzielten zudem die Eigenproduktionen wie das Handelsforum „Junge Klassiker“. Punkten konnten die Veranstalter darüber hinaus mit den deutschlandweit einmaligen Sonderschauen zu US-Bikes der 20. Jahrhunderts und raren Kombi-Klassikern. Ebenfalls weit oben in der Gunst des Publikums standen die klassischen Fahrräder – ein Sammlerthema, an dem die Organisatoren 2020 festhalten wollen.

Nach der Messe ist vor der Messe: 2020 findet die 18. Bremen Classic Motorshow von Freitag bis Sonntag, 31. Januar bis 2. Februar, statt.

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